Sanctuary. Flucht in die Freiheit

Autor*in
Mendoza, PaolaSher, Abby
ISBN
978-3-551-58441-0
Übersetzer*in
Lemke, Stefanie Frida
Ori. Sprache
Englisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
352
Verlag
Carlsen
Gattung
Erzählung/RomanTaschenbuch
Ort
Hamburg
Jahr
2021
Lesealter
14-15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
BüchereiFreizeitlektüreKlassenlektüre
Preis
15,00 €
Bewertung
empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Was passiert, wenn rechtskonservative Flüchtlingspolitik in die Tat umgesetzt wird? Wie werden wir leben, wenn die Anzeichen des Klimawandels weiterhin nicht ernst genommen werden? Ausgehend von aktuellen Tendenzen zeigen Paola Mendoza und Abby Sher in ihrem Jugendbuch „Sanctuary. Flucht in die Freiheit“ auf, wie grausam die Welt in naher Zukunft aussehen könnte, wenn man die Entwicklungen konsequent weiterdenkt.

Beurteilungstext

Die USA im Jahr 2032: Trumps Mauer zu Mexiko ist gebaut, alle Menschen mit einer US-amerikanischen Staatsbürgerschaft sind gechipt. Illegale Einwanderinnen und Einwanderer haben nur die Möglichkeit, sich einen gefälschten Chip einsetzen zu lassen. Zum Teil funktionieren diese nach einer Weile nicht mehr. Spätestens nach dem neuesten Update sind Illegale aber klar zu erkennen, weil ihre Chips aufleuchten und lokalisiert werden können. Schnell wird deutlich, dass das Update eine flankierende Maßnahme zu einer massiven Abschiebewelle ist. Menschen ohne Aufenthaltsberechtigung werden gejagt, brutal angegriffen und verhaftet. Die meisten verschwinden spurlos in irgendwelchen Abschiebeknästen. Bei Leserinnen und Lesern mit entsprechendem Vorwissen werden bei den beschriebenen Szenen Bilder von der Judenverfolgung wach.

Auch die 16-jährige Vali und ihre Mutter sind Trägerinnen eines gefälschten Chips. Ihr kleiner Bruder Ernie wurde in den USA geboren und hat deswegen die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Die einzige Möglichkeit, nicht in ständiger Angst zu leben, ist eine Flucht nach Kalifornien, denn dieser Bundesstaat hat sich der ständig wachsenden Kontrolle durch die amerikanische Zentralregierung entzogen. Auf der Flucht aus Vermont wird Valis und Ernies Mutter jedoch verhaftet und Vali muss die gefährliche Flucht mit ihrem kleinen Bruder durch eine apokalyptisch anmutende USA allein fortsetzen.

Mendozas und Shers Jugendbuch ist thematisch sehr dicht, fast ein wenig zu viel. Da sind die pervertierten Auswüchse rechtskonservativer Flüchtlingspolitik, die Menschen anderer Herkunft alles nehmen: ihr Heim, ihre Arbeitsplätze, ihre Familien und ihre Würde. Das alles ist auch möglich, weil die Medien gleichgeschaltet sind und soziale Netzwerke bei Bedarf lahmgelegt werden. Der Präsident kann als Hologramm an jedem beliebigen Ort erscheinen und dort seine Lügen verbreiten. Wer an die Staatsdoktrin vom bösen Ausländer nicht glaubt, wird zum Aussätzigen und zum Freiwild. Das alles spielt sich vor dem Hintergrund fast ausgetrockneter USA ab: Seit Jahren herrscht eine Dürre, Wasser ist Mangelware (eine Flasche kostet $ 10) und Ernten fallen entsprechend schlecht aus. Insgesamt sind Handlung und Setting stimmig, sind sie doch eine Verlängerung existierender Fragestellungen und Probleme.

Auch die Figuren sind überzeugend gestaltet. Die Ich-Erzählerin Vali wird als willensstarke junge Frau konzipiert, die an den äußeren Umständen fast zerbricht. Sie ist getrieben von dem Willen, ihren Bruder und sich selbst in Sicherheit zu bringen und Schuldgefühle plagen sie, weil sie ihre Mutter nicht retten konnte und ihren kleinen Bruder belügen muss. Die Schilderung der Flucht hat ihre Längen, aber sie verdeutlicht ungeschönt, wie furchtbar eine solche Flucht ist. Hunger ist ebenso an der Tagesordnung wie Gewalterfahrungen. Vertrauen zu anderen aufzubauen, birgt immer das Risiko, in eine Falle zu tappen. Lobenswert ist, dass die Autorinnen auf ein Happy End à la Hollywood verzichten. Zwar gelangen die Geschwister letztendlich nach Kalifornien, aber das Schicksal ihrer Mutter bleibt ungeklärt. Die beiden Protagonisten sind im wahrsten Sinne des Wortes gezeichnet fürs Leben.

Aufgrund des Umfangs bietet sich das Jugendbuch nur in lesestarken Klassen als Gesamtlektüre an. Empfehlenswert ist aber das Lesen von Auszügen orientiert an thematischen Schwerpunkten: Fluchterfahrungen, (staatliche) Ausgrenzung und Diskriminierung, Klimawandel oder auch totalitäre Staaten im Medienzeitalter sind nur einige mögliche Themen.
„Sanctuary. Flucht in die Freiheit“ wurde von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022 nominiert.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von kab; Landesstelle: 18 Niedersachsen.
Veröffentlicht am 12.10.2022

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