Therese. Das Mädchen, das mit Krokodilen spielte

Autor*in
Schulz, Hermann
ISBN
978-3-423-64086-2
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
299
Verlag
dtv
Gattung
Buch (gebunden)Erzählung/Roman
Ort
München
Jahr
2021
Lesealter
12-13 Jahre14-15 Jahre16-17 Jahreab 18 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
17,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Teaser

„Was weiß ich schon vom Leben in Afrika?“ fragt sich Therese, als sie Deutschland verlassen muss. Ein wichtiges Buch über Heimat, Fremdsein und das Gefühl, nirgendwo richtig dazuzugehören.

Beurteilungstext

Deutschland am Beginn des 20.Jahrhunderts: Völkerschauen wie im Tierpark Hagenbeck faszinieren die Menschen, aber dass dort Menschen mit Gefühlen, Familien und Beziehungen stehen, ist den wenigsten klar. Eines dieser Schicksale wird in diesem Buch beschrieben. Therese ist die Tochter zweier Schausteller. Diese durften ihre Kinder nicht mit auf die Reise durch die Theater nehmen und so blieben sie bei Pflegefamilien oder in Heimen, immer mit der Aussicht, irgendwann von ihren Eltern geholt zu werden und mit ihnen in ein unbekanntes Heimatland zu ziehen. Das allein böte schon genug Stoff für einen ganzen Roman, aber Thereses Geschichte geht noch viel weiter und so erlebt man durch ihre Augen den ersten Weltkrieg und das Erstarken des Nationalsozialismus, immer verknüpft mit ihrem persönlichen Schicksal. Dabei werden wichtige Themen ganz automatisch und sehr sensibel angesprochen: was bedeutet es für ein Kind, anders auszusehen als alle anderen? Was ist Heimat? Wohin gehe ich, wenn ich in meiner Heimat nicht mehr leben kann? Auch die Erzählperspektive ist interessant. Immer wieder blicken unterschiedliche Menschen auf das Schicksal Thereses. Ihre kindlichen Gedanken erfährt man gar nicht, kann sich viele Schikanen nur zusammenreimen. Erst als Therese jugendlich wird, wird die Geschichte auch aus ihrer Perspektive erzählt. Das stört manchmal, macht es den Leser*innen aber möglich, viele Deutungen zuzulassen und erzählerische Lücken selbst zu füllen. Der Bezug zu den modernen Ausformungen der angesprochenen Problemfelder entsteht auf diese Weise ganz selbstverständlich. Am Ende des Buches erfährt man noch, dass es Therese wirklich gegeben hat. Zwar ist das Buch eine fiktionalisierte Fassung ihres Lebens, aber der Autor hat viel recherchiert und die Stationen ihres Lebens sind alle belegbar. Dies unterstreicht einmal mehr die Bedeutung dieses Buches als spannendes literarisches Zeugnis einer historischen Epoche, dessen Themen aber bis heute nicht an Brisanz verloren haben.
Elisabeth de Boor

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von edb; Landesstelle: 23 Sachsen-Anhalt.
Veröffentlicht am 01.04.2022

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