Greenglass House

Autor*in
Milford, Kate
ISBN
978-3-7725-2780-7
Übersetzer*in
Ernst, Alexandra
Ori. Sprache
Englisch
Illustrator*in
Zollars, Jaime
Seitenanzahl
447
Verlag
Freies Geistesleben
Gattung
Buch (gebunden)Erzählung/Roman
Ort
Stuttgart
Jahr
2016
Lesealter
10-11 Jahre12-13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
19,90 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Teaser

Milo hat sich auf ruhige Weihnachtsferien in dem alten Gasthaus seiner Adoptiveltern, Greenglass House, gefreut. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Plötzlich befinden sich sechs seltsame Gäste dort und sorgen für allerhand Wirbel. Milo versucht, hinter deren Geheimnisse zu kommen.

Beurteilungstext

Milo wurde vor 12 Jahren als Baby von Mr. und Mrs. Pine adoptiert, seine leiblichen Eltern scheinen aus China zu stammen, dies bezeugt zumindest Milos Aussehen. Obwohl er seine Adoptiveltern sehr liebt und ein enges, vertrautes Verhältnis zu ihnen hat, rumort in seinem Inneren die Frage, wer seine leiblichen Eltern sein könnten. Doch der Alltag in Greenglass House lässt ihn in diesem Winter, so kurz vor Weihnachten, nicht ins Grübeln abdriften, denn unerwartet findet sich ein halbes Dutzend Gäste in dem alten Schmugglerhotel ein, die sich zum Teil kennen und von denen jeder ein Geheimnis in sich trägt, das irgendwie mit der Geschichte von Greenglass House zu tun hat. Milo findet zufällig eine seltsame Karte, die wie eine Schatzkarte aussieht und sehr alt zu sein scheint, und darüber hinaus überlässt ihm die blauhaarige Georgie ein Taschenbuch mit dem Titel ‚Kamingeschichten‘. Doch kaum hat Milo sich in die darin gesammelten Anekdoten vertieft, tauchen die Köchin Mrs. Caraway und deren Tochter Lizzy auf, die kurzentschlossen Mrs. Pine bei der Bewältigung der unerwarteten Gästeschar unterstützen wollen. Beide werden zu Milos Überraschung von Meddy begleitet, der jüngeren Tochter der Köchin, die sich bald als zuverlässige und ideenreiche Partnerin für Milo herausstellt. Denn bereits am nächsten Tag verschwinden Gegenstände, die für ihre Besitzer von besonderem Wert sind. Die beiden Jugendlichen schlüpfen in Rollen eines alten Rollenspiels, Milo wird zu Negret, dem Fassadenkletterer, Meddy zur Scholiastin Sirin, die nur für Negret sichtbar ist. Doch der Dieb hat sich nicht nur an den Gästen vergriffen, sondern ist auch in Milos Zimmer eingedrungen und hat die Karte mit dem Albatros und dem Segelschiff gegen ein ähnlich geartetes, aber aufzeichnungsloses Papier ausgetauscht. Der Dachboden von Greenglass House wird zu ihrem ‚Warenhaus‘, denn er bietet einen ungeheuren Fundus an ‚Verkleidung‘ und Gege-ständen, die den früheren Besitzern dieses Hauses gehörten. Darunter sind verschiedene Bücher zu Rollenspielen und ein seltsamer Schlüssel mit drei chinesischen Zeichen auf einer kleinen Platte. Negret verbindet diesen Fund mit seinem leiblichen Vater, nicht ahnend, dass der Schlüssel später weitere Geheimnisse erschließen soll.
Da die Wetterlage immer schlechter wird und Bewohner von Greenglass House ihre Bleibe nur unter der Gefahr, in der Eiseskälte zu erfrieren, verlassen können, schlägt Milo, angeregt durch die Lektüre seiner ‚Kamingeschichten‘, vor, jeder Anwesende solle eine Geschichte erzählen. Und allmählich stellt sich heraus, dass tatsächlich jeder Gast mit einer ‚bestimmten Absicht‘ und einem entsprechenden Geheimnis zu dem alten Schmugglerhotel gekommen ist. Doch wer ist der Dieb unter ihnen? Milo und Meddy finden dank ihrer neuen Rollen die gestohlenen Gegenstände der Gäste, können aber den Täter nicht überführen. Kurz vor Heiligabend erweitert sich der Kreis um einen jungen Mann namens Owen, dessen ‚Geschichte‘ ebenfalls mit der des Hotels verwoben ist, und um die guten Bekannten der Familie, Brandon und Finster, die nicht mit der Standseilbahn oder über die vereiste Treppe vom Ufer den steilen Berg hochgekommen sind, sondern mit der verborgenen Untertage-Bahn, die vor langer Zeit ihren ‚öffentlichen‘ Betrieb eingestellt hat.
Milo ist der zwölfjährige Protagonist dieser spannend und sehr feinfühlig erzählten Geschichte. Der Leser erlebt mit, wie er in kleinen Schritten dem Geheimnis seines Elternhauses, und das ist Greenglass House für ihn, auch wenn Mr. und Mrs. Pine ihn als Baby adoptiert haben, näherkommt. Meddy, die ihm das Rollenspiel vorschlägt und damit eine Möglichkeit anbietet, ein anderer sein zu dürfen, vielleicht auch derjenige, der er wäre, wenn er nicht adoptiert worden wäre, ist sein Schatten und sein Spiegel in einer Person. Aber auch sie ist von einem Geheimnis umweht, das sie erst am Ende der Geschichte lüftet, und damit dem Leser – insgeheim – den Auftrag gibt, manche Stellen ein zweites Mal und nun genauer zu lesen.
Milo gelingt es als Negret, viele Menschen glücklich zu machen, indem er ihnen Verlorenes zurückbringt oder lang Gesuchtes erschließt. Dass er selbst dabei seinem wahren Ich immer näher kommt, erkennt der erwachsene Leser sicher schneller und deutlicher als der jugendliche – denn dieses hat nichts mit seinen leiblichen Eltern zu tun, sondern mit Milos ‚inneren Werten‘. Und somit ist das Rollenspiel als Negret, der Blackjack der Straße, der Fassadenkletterer, Mittel zum Zweck, nämlich um Milo deutlich zu machen, dass er sich für andere einsetzt, dass er für seine Mom und seinen Dad sein Leben riskiert und keine Unterschiede macht, ob sie seine leiblichen oder Adoptiveltern sind. Gleichzeitig gelingt es Meddy, dank Milos Partnerschaft, Licht in ein dunkles Geheimnis zu bringen und wahre Begebenheiten aufzudecken.
Das Buch hält seinen Leser in Bann, entwickelt in kleinen Schritten ein Knäuel, das zunächst gar nicht als solches wahrgenommen wurde, und bietet durch die sorgfältig eingeflochtenen Geschichten jeder einzelnen Figur die Chance auf Individualität. Am ersten Weihnachtstag verlassen alle Gäste diesen besonderen Ort, es kehrt Ruhe ein, und Milo, der zunächst erzürnt über die ‚ungebetenen Gäste‘ war, ist um viele ‚Schätze‘ reicher als zuvor. Ihn bei dieser Entwicklung begleiten zu dürfen, macht das Lesen dieses Buches zu einer sehr empfehlenswerten Erfahrung.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von magic; Landesstelle: 16 Hessen.
Veröffentlich am 09.09.2017

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