Wolkenauge

Autor*in
Gómez, Ricardo
ISBN
978-3-473-34720-9
Übersetzer*in
Diestelmeier, Katharina
Ori. Sprache
Spanisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
157
Verlag
Ravensburger
Gattung
Ort
Ravensburg
Jahr
2008
Lesealter
10-11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
9,95 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Der Stamm der Crow-Indianer lebt im Einklang mit der Natur. Es ist ein gleichförmiges Leben, bestimmt vom Rhythmus der Jahreszeiten. Jedes Stammesmitglied hat seine Aufgabe und dient der Gemeinschaft. Mit der Geburt des blinden Jungen Wolkenauge wird dieses Weltbild durchbrochen. Wolkenauge besitzt ein außergewöhnliches Gehör und kann Tiere zähmen. Als die weißen Siedler ins Gebiet der Crow kommen, ist es der blinde Junge, der die Eindringlinge überlisten kann. Vertreiben kann er sie nicht.

Beurteilungstext

Ricardo Gómez beschreibt mit einfachen, klaren Worten ein Indianer-Leben, das nichts mit den üblichen ruppigen Wildwest-Stories gemein hat. Das Leben der Crow-Indianer ist hart, aber ruhig. Sie ziehen vom Gebirge in die Prärie und zurück “wie eine lange Schnur, die auf den Wegen abgewickelt wird”. Ihr Alltag ist geprägt vom Rhythmus des Mondes und von dem, was ihnen Mutter Erde schenkt. Die Crow jagen nur soviele Bisons, wie sie brauchen und verwerten alles von den Tieren.

Wolkenauge verdankt seinen Platz in der Gemeinschaft seiner Mutter. Blühende Tanne will seine Augen sein und lässt ihn an allem teilhaben. Sie beschreibt ihrem blinden Sohn unentwegt seine Umgebung. Sie legt ihm ein Eibenblatt, ein Lederband oder eine Vogelfeder auf die Brust, “damit er durch die Berührung mit seiner Haut kennenlernte, was seine Augen nicht sehen konnten”. Die Silhouette eines Berges oder die Form einer Wolke zeichnet sie Wolkenauge mit dem Finger auf die Haut.

Wäre es nach dem Willen der anderen Stammesmitglieder und insbesondere der Großmutter von Wolkenauge gegangen, hätten die Crow den Jungen ausgesetzt. Ein Blinder kann nichts zum täglichen Überleben der Anderen beitragen und ist eine Last für die Gemeinschaft. So sehen es die Crow-Indianer, bis ihr ruhiges Leben und ihr Weltbild durch ein ganz anderes Ereignis erschüttert wird. Weiße Siedler kommen nach Montana. Sie respektieren nicht die Gesetze der Natur und hinterlassen bei der Jagd auf eine Bisonherde eine Spur der Verwüstung.

Für die Crow-Indianer sind die weißen Männer die “Wilden”. Schonungslos beschreibt Gómez, wie die Weißen rücksichtslos auch trächtige Kühe und Kälber jagen, die erlegten Tiere häuten und sie “schreiend und lachend” mit Haken umdrehen. Gleichzeitig macht er aber auch die Naivität der Indianer deutlich. Sie glauben, dass sie die Gewehrkugeln wie Samen aussäen können, um dann Pulver zu ernten.

“Wolkenauge” ist ein Plädoyer für neue Sichtweisen. Behinderung bedeutet nicht automatisch Beschränkung, sondern kann auch eine Bereicherung für alle sein. Und das Bild vom “wilden Indianer” und dem “zivilisierten Weißen” bekommt heftige Risse.

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Diese Rezension wurde verfasst von fee.
Veröffentlich am 01.01.2010

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