Das Mädchen mit der Katze

Autor*in
Wellm, Alfred
ISBN
978-3-89603-282-9
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
63
Verlag
LeiV
Gattung
Ort
Leipzig
Jahr
2007
Lesealter
6-7 Jahre8-9 Jahre10-11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
9,90 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

An einem See vor einem reetgedeckten Haus sitzt das Mädchen mit der Katze. Manchmal geht es auch zum See hinunter, wo die Urlauber baden und sich sonnen. Die Kinder rufen das Mädchen, wollen mit ihm spielen, aber es kann sie nicht hören. Dafür kennt es die Welt rundherum viel besser als der Zeitungsleser oder die gebräunten Urlauber. Es weiß vom Fluss und seinen Fischen, den vier großen Steinen, die wohl Leoparden sind, und dem großen Buckligen, dem Elefanten, auf dem es ins Siebenland reitet...

Beurteilungstext

Die Inhaltsbeschreibung ist eine um zwei Details ergänzte Wiedergabe des Textes von der Rückseite dieses Buches. Zwei Drittel der Vorderseite werden von einem Elefanten ausgefüllt. Das Mädchen mit der Katze reitet auf ihm. Die Bildsprache hier signalisiert: Es ist ein Buch für Kinder; schon 3-4-Jährige fühlen sich davon angesprochen.
Tatsächlich berichtet der Erzähler beim Eintauchen in die Phantasiewelt des tauben Mädchens von ihren Träumen und Heldentaten und benutzt dabei stilsicher Sprache und Motive des klassischen Märchens. Aber diese drei Kapitel mit den Überschriften: Das Land hinter den sieben Bergen, Gegen sieben Riesen und Es sind vier Leoparden sind eingebettet in sechs Erzählabschnitte über ein taubes Schulmädchen, das in den Ferien erlebt, wie Menschen aus der Stadt mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen und Erfahrungshintergründen in ihrer ländlichen Idylle mit Badesee Urlaub machen. Gegenseitige Kontaktversuche scheitern meist (aufgrund ihrer Behinderung) und gelingen nur dort, wo man sich auf die Welt der jeweils Anderen neugierig und vorurteilsfrei einlässt.

Hier wird deutlich, es ist ein Buch für 7-9-Jährige und ebenso für (nicht nur vorlesende) Erwachsene. Es ist ein Buch über die Welt an sich und wie die Menschen sich in ihr fühlen. Das Mädchen versteht die Menschen, die sich die Mühe machen, mit ihr ganz langsam zu reden. Ein Mann, den sie Rote Socke nennt, lässt sich auf sie ein und sie unterhalten sich über ihre kleine Welt und seine große Welt und die der anderen Touristen. Und der Mann namens Herr Schmidt, der immer nur so da sitzt und Zeitung liest, schämt sich ein bisschen, dass er noch nie in ihre Welt gegangen ist, noch nie um den See gegangen, nicht durch das dichte Schilf gewatet oder auf einen der Bäume geklettert ist. Und das taube Mädchen ist umgekehrt ein wenig stolz, dass es die Welt doch schon so gut kennt, denn Rote Socke erklärt ihr, dass die Welt ganz bunt ist. Dass alles die Welt ist. Die Urlauber, das Wasser, der Regenbogen, die Stubenfliege, sie selber und auch ihre Katze.

Eines Tages machen alle Urlauber auf Veranlassung von Herrn Schmidt einen Ausflug. Sie machen keinen der üblichen Urlaubstage am See, sonder machen eine Besichtigung der Welt, der Welt des kleinen tauben Mädchens.
Freilich, im letzten Kapitel sitzt das Mädchen mit der Katze wieder allein vor seinem reetgedeckten Haus und denkt an den nächsten Sommer und daran, dass die Badegäste dann wiederkommen. Sie denkt auch an ihre Schule am Rande einer großen Stadt, in die nur lauter taube Kinder gehen. Und wenn sie etwas hören will, nimmt sie die Katze auf den Arm und hört mit den Fingern, wie die Katze schnurrt.

Der 2001 verstorbene Erzähler Alfred Wellm, von 1946-1962 im Schuldienst tätig, hat dieses sensibel geschriebene Buch 1983 in der damaligen DDR veröffentlicht und wurde dort als Kinderbuchautor sehr geschätzt. Die überwiegend ganzseitigen in Naturfarben gestalteten, textbetonenden Illustrationen von Siegfried Linke sind eine wunderbare Ergänzung dieses sehr einfühlsam und in angemessener Sprache verfassten Buches. Und die (bewusst) kurzen Sätze werden auch ungeübte junge Leser/innen ansprechen und ältere nicht abhalten, sich darauf einzulassen.
In dieses Buch kann man sich verlieben, es sei denn man hat vergessen, dass eine kindliche Betrachtungsweise der Welt nie ganz verloren geht. Und wer sich auf das Buch als Erwachsener einlässt, interessiert sich vielleicht nachträglich auch für die Heimat des Autors, die Seenlandschaft rund um den Naturpark Stechlin in Brandenburg.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von nb.
Veröffentlich am 01.01.2010

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