Versteckt wie Anne Frank. Überlebensgeschichten jüdischer Kinder

Autor*in
Prins, Marcel
ISBN
978-3-473-58433-8
Übersetzer*in
Kluitmann, Andrea
Ori. Sprache
Niederländisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
224
Verlag
Ravensburger
Gattung
Ort
Ravensburg
Jahr
2013
Lesealter
12-13 Jahre14-15 Jahre16-17 Jahreab 18 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
6,99 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Vierzehn Geschichten - vierzehn Schicksale. Vierzehn jüdische Kinder und Jugendliche erzählen ihre Überlebensgeschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus in den Niederlanden. Das Untertauchen, die Angst und die Trennung von der Familie haben bis heute Spuren und Narben hinterlassen.

Beurteilungstext

Mit einem Vorwort von Marcel Prins und einer abschließenden Danksagung wird ein Tor in eine vergangene Zeit geöffnet und vorsichtig geschlossen.
Die vierzehn Geschichten der Kinder und Jugendlichen thematisieren ihre Kindheit, Kinder, die in den Niederlanden wohnend, untertauchen mussten, aus Angst vor Verschleppungen und Deportationen durch die NSB und die Deutschen..
Einige der Kinder waren so jung, dass sie die Trennung von der Familie, den Geschwistern nicht verstehen konnten, wie soll ein Mensch das auch verstehen? - Andere waren schon so erwachsen, dass ihnen das Ausmaß ihrer Reise, zum Teil mit Zwischenstationen in mehr als 40 Gastfamilien, deutlich bewusst war und sie die Gefahren für sich uns ihre Familien mehr als deutlich vor Augen hatten.
Einiges haben die Geschichten gemeinsam, sie sind in ihrer Direktheit, ihrer Unverblümtheit und Ausdruckskraft unglaublich geschrieben. Sie zeigen Geschichte und Politik auf, die in einem starken Kontrast stehen zu der Menschlichkeit, zu der Selbstlosigkeit mit der sich einige Gastfamilien angeboten haben, Kinder und Erwachsene zu verstecken. Ein Mut, dem nicht genügend gedankt werden kann und die fehlende Menschlichkeit in dem herrschenden System darlegt.
Dennoch wird auch die Lehrseite gezeigt. Gastfamilien, die durch das Verstecken der Kinder Geld verdienten, die Kinder ausbeuteten und ihnen keinen sicheren Unterschlupf bieten wollten aus menschlichen Gründen, sondern in erster Linie aus pekuniären Gründen.
Bedeutsam, auch für das Verständnis unserer deutschen Geschichte ist die Erkenntnis, dass den Menschen in den Niederlanden durchaus bewusst war, was sich hinter den Deportationen versteckte. Die Registrierungen der Juden in der Hollandsche Schouwburg und der Name Westerbork, sowie Auschwitz geisterten nicht nur als Gespenster durch das Leben, sondern als klare Begriffe, die den Tod als eindeutige Verbindung mit sich brachten.
Die Hemmschwelle und die Überwindung über die Ereignisse zu sprechen und zu schreiben, kann man in jeder einzelnen Geschichte spüren. Die Distanz zum eigenen Ich, zur Familie, vor allem zu den Eltern ist spürbar und erschreckend.
Die Verantwortung die auf den Eltern lag, eine Entscheidung über ihre Familie in diesem Maße zu fällen, ist nicht nachzuempfinden - die Wahl zwischen Familienzusammenhalt und Überlebenschancen ist eine Wahl, vor der kein Mensch stehen sollte. Verurteilen kann man eine solche Trennung nicht, nachvollziehen, dass die Kinder enttäuscht sind, sich alleine gelassen gefühlt haben und es zum teil immer noch fühlen, kann ein Jeder.
Das Buch thematisiert die dunkelsten Seiten der Geschichte, die grausamsten hässlichsten Momente, über die man nicht diskutieren kann, sie als Mahnung und Warnung verstehen muss, dass so etwas sich nicht wiederholen darf.

Es sind wohl einige der letzten Stimmen, die als Zeitzeugen berichten können, ihre Empfindungen darlegen. Verarbeiten kann man diese Erlebnisse niemals in seinem Leben - aber teilen kann man sie. Ich bin für jedes der geschriebenen Worte mehr als dankbar.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von Mpz.
Veröffentlicht am 01.01.2010