Therese. Das Mädchen, das mit Krokodilen spielte

Autor*in
Schulz, Hermann
ISBN
978-3-423-64086-2
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
304
Verlag
dtv
Gattung
Buch (gebunden)Erzählung/Roman
Ort
München
Jahr
2021
Lesealter
14-15 Jahre16-17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
17,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Teaser

Therese wird im Jahr 1900 in Elberfeld geboren. Ihre Eltern sind Togolesen und präsentieren sich auf Völkerschauen. Sie müssen laut Vertrag Therese in eine deutsche Pflegefamilie geben, denn Kinder dürfen auf den Reisen nicht mitgenommen werden. Bei den Pflegeeltern wächst sie behütet auf. Lange hört sie nichts von ihrer Familie.
Der Autor lernte Therese 1977 in Togo kennen. Sie sprach ihm ihre Geschichte auf Kassetten. Dieser Roman orientiert sich an den Stationen ihres Lebens.

Beurteilungstext

Zusammen mit seinen vier Frauen tritt Thereses Vater in Völkerschauen auf. Die Verträge sind hart. - Thereses Pflegeeltern haben sich sehnlichst ein Kind gewünscht, fühlen sich aber zunächst von der Situation überfordert. Wie erzieht man ein schwarzes Mädchen? Wie hält man Neugierige fern? Wie schützt man das Mädchen vor Mobbing? Haben farbige Kinder andere Bedürfnisse als weiße Kinder?

Therese entwickelt sich zu einem klugen, neugierigen, selbstbewussten Kind, das viele Alltagssorgen vor ihren Pflegeeltern verbirgt. Ihren Pflegeeltern bereitet sie viel Freude. "Auf die Idee, sich wegen ihrer Hautfarbe minderwertig zu fühlen, war sie nie gekommen! Daran hatten ihre Pflegeeltern sicher einen Anteil", resümiert sie später.

Für alle Beteiligten ist es schwer, als sie 1913 plötzlich mit ihren leiblichen Eltern nach Togo ausreisen soll. Sie kennt die Sprache nicht, ist überfordert durch die Situation und die miserable Unterkunft im Hafen von Rotterdam und erkrankt lebensbedrohlich. Nach ihrem Krankenhausaufenthalt kehrt sie zu den Pflegeeltern zurück und erfährt, dass ihre Eltern zu einem Engagement nach Russland gereist sind.

Der 1. Weltkrieg macht ihre Ausbildungspläne zunichte, Therese lernt bei den Diakonissen Krankenpflege und besucht medizinische Kurse an der Universität. Durch eine der Diakonissen erfährt sie mehr über das Leben in Togo. Sie lernt auch einen ihrer Brüder kennen und bekommt Kontakt zu afrikanischen Mitbürgern. Durch einen Museumsbesuch erfährt sie viel über afrikanische Kultur. "Da findest du die schönsten Sachen aus Afrika, die uns die Kolonisatoren geraubt haben", erklärt ihr Bruder.

Als die ersten SA-Trupps durch die Straßen ziehen und sie zusehends als schwarze Frau bedroht wird, wandert sie nach Togo aus. Auch das ist nicht einfach, denn Togo, vor dem 1. Weltkrieg deutsche Kolonie, ist nun französische Kolonie, Deutsche sind dort unerwünscht.

Der Autor Hermann Schulz wurde in Ostafrika geboren. Von 1967 bis 2001 leitete er den bekannten Peter Hammer Verlag. - In einem kurzen Vorwort erklärt er das Phänomen der Völkerschauen, der Präsentation von Menschen als Sensation. Im Nachwort erfahren wir, wie er Therese in Lomé kennenlernte und welche Recherchen in Deutschland zu ihrer Geschichte folgten.

Dieser biografisch gefärbte Roman ist interessant, informativ und verdeutlicht die Folgen von Rassismus, denn dieser verschließt die Augen vor den Menschen hinter einer Hautfarbe und verletzt Menschen zutiefst. Er macht einen Teil der deutschen Geschichte anschaulich, der bisher kaum aufgearbeitet wurde.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von Fee; Landesstelle: 18 Niedersachsen.
Veröffentlicht am 22.12.2021

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