Hard-Boiled. Hard Luck. Zwei Erzählungen

Autor*in
Yoshimoto, Banana
ISBN
978-3-257-06396-7
Übersetzer*in
Ortmanns, Annelie
Ori. Sprache
Japanischen
Illustrator*in
Seitenanzahl
144
Verlag
Diogenes
Gattung
Ort
Zürich
Jahr
2004
Lesealter
16-17 Jahreab 18 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
16,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

In Hard Boiled wird die Ich-Erzählerin während einer herbstlichen Wanderung in den Bergen von unheimlichen Gefühlen begleitet. In einem einsamen Hotel kommt sie - durch die Begegnung mit einem Geist - ihrer eigenen Vergangenheit auf die Spur.
In Hard Luck muss die Ich-Erzählerin erkennen, wie schwierig es ist, einen geliebten Menschen loszulassen, der im Sterben liegt.

Beurteilungstext

Die beiden kurzen Erzählungen der japanischen Autorin Banana Yoshimoto erscheinen wie zwei kurze Lichtblicke in einer Welt der Dunkelheit: Von Tod ist hier die Rede, von der Trennung von geliebten Menschen und der eigenen Unfähigkeit, mit der Trauer umzugehen oder sich die eigene Hilflosigkeit einzugestehen. Wie soll es weitergehen? Geht es überhaupt weiter? Und wenn man sich wieder neu verliebt - beleidigt man dann nicht die Toten?
Die Worte, die die Autorin wählt und die auch durch die Übersetzung nichts von ihrer Faszination einbüßen, sind einfach und klar, so, wie der abendliche spätherbstliche Himmel, unter dem die Ich-Erzählerin der ersten Geschichte wandert. Immer wieder gehen ihre Gedanken dabei an einen anderen Tag zurück, vor einem Jahr, als ihre Geliebte starb.
Seltsame Steine findet sie am Wegesrand, unheimliche Schatten scheinen sie zu verfolgen. Die Stimmung schlägt um, die Umgebung wird bedrückend und die Schritte werden schneller. Doch als das Dorf erreicht ist, hat sie die unheimlichen Gefühle nicht hinter sich gelassen. In einem fast leeren Hotel macht sie die Bekanntschaft eines einsamen Geistes und erkennt durch die Erforschung ihrer Träume, dass man erst ein Kapitel abschließen muss, ehe man ein neues beginnen kann.
Ähnliche Erfahrungen macht auch die Ich-Erzählerin in Hard Luck. Ihre ältere Schwester liegt seit einem Hirnschlag kurz vor ihrer Hochzeit im Koma. Die Erzählerin erlebt das ganze Ausmaß des Verlustes, die panische Verzweiflung, die Rastlosigkeit, die Schuldgefühle, weil sie sich neu verliebt. Durch Gespräche und Nach-Denken über ihre Schwester gelingt es ihr, nach und nach Abschied zu nehmen und die Trauer hinter sich zu lassen.
In beiden Geschichten sind die Figuren, besonders die Erzählerinnen nur bloße Schemen, sie treten auf, reden, fühlen, aber hinterlassen nur unsichtbare Spuren. Die Atmosphäre hat etwas Magisches an sich, die Anspielungen auf japanische Kultur- bzw. Religionsgepflogenheiten, verleihen den Erzählungen einen Hauch von Mystik. Der Einbruch dieser zum Teil unheimlichen Elemente in das reale Geschehen und die uneingeschränkte Akzeptanz durch die Protagonisten verstärkt die Surrealität. Die Empfindungen, so vielschichtig und bewegend sie auch sind, werden einfach und elementar dargestellt, als ein Teil des Lebens.
Aufgrund des Themas und der tiefsinnigen Sprache könnte man dem Glauben erliegen, das Buch sei für Kinder oder Jugendliche eher weniger geeignet. Die Erzählungen besitzen jedoch eine Anziehungskraft, die auch junge Menschen begeistern wird, die sich mit Fragen nach dem Tod oder dem Danach beschäftigen.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von RD.
Veröffentlich am 01.01.2010

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