Vor dem großen Knall

Autor*in
Vall, Emma
ISBN
978-3-423-78235-7
Übersetzer*in
Brunow, Dagmar
Ori. Sprache
Schwedisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
223
Verlag
dtv
Gattung
Krimi
Ort
München
Jahr
2009
Lesealter
12-13 Jahre14-15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
6,20 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Teaser

Ein Theaterprojekt an Svalas Schule, das die Integration von MitschülerInnen mit Migrationshintergrund fördern soll, lenkt die Schüler der Abschlussklassen von dem Druck der Prüfungen ab, belastet diese aber auch durch zusätzlichen Arbeitsaufwand. Aber weder alle Schüler noch alle Lehrer stehen hinter der Idee der neuen Schulleiterin. Immer wieder kommt es zu Störungen, sogar zu Sabotageakten, bei denen ein Schauspieler verletzt wird.

Beurteilungstext

Im zweiten Band der ‚Svala ermittelt'-Reihe hat sich die Situation in Svalas Familie zum Teil entschärft. Ihre Aisa ist von ihrer Selbsterfahrungspause auf Island zurück nach Schweden gekommen und hat sich gemeinsam mit Svala eine Wohnung in Enskede, einem Vorort von Stockholm, gesucht. Sohn Petur, der inzwischen wegen seiner Tätigkeit als Fahrradbote die Schule abgebrochen hat, blieb in der Wohnung, die er früher mit seinem Vater Jan und Svala bewohnt hatte, wohnen. Er wollte in der Stadt bleiben und die Selbstständigkeit des letzten Jahres nicht wieder aufgeben. Mit diesem Problem kämpft auch Svala, denn Aisa ist zwar als Künstlerin oft unterwegs, aber zuhause stellt sie sehr deutlich ihre Mutterrolle unter Beweis. Dies passt Svala überhaupt nicht, sie ist es gar nicht mehr gewohnt, ihre Entscheidungen und Schritte erklären zu müssen.
Im Rahmen des Projekts trifft Svala Katja wieder, die ihr bei dem Abenteuer des ersten Bandes mehrmals das Leben gerettet hat. Katja leitet das Theaterprojekt, das sowohl in den Räumen der Schule als auch im Park, wo die Theatergruppe ein Zirkuszelt und mehrere -wagen aufgestellt hat. Aber die Stimmung innerhalb der Jugendlichen, für die das Projekt gedacht ist, ist geladen, geprägt durch Anschuldigungen, Hass, Ausgrenzung und fehlgeleitete Emotionen. Svala, die als Tochter einer Isländerin auch ausgegrenzt wird, findet dennoch keinen Zugang zu den Jugendlichen aus Dalen, einem der sozialen Brennpunkte der Stadt. Katjas Energie und Engagement scheinen unerschöpflich, sie versucht mit allen Mitteln selbst die heftigsten Kritiker ins Boot zu bekommen, und spricht immer wieder vor Schülern und Lehrern, um für Unterstützung und Verständnis zu werben. Vom vorbildlichen und auf eigenverantwortliches Arbeiten zielenden Lernen, das in den deutschen Medien hoch gelobt wird, ist an dieser Schule - abgesehen vom Engagement der Schulleiterin - wenig zu spüren. Das Denken und Handeln der Lehrerinnen und Lehrer wirkt konservativ, dominant, frustriert, voller Vorurteile und alles andere als offen für Integration. Zum einen ist ein straffes Programm vor dem Hintergrund der Abschlussprüfungen verständlich, dem steht aber der Gedanke, durch aktives Miteinander die Schlüsselkompetenzen für ein eigenverantwortlich geführtes Leben zu bekommen, gegenüber. Die Lehrer jedenfalls erhalten in der Darstellung durch die Autorinnen wenig Positives. Doch dies ist nur eine Randerscheinung. Die Bemühungen der Theatergruppe, ihr Projekt schauspielerisch nach vorne zu bringen und gleichzeitig die kleine Zirkusstadt im Park gegen Überfälle und Sabotageakte zu schützen, gewinnen zunehmend an Spannung, weil die Übergriffe nicht nur Sachbeschädigungen bleiben, sondern auch Personen zu Schaden kommen. Gleichzeitig tritt ein, was sich die Initiatoren des Projekts erhofft haben - der gemeinsame Kampf gegen den unsichtbaren Gegner bringt die Jugendlichen einander näher. Einen Großteil dazu leistet Svala, die nicht nur wegen Katja sich immer mehr in die Theaterarbeit hineinkniet, sondern auch wegen Petter, dem Allrounder der Gruppe, der nicht müde wird, die Fahrdienste zu übernehmen, um Unmögliches möglich zu machen und mittels Improvisationen die Kosten gering zu halten. Als Svala erfährt, dass Nesima, die Tänzerin der Dalen-Schüler, die Schwester von Ervin, demFreund ihres Bruders Petur ist, scheint das Eis endgültig gebrochen. Gemeinsam gehen beide gegen eine verdächtige Mitschülerin vor. Als sich auch Petur für das Vorankommen der Gruppe engagiert, ist für die Svala die Welt wieder in Ordnung. Deshalb ahnt der Leser, dass am Ende der große Unbekannte gefasst wird, auch wenn dessen Plan, das Zelt in ein flammendes Inferno zu verwandeln, beinahe aufgegangen wäre.
Das Buch ist nicht nur spannend geschrieben, sondern auch in seiner Thematik vielfältig und eindringlich. Die Figur der Svala gewinnt an Tiefe, es lässt sich in diesem Band recht gut nachvollziehen, warum sie Außenseiterin ist und ihre Bezugspersonen weitestgehend im Erwachsenenkreis findet. Das enge Verhältnis zu ihrem Bruder erhält auch in diesem Band eine auffallende Bedeutung - schließlich ist der Name von Svalas erwachsenem Freund, Petter, die schwedische Variante zum isländischen Petur. Die Figurenzeichnungen und der Kampf um das Integrationsprojekt, verbunden mit den Vorurteilen gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund, erscheinen mir interessante Komponenten, diese Buch als Klassenlektüre vorzuschlagen, auch wenn der Fokus auf der weiblichen Hauptperson liegt.

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Diese Rezension wurde verfasst von magic.
Veröffentlich am 01.01.2010

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