Toubab: Zwei Münzen

Autor*in
Tamarit, Núria
ISBN
978-3-95640-305-7
Übersetzer*in
Hübner,, Lea
Ori. Sprache
Spanisch
Illustrator*in
Tamarit, Núria
Seitenanzahl
128
Verlag
Reprodukt
Gattung
Comic
Ort
Berlin
Jahr
2022
Lesealter
14-15 Jahre16-17 Jahreab 18 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
20,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Wie geht ein weißer Teenager mit dem Leben im Senegal um? Kann man bei einem Aufenthalt von wenigen Wochen Vorurteile überwinden? Oder werden sie nur durch neue Vorurteile ersetzt?

Beurteilungstext

Als Mar mit ihrer Mutter zu einem humanitären Einsatz in den Senegal aufbricht, hat sie wenig Lust: Alles ist dort schmutzig, es gibt keinen sicheren Internet-Zugang zu den Freunden und immer mit der Mutter zusammen zu sein, die einen mit Ermahnungen nervt, dass man sein Malaria-Mittel nicht vergessen darf, ist für eine Siebzehnjährige auch keine Freude. Nun könnte das alles umkippen in eine „Ode an Toleranz und Offenheit“, wie es im Verlagsprospekt vollmundig heißt: Die Menschen in Afrika wissen wirklich, was Solidarität hat, denn dort gehört allen alles. Die Sorge vor Malaria ist schlimmer als die Malaria selbst. Die Menschen in Afrika sind immer fröhlich und stressen sich viel weniger. Doch ganz so einfach macht Núria Tamarit es sich nicht: Sie greift persönliche Erfahrungen bei einem humanitären Hilfseinsatz in Senegal auf und lässt die LeserInnen im Zweifel, was denn nun reines Vorurteil, was neues Klischee ist. Mar freundet sich zwar mit der ungefähr gleichaltrigen Astou an, aber immer wenn sie versucht, Afrika zu idealisieren, ist alles doch nicht so einfach. Mar erfährt auch, dass Astou nicht ihr Kopftuch abnehmen darf, früh verheiratet wird und schon gar nicht als Frau im Fluss baden darf. Es ist diese Problematisierung jeglicher Form von Urteilen die den Comic so spannend macht. Auch die Mutter, die den Bau eines Kulturzentrums organisieren soll, wird nicht einseitig positiv oder negativ dargestellt. Wenn sie nicht die Freiwilligen und die Ortsansässigen antreiben würde, würde es wohl nie etwas mit dem Projekt. Aber gleichzeitig ist sie damit das Exempel für den Stress, den die „Toubab“, die Weißen verbreiten. Und wenn gerade sie, die sich doch mit Afrika so gut auszukennen scheint, an den Nebenwirkungen des Malariamedikaments erkrankt, so werden auch ihre Grenzen aufgezeigt. Letztlich findet sich auch hier ein selbstkritischer Blick auf das eigene Helfersyndrom. Das Comic ist in erdigen Farben gestaltet, problematisch ist vielleicht manchmal die Fixierung auf den Blick der Weißen. Dieser wird zum Beispiel in der Zeichnung der schwarzen Figuren deutlich, die oft wenig differenziert und in ihrer Mimik sehr stereotyp dargestellt werden. Der Comic “Toubab” wurde 2019 in Spanien als “Beste Graphic Novel” ausgezeichnet und in sieben Sprachen übersetzt.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von RPAK; Landesstelle: 20 Rheinland-Pfalz.
Veröffentlich am 01.06.2022