Cafè Kafka im Visier

Autor*in
Vall, Emma
ISBN
978-3-423-71342-9
Übersetzer*in
Brunow, Dagmar
Ori. Sprache
Schwedisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
158
Verlag
dtv
Gattung
Krimi
Ort
München
Jahr
2009
Lesealter
12-13 Jahre14-15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
5,95 €
Bewertung
empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Da die Eltern zum einen getrennte Wege gehen, zum anderen sich selbst verwirklichen wollen, müssen die 14-jährige Svala und ihr 3 Jahre älterer Bruder Petur ihr tägliches Chaos alleine bewältigen. Petur stockt die Familienkasse durch Botengänge als Fahrradkurier auf, Svala verbringt jede freie Minute im Cafè Kafka. Dort erfährt sie von einer Nerzbefreiungsaktion. Aber irgendetwas stimmt nicht an der These, dahinter könnten militante Veganer stecken.

Beurteilungstext

Nach einem spannenden Einstieg, der die nächtliche Befreiungsaktion der Nerze schildert, folgt eine recht umfangreiche Darstellung von Svalas und Peturs Alltagssituation, die sich im chaotischen Küchenzustand widerspiegelt. Svala wünscht sich nichts mehr als eine Freundin, mit der man über alles sprechen kann. Aber ihre Freundinnen aus dem Cafè Kafka haben fast alle mehr oder minder feste Partnerschaften oder befinden sich in der ‚Übergangsphase', für Svalas Interessen bleibt da wenig Raum. Deshalb orientiert sich Svala immer mehr an ihrem drei Jahre älteren Bruder Petur, der zum einen die Vaterrolle ablehnt, sich aber dennoch für die die kleinere Schwester verantwortlich fühlt. Die elternlose Situation schweißt die beiden eng zusammen, belastet aber auch entscheidend ihren Alltag. Petur besucht wegen seines Fahrradjobs nur unregelmäßig die Schule, Svala fühlt sich dort ausgeschlossen, weil sie als Tochter einer Isländerin Migrationshintergrund und daher nur bedingt von den KlassenkameradInnen akzeptiert wird. Als Svala von der Befreiungsaktion hört, die den Veganern angelastet wird, konfrontiert sie Oskar, den Freund ihres Bruders und engagierter Veganer, mit der Frage, ob er in diese Sache verwickelt sei. Aber dieser geht nicht weiter darauf ein, sondern schürt den Verdacht, dass dies keine ‚normale' Aktion von militanten Vertretern seiner Gruppe sei, denn der Nerzfarmbesitzer konnte bei einem Interview im Fernsehen nicht verbergen, dass er noch alle Zuchttiere hatte. Svalas kriminalistisches Interesse ist geweckt und sie begibt sich zur Recherche direkt an den Tatort. Nur durch Zufall und viel Glück kann sie verhindern, dass sie als Wiederholungstäterin festgenommen wird. Sie wird von Katja, einer Theaterschauspielerin, die im nahe gelegenen Ferienhaus ihrer Eltern sich eine Auszeit gönnt, gerettet. Doch die Gefahr bleibt, weil sie auf der Fähre zum Festland von einem der drei Männer, die sie am Tatort überrascht haben, entdeckt und verfolgt wird. Nur mit Mühe kann sie dem Mann entkommen - nun ist Svala sich sicher, dass die Nerzbefreiungsaktion ein ‚krummes Ding' ist und nicht nur die Nerze von der Aktion profitiert haben. Sie bleibt hartnäckig dran und riskiert alles, auch ihr eigenes und das Leben von Oskar, dem sie ihren Verdacht mitgeteilt hat. Bald darauf benötigt sie wieder Katjas Hilfe.
Während die Handlung zunächst recht schleppend in Gang kommt, überstürzen sich am Ende die Ereignisse. Svalas Kombinationen lassen sich nur bedingt nachvollziehen, auch ihre gefährlichen Ermittlungen vor Ort, die durch Hausfriedensbruch an den Rande der Legalität geraten. Die Lösung des Falles ist für den Leser nicht überraschend, die Story wirkt ‚aufgesetzt'. Zum Glück taucht endlich auch einmal die Polizei auf, die dann das Schlimmste verhindert, aber nachahmenswert ist Svalas Handeln sicherlich nicht.
Die Figur der Svala erscheint in diesem ersten Band in vielen Bereichen widersprüchlich. Zum einen hat sie keine gleichaltrige Freundin, die Gründe bleiben aber ungeklärt. Zum anderen trennt sie sich eher problemlos von ihrem Freund, der offensichtlich von der Tiefe ihrer Beziehung nichts weiß. Auffallend ist Svalas Orientierung an Älteren, vor allem an den Freunden und Freundinnen ihres Bruders Petur. Während sie zu ersteren eine sehr enge Beziehung aufbaut, sich in Oskar auch verliebt, lehnt sie die Frauen in der Nähe ihre Bruders eifersüchtig ab, so dass der Eindruck entsteht, zwischen Bruder und Schwester bestehe ein äußerst enges Verhältnis, ja fast mehr als das - jedenfalls, was Svala betrifft. Während die Bilder an die Mutter Aisa märchenhaft eingeblendet werden, erfährt man über den Vater, der Hilfskonvois in den Kosovo begleitet, nur wenig. Aisa wähnt die Kinder in der Obhut ihres Ex-Mannes Jan, der aber weiß doch, dass die beiden für sich selbst sorgen müssen. Als Vaterfigur erhält Jan jedenfalls durch die Zeichnung des Autorinnentrios einen dicken Minuspunkt. Dass die Strategie der beiden Jugendlichen, unter allen Umständen ihre Freiheit zu behalten, seinen Preis fordert, erfahren die Leser erst im zweiten Band der ‚Svala ermittelt'-Reihe. Die Handlung des Buches ist - von den anfänglichen Schwierigkeiten abgesehen - recht spannend geschrieben und zeichnet das emotionale Chaos einer vierzehnjährigen Jugendlichen gut nach. Das Buch lädt zum Schmökern ein und ist eine Bereicherung für alle Krimi-Fans - eine recht gelungene Fassung eines Krimis, der sicherlich jugendlichen Schwedenliebhabern wegen seines Lokalkolorits gefallen wird.

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Diese Rezension wurde verfasst von magic.
Veröffentlich am 01.01.2010

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