Und alles neu macht der Mai

Autor*in
Kordon, Klaus
ISBN
978-3-407-75602-2
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
443
Verlag
Beltz & Gelberg
Gattung
Buch (gebunden)Erzählung/Roman
Ort
Weinheim
Jahr
2021
Lesealter
14-15 Jahre16-17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
BüchereiKlassenlektüre
Preis
22,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Wie wird das letzte Kriegsjahr, das Kriegsende und die Zeit danach erlebt? Klaus Kordon schildert aus der Sicht eines 16-jährigen Mädchens, wie fest verankerte Wahrheiten plötzlich ins Wanken geraten und wie verschiedene Menschen mit ihrer Schuld umgehen.

Beurteilungstext

Deutschland befindet sich mitten im 2. Weltkrieg und die 16jährige Rena muss mit ihrer Mutter und den drei Geschwistern Jockel, Kutti und Jutsch von Polen fliehen, weil die Front vorrückt. Der Vater ist als Soldat an der Front.
Zunächst führt ihre Flucht nach Berlin, aber dort können sie nicht bleiben, denn Wohnraum ist aufgrund der Bombardierungen knapp und ihre Verwandten sind entweder schon umgekommen, gefangen genommen oder leben bereits mit anderen Personen zusammen, die bei ihnen einquartiert worden. Deshalb reisen sie weiter nach Kewenow, einem kleinen Dorf in der Nähe von Hamburg. Auf einem Hof können sie arbeiten und dafür dort auch wohnen. Rena, die Ich-Erzählerin, entschließt sich für ihre erst zweijährige Schwester Tagebuch zu schreiben, damit diese Zeit auch in Erinnerung bleibt. Von daher wirkt der Roman an vielen Stellen wie ein Tagebuchroman. Sie lernt auch den 17jährigen Klaas kennen, der einen etwas anderen Blick auf die Nationalsozialisten hat und dessen Vater denunziert und in einem Lager schließlich verstorben ist. Er informiert sich bei BBC über die Kriegsereignisse und stellt kluge Fragen, die auch Rena zum Nachdenken bringen.
So erlebt die Familie auch das Kriegsende und die Kapitulation vor den Briten. Gleichzeitig wird an dem Ortsbauernführer Otto Krogg sehr deutlich gemacht, wie Menschen sich an unterschiedliche Regimes anpassen und versuchen möglichst das Beste für sich zur jeweiligen Zeit herauszuholen. Hat er zu NS-Zeiten noch den Vater von Klaas denunziert, so erkennt er schnell, dass der Krieg am Ende verloren ist. Schnell wird er von den Briten auch als Ortsleitung wieder eingesetzt. „Alles neu macht der Mai“ heißt es etwas ironisch von Renas Vater. In Auseinandersetzung mit ihrem Vater fragt Rena auch immer wieder danach, wie viel der Vater gewusst hat und wie er damit jetzt umgeht. Doch der will von Schuld nichts wissen.
So wird sehr interessant und vielschichtig das Thema aufgearbeitet und beleuchtet. Das Buch ist sehr flüssig geschrieben. Kordon gelingt es, die widersprüchlichen Gedanken und Gefühle des jungen Mädchens darzustellen und dennoch auch Grundfragen von Schuld und den Umgang mit den Kriegserfahrungen zugespitzt an einzelnen Figuren aufzuzeigen.
Von daher schafft der vielfach ausgezeichnete Autor, der zuletzt mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk ausgezeichnet wurde, ein wichtiges Werk, das die Grausamkeiten des Krieges, das Mitläufertum aber gerade auch die Zeit nach dem Krieg einfühlsam thematisiert und damit auch heute zur Aufklärung und Bildung beitragen kann.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von Alexandra Ritter; Landesstelle: 23 Sachsen-Anhalt.
Veröffentlicht am 30.05.2022

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