Wie ein leuchtender Stern

Autor*in
Mafi, Tahereh
ISBN
978-3-7373-5902-3
Übersetzer*in
Zeltner, Henriette
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
286
Verlag
FISCHER KJB Sauerländer Duden
Gattung
Erzählung/Roman
Ort
Frankfurt am Main
Jahr
2022
Lesealter
14-15 Jahre16-17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
16,00 €
Bewertung
eingeschränkt empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Die iranisch stämmige Shadi scheint niemanden zu haben, mit dem sie reden kann. Dabei hat sie genug Themen: den Unfalltod ihres Bruders, das autoritäre Verhalten des Vaters, die verzweifelte Traurigkeit ihrer Mutter, die Vorwürfe ihrer Schwester wegen ihrer angeblichen Ignoranz und ihrer Ichbezogenheit, ihrer heimlichen Liebe zu Ali, dem Bruder ihrer vormals besten Freundin und vor allem die Anfeindungen in der High School oder auf der Straße, weil sie Muslima ist und ein Kopftuch trägt.

Beurteilungstext

Wie schon ihr erster Roman: „Wie du mich siehst“ ist dieses Buch zum Weinen, zum Verlieben, zum Wütend werden. All das sind Gefühle, die die Autorin auch in diesem Buch in der Leserin wecken will und auch weckt. Alles ist „großes Kino“, „Drama“. Kaum eine Seite, auf der es nicht wimmelt von extremen Emotionen. Z.B. S. 92 „ Ich war wie ein Truthahn, der tagtäglich tranchiert wurde. Jeder, der mir begegnete, gierte nach einem Stück davon. Ich war schon so gründlich abgenagt, dass ich hauptsächlich aus Knochen bestand und außer dem Mark eigentlich nichts mehr zu holen blieb“. Je mehr solche hysterischen Beschreibungen auftreten, desto mehr nerven sie und man fragt sich, was ist eigentlich das Problem? Denn der Unfalltod des erwachsenen Bruders ist es nicht, obwohl sie dafür die Verantwortung übernimmt, weil sie dem Vater die Autoschlüssel des Bruders gibt und der im Wagen einen Kasten Bier findet. Nach der familiären Auseinandersetzung am Abend rennt der Bruder wütend auf die Straße und wird von einem alkoholisierten Autofahrer überfahren. Ihre Schuld? Unsinn. Ihre Bekanntschaft mit einem neuen Mitschüler, der farbig ist? Der ist Gott sei Dank muslimisch, geht in die Moschee und weg ist er. Die Beziehung zu ihrer Schwester oder ihrer Freundin Zahira? Auch nicht, nur die Beschimpfungen und extremen Gefühlsausbrüche werden ausführlich beschrieben. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass das Leben für einen Muslim oder eine Muslima in einer überwiegend christlich geprägten Umgebung vor allem nach dem Anschlag vom 11.9.2001 in den USA schwer erträglich geworden ist/geworden sein mag. Dass das Entsetzen über diesen und die vielen anderen Anschläge der letzten Jahre auch bei den meisten demokratisch denkenden muslimischen Menschen groß ist und war, findet leider wenig Raum in der Öffentlichkeit und in diesem Roman. Zu wenig wird diskutiert, wie man mit Fanatismus, Rassismus und Engstirnigkeit über jede Grenze, Rasse und Religion hinweg umgehen kann und sollte. Immer wieder scheint die jeweils andere Seite Entschuldigungen/Erklärungen für eklatantes Fehlverhalten der scheinbar eigenen Seite zu finden, statt Mord Mord zu nennen und Rassismus Rassimus. Ansatzweise wird verständlich, dass die Protagonistin aus Trotz gegen eine vorurteilsbeladene Umwelt ihr Kopftuch aus Provokation anlegt, sie macht aber auch keinerlei Versuch, in die Diskussion über dieses Tuch mit ihren Mitmenschen zu treten. Im Gegenteil: voller Verachtung spricht sie über die High School und ihre MitschülerInnen, die sie alle für ausgesprochen dumm hält.
Die Religion scheint zumindest nicht der Grund für ihre Haltung zu sein, zumal das Kopftuch da ja auch keine Vorschrift ist, sondern es eher um das Verhältnis zwischen Mann und Frau und um die Tradition geht. Die große Egozentrik, die sich durch den Roman wie ein roter Faden zieht und auch zu vielen inhaltlichen Schleifen führt, mag für die Protagonistin/die Autorin? lebensrettend gewesen sein, für den Leser/die Leserin ist sie ermüdend und zum Teil ärgerlich. Seiten- und kapitelweise geht es um die sich langsame anbahnende Beziehung zwischen Shadi und Ali, der natürlich unglaublich schön, muskulös usw. ist. Angriffe von Alis Schwester, weil sie angeblich mit Ali „rum mache“ S. 61 erinnern an pubertäres Geschwätz von 10Klässlerinnen, die über andere lästern.

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Diese Rezension wurde verfasst von 6; Landesstelle: 19 Nordrhein-Westfalen.
Veröffentlich am 01.06.2022

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