Das Rätsel des Feuers

Autor*in
Mankell, Henning
ISBN
978-3-7891-4231-4
Übersetzer*in
Kutsch, Angelika
Ori. Sprache
Schwedisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
216
Verlag
Oetinger
Gattung
Ort
Hamburg
Jahr
2002
Lesealter
12-13 Jahre14-15 Jahre16-17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
10,90 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Die fünfzehnjährige Sofia muss mit einem harten Schicksal fertig werden: Bei einem Tretminenunfall verlor sie beide Beine und ihre jüngere Schwester, ihre Familie lebt in äußerster Armut und jetzt erkrankt auch noch ihre 17jährige Schwester Rosa an AIDS. Doch Sofia verzweifelt nicht, sondern hilft ihrer Familie nach Kräften. Eines Tages trifft sie im Mondschein einen Jungen, der sie mag, doch es ist fraglich, ob sie ihn wiedersehen kann.

Beurteilungstext

In diesem Buch, dem zweiten Band einer dreiteiligen Serie über Sofia, ist das Minenunglück schon Geschichte. Sofia hat gelernt, mit ihren Prothesen und Krücken zu gehen, auch im übertragenen Wortsinn, sie zeigt sich als frühzeitig erwachsenes Mädchen, die - bei allen Widrigkeiten ihres Alltags - offene Augen und Ohren für Andere ebenso hat wie eine noch etwas ungelenke Zielstrebigkeit in ihren eigenen Zukunftsplänen. Hierin ist sie ihren europäischen Altersgenossinnen sicher voraus, für ein nachahmenswertes und -fähiges Vorbild aber immer noch dicht genug “dran”.
Auch ihren Platz in der Familie in Mosambik hat sie wiedergefunden. Dieser Platz ist aus dem hiesigen Blickwinkel schwer nachzuvollziehen. Eingebunden in eine Welt von hierarchischen Beziehungsgeflechten, mit übermächtig erscheinenden Erwachsenen, Reichen, Gebildeten, die alle Furcht hervorrufen und Gehorsam erwarten, inmitten einer animistischen Weltsicht, die - trotz streckenweise aufgeklärter Kenntnisse - über weite Strecken noch erfüllt ist vom Glauben an Geister, Zauberer und die Kraft von Flüchen, fällt Sofia selbst die Konsequenz ihres schulischen Wissens schwer. Oft blitzt bei Mankell die Erfahrung durch, dass dieser große, eigentlich reiche und machtvolle Kontinent Afrika seine Entwicklungschancen durch Neid, Missgunst und Bequemlichkeit der Menschen untereinander selbst am meisten behindert.
Doch auch die Erinnerungen lassen Sofia nicht los, schon morgens beim Aufwachen spricht sie mit ihrer toten Schwester, sie glaubt nicht an die Möglichkeit, dass sich jemand für sie - den Krüppel - interessiert. Und auch wenn die erste Begegnung mit ihrem künftigen Freund etwas mystisch und zauberhaft beginnt, so erfährt Sofia - und mit ihr der Leser - die handfeste Wahrheit, dass es auch positive Überraschungen gibt und dem, der dafür offen ist, auch Mitmenschen sich öffnen.
Viele große und meist schwergewichtige Gedanken und Ideen also, die dieses Buch birgt, aber - zum Glück - erschlägt Mankell seine Leser nicht mit deren Wucht, sondern wählt die kleine, verträglichere und wirksamere Form eigener Erkenntnis, um seine Botschaft zu übermitteln. Dass er dabei an keiner Stelle die Ernsthaftigkeit von Problemen wie Aids, Landminen und deren Opfer, Körperbehinderungen oder Armut in Frage stellt, könnte eine Selbstverständlichkeit sein, ist es oft aber nicht. Gerade der unverkrampfte, gleichzeitig realistische wie optimistische Stil des Umgangs mit diesen Problemfeldern, die nur in ihrem Ausmaß, nicht aber im Prinzip ein afrikanisches Thema sind, erleichtert die eigene Auseinandersetzung in hohem Maß.
Wer also bei der thematischen Zusammenfassung nicht zurückschreckt, wird mit einem eindringlichen und wahrhaftigen Buch voller Menschlichkeit belohnt.

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Diese Rezension wurde verfasst von bh-rp.
Veröffentlich am 01.01.2010

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