Kalulu und andere afrikanische Märchen

Autor*in
Siege, Nasrin
ISBN
978-3-86099-428-3
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Rieder, Barbara
Seitenanzahl
144
Verlag
Brandes & Apsel
Gattung
Märchen/Fabel/Sage
Ort
Frankfurt
Jahr
2007
Lesealter
6-7 Jahre8-9 Jahre10-11 Jahre12-13 Jahre14-15 Jahre16-17 Jahreab 18 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
12,90 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

In mehr als 50 afrikanischen Märchen im Fabelstil entfaltet sich ein buntes Panorama vom Alltag, dem Leben und den Sitten afrikanischer Völker, vor allem Sambias. Zahlreiche Illustrationen, ein Vorwort des Verlegers und ein Nachwort der Autorin vervollständigen das Bändchen.

Beurteilungstext

Schon der Einband symbolisiert das Wesen dieses Büchleins: Kräftige Farben und starke Kontraste, dazu eine fremdartige Anmutung lassen neue Leseerlebnisse vermuten. Und die Hoffnungen werden nicht enttäuscht. Märchen von erstaunlicher Kürze, Fabeln über exotische Tiere und zunächst irritierende Handlungsverläufe erwarten den Leser oder Vorleser, denn bereits im späten Vorlesealter sind diese Geschichten reizvoll.
Fast immer geht es um Beziehungen untereinander, um Dummheit und Schläue, um Respekt vor Brauchtum und Alter, um den Überlebenskampf in einer feindlichen Umwelt und zwischen vermeintlich Stärkeren. Oft ist die Hauptperson der Hase Kalulu, ein hinterlistiges und durchtriebenes Schlitzohr, dem man trotzdem Bewunderung, gar Sympathie nicht gänzlich vorenthalten kann. Denn “moralisch”, wie wir das von vielen deutschen bzw. europäischen Märchen gewohnt sind, sind diese Geschichten und ihre Akteure selten. Oft erscheint das Gute, das bei uns letztlich immer zu siegen pflegt, am Ende als dumm, unterlegen, vergebliche Mühe, gewinnt die List, der Betrug, manchmal sogar der Mord den Wettbewerb.
Ist das nicht falsch? Ist es nicht gefährlich, Kindern ein solches Verhalten, das den meisten Erziehungszielen widerspricht, als beispielhaft und zielführend vorzustellen? Auf einen solchen Gedanken könnte man kommen, wenn, ja wenn Nasrin Siege nicht selbst in ihrem Nachwort darauf zu sprechen käme. Sie bietet nämlich die einleuchtende und auch vermittelbare Erklärung an, dass viele dieser Märchen sich unter den Eindrücken von Unterlegenheit, Ausgeliefertsein und waffenmäßiger Schwäche der afrikanischen Völker gegenüber den europäisch-amerikanischen Eroberern entwickelt oder zumindest verändert haben. Die alltägliche Erfahrung vieler Afrikaner bot ihnen nur die Wahl zwischen ehrenhaftem Besiegtwerden oder moralfreier Überlistung des Gegners, das eigene Überleben konnte unter Umständen nur durch Verrat, Intrige und Betrug gesichert werden. Und die angeblich so zivilisierten Weißen - brachen sie nicht selbst bedenkenlos Verträge und lieferten nutzlos gewordene Verbündete skrupellos ans Messer? Die Moral oder scheinbare Unmoral vieler Geschichten entspringt also Erfahrungen mit Kolonialismus und westlicher “Kultur” - ein weites und auch in der Schule viel zu wenig beackertes Gebiet.
Literarisch zusätzlich interessant sind manche Anklänge an auch bei uns bekannte Märchenmotive, auf die Siege ebenfalls im Nachwort eingeht. Es gibt also viel Interessantes und Aufregendes zu entdecken in diesem Buch.
Ein letzter Satz zu den Illustrationen: Selten vorher fand ich so “farbige”, ausdrucksstarke Schwarzweißzeichnungen wie hier. Die Mischung von tiefem Schwarz und reinem Weiß, der Mut zu Leerflächen und dekorativen Strichelmustern in raffinierten Grauabstufungen, der erstaunlich tiefe Emotionen vermittelnden und auslösenden Ethno-Details, Reihungen und Überhöhungen von Tierfiguren in Positiv und Negativ, all das ist ganz große Kunst, die so afrikanisch wie nur möglich wirkt, obwohl Barbara Rieder als “außenstehend” gelten muss - fantastisch!

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von bh.
Veröffentlich am 01.01.2010

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