Wenn dich ein Löwe nach der Uhrzeit fragt - Eine Afrikageschichte

Autor*in
Schulz, Hermann
ISBN
978-3-551-35295-8
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
128
Verlag
Carlsen
Gattung
Ort
Hamburg
Jahr
2006
Lesealter
10-11 Jahre12-13 Jahre14-15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
5,50 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Temeo ist ein Junge aus Afrika. Als sein - weißer - Vater auf der Suche nach Edelsteinen verunglückt, kostet der täglich notwendige Arzt so viel Geld, dass die Familie in Not gerät. Temeo wird losgeschickt, um bei allen möglichen Leuten Geld zu leihen. Doch sein Vater stirbt und die Familie muss gemeinsam einen Weg des Weiterlebens organisieren.

Beurteilungstext

Zunächst liest sich diese Geschichte nur wie eine faszinierende Erzählung aus dem fernen Afrika. Die Lebensumstände sind fremdartig, die Familienverhältnisse ungewohnt und der regionale Hintergrund exotisch. Das übt einen gewissen Reiz aus, würde aber nicht weit tragen. Doch da gibt es einige brüche, einiges, was nicht der Norm und nicht den Erwartungen entspricht. Denn der Vater der afrikanischen Familie ist ein deutscher Geologe, seine Frau - und auch erklärtermaßen seine 7 Kinder - sind Afrikaner, mögen sie auch vorneweg Adolf, Karl oder Erna heißen und hinten alle Kirschstein.
Und diese Mischung hat es in sich. Der Vater tritt gerne - und erstaunlicherweise auch voll akzeptiert - mit kolonialer Geste auf, seine Kinder haben auch schon so manches davon abgeguckt und lösen so manche Situation zu ihrem Vorteil auf. Dennoch strömt die ganze Gegend zu seiner Beerdigung zusammen und er hat auch bei allen in der Gegend ansässigen Nichtafrikanern - Europäern oder Indern - einen guten Ruf. Weltanschaulich mischen sich in der Familie Christen, Muslime und “Ungebundene” wie Temeo selbst, der die Entscheidung für eine Glaubensgemeinschaft von Zufällen abhängig macht. Mustergültig, wie ein solcher Mix unproblematisch und tolerant miteinander und mit den Volksreligionen Afrikas, mit Heilern und “Heiden” umgeht.
Für europäische LeserInnen ungewohnt dürfte auch die Selbstverständlichkeit sein, mit der alle Familienmitglieder körperliche Strapazen ertragen, sich füreinander einsetzen, zu einer Zeit völlig selbstverantwortlich handeln, um im nächsten Augenblick widerspruchslos die väterliche oder mütterliche Autorität anzuerkennen. Da erweist sich die Gesellschaft des afrikanischen “Entwicklungslandes” der “hochzivilisierten” europäischen weit überlegen.
Wer jetzt allerdings glaubt, ein trocken sachliches Buch lesen zu sollen, wird angenehm überrascht. Die aus der Ich-Perspektive erzählte Geschichte strotzt vor witzigen Details, unvorhergesehenen Wendungen und einer erfrischend ehrlichen und leichtverständlichen Sprache. Binnen kürzester Zeit ist der Leser Teil der Handlung, sieht die Szenerie plastisch vor sich und hofft und bangt mit Temeo in kleinen und großen Krisen.
Die größte Überraschung ist das kurze Nachwort, das verrät, dass es sich bei den geschilderten Personen und auch Ereignissen um historisch verbürgte Tatsachen handelt. Das macht nicht den Wert des Buches aus, ist aber sozusagen das Sahnehäubchen auf einem gelungenen Werk.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von bh.
Veröffentlich am 01.01.2010

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