Wolkenauge

Autor*in
Gomeez, Ricardo
ISBN
978-3-473-34720-9
Übersetzer*in
Diestelmeier, Katharina
Ori. Sprache
Spanisch
Illustrator*in
Gaban, Jesus
Seitenanzahl
160
Verlag
Ravensburger
Gattung
Ort
-
Jahr
2008
Lesealter
12-13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Fachliteratur
Preis
9,95 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Das Indianerkind Wolkenauge ist blind. Mit den Augen und Worten seiner Mutter lernt er sehen auf seine Weise . So kann er ein wichtiges Mitglied in seinem Stamm werden. Als die Bleichgesichter in die Jagdgründe der Crow eindringen, hört er das erste Mal von Pferden. Mit seinem besonderen Gehör, seinem klugen Verstand und der Gabe, Tiere zu zähmen, kann er seinem Stamm einen großen Dienst erweisen. Er rettet sie erst vor einem kriegerischen Stamm und dann vor den Bleichgesichtern- vorerst.

Beurteilungstext

Eine Gemeinschaft ist so stark, wie sie auch Schwächere tragen kann und sich deren besondere Fähigkeiten zu Nutze machen kann.
Im Indianerstamm der Crow hat jeder seine Aufgaben, jeder seine Pflichten, die Kleinen, wie die Großen, die Jungen, wie die Alten. Respekt vor dem Anderen seiner Haltung ist eines der ungeschriebenen Gesetze. Eigentlich hätte nach diesen Gesetzen das blinde Kind Wolkenauge ausgesetzt werden müssen, denn es wäre eine Last für den Stamm geworden, der die Balance ins Schwanken bringen kann. Das Leben eines Indianers ist hart. Die Entscheidung seiner Mutter, für ihn Auge zu sein, ist jedoch zu respektieren, es ist ebenfalls ein Gesetz. Die Haltung der Mutter spricht für Stärke und Sicherheit. Sie musste sicher sein, dass sie die Kraft haben wird, ihrem Sohn die Augen zu ersetzen.
Diese sensible Geschichte einer indianischen Gemeinschaft vermittelt das Leben eines Indianerstammes am Schicksal eines Kindes. Immer wieder wird ein Stück von der Struktur wertungsfrei beschrieben. Es wird erzählt, wie das Kind, das anders als die Anderen ist, respektiert wird, wenngleich die Großmutter lange traurig über seine Blindheit ist. Die Kinder spielen nicht mit ihm, sind ihm jedoch deutlich wohlgesonnen. Und er scheint keine Schwierigkeiten zu haben, dass er nicht sehen kann. Sein Verstand ist geschärft. Von klein auf erkennt er Zusammenhänge, die andere nicht sehen können. Seine Eltern erkennen das zuerst und sind sehr stolz auf ihren Sohn.
Wie konnte er sich so entwickeln? Nie wird beschrieben, dass er etwas tun sollte, was er mit seiner Blindheit nicht kann. Immer ist er es, der Herausforderungen einklagt. Manchmal werden das Tagewerk der Anderen, der Kinder und Erwachsene des Dorfes seinem Tagewerk gegenübergestellt, ohne Wertung, welche Wichtigkeit sie für die Gemeinschaft haben. Und dann tut er etwas für alle, was kein anderer kann. So entdeckt er nach tagelangem Lauschen einen Bienenstock und holt den Honig von den Bienen, ohne dass sie ihn stechen.Wolkenauge kann sich zu einer starken Persönlichkeit entwickeln, weil sein Dorf ihm dafür die Rahmenbedingungen gibt. Das macht der Autor in seiner Erzählung feinsinnig klar. Jeder hat Stärken, wenn er sie nur entwickeln und seiner Gemeinschaft zu Nutze werden lassen kann.
Diese Geschichte vermittelt Zuversicht, auch wenn am Ende unmissverständlich klar gemacht wird, dass das Leben dieser Menschen nicht mehr lange so sein wird, weil die Bleichgesichter auch in die Jagdründe der Crow eindringen werden.

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Diese Rezension wurde verfasst von KOST.
Veröffentlich am 01.01.2010