Therese. Das Mädchen, das mit Krokodilen spielte

Autor*in
Schulz, Hermann
ISBN
978-3-423-64086-2
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
298
Verlag
dtv
Gattung
Buch (gebunden)Erzählung/Roman
Ort
München
Jahr
2021
Lesealter
12-13 Jahre14-15 Jahre16-17 Jahreab 18 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
17,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Therese wächst in Elberfeld bei Pflegeeltern auf. Ihre Eltern kommen aus Afrika und arbeiten bei Völkerschauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts noch überall in Deutschland zu sehen waren.

Beurteilungstext

Helene und Fritz können keine eigenen Kinder bekommen und sind erstaunt und froh, als ihnen die kleine Therese als Pflegekind angeboten wird. Denn wenn die Afrikanerinnen ein Kind gebaren, durfte es nicht mit auf die Tour der Völkerschau, es wurde zu Pflegefamilien gegeben. Ein schwarzes Kind war im Jahr 1900 schon eine Besonderheit und das haben sowohl die deutschen Eltern als auch Therese immer wieder zu spüren bekommen. Warum durfte sie nicht im Chor mitsingen? Der Lehrer war der Ansicht sie würde zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber ansonsten konnte sie die Schule besuchen, sie wollte gerne studieren. Der 1. Weltkrieg machte diese Pläne zunichte, und sie begann eine Ausbildung als Krankenschwester im Diakonischen Werk. Sie lernte viel, und ihr gelang es dann, eine Stelle in Hamburg in einem Kinderheim zu bekommen. Dort konnte sie auch nebenbei ihr Medizinstudium aufnehmen. Von ihren leiblichen Eltern hörte Therese nur selten, einmal wollten sie alle zusammen nach Togo, also ihr Vater mit seinen vier Frauen , Therese und noch einer Schwester oder Halbschwester. Therese wurde krank und die Reisepläne scheiterten. In Hamburg hat sie ihren großer Bruder gefunden, der in Düsseldorf lebte und Musiker werden wollte. Wir können es uns schon denken, die Nazis kamen an die Macht und da gab es nur noch eins: weg aus Deutschland. Jonathan, den sie bereits kennengelernt hatte trifft sie auf dem Schiff nach Kamerun wieder. Wir erfahren, dass er sich scheiden lässt und Therese heiratet.
Wir erleben Thereses Lebensgeschichte bis zu ihrer Abreise aus Deutschland im Jahr 1933. Wie es ihr danach erging, bleibt im Dunkeln. Nur noch einmal kommt sie im Jahr 1959 nach Deutschland zurück, besucht das Grab ihrer Pflegeeltern und schaut sich ihren Geburtsort im ehemaligen Eden – Theater an. Der Autor schreibt in seinem Nachwort allerdings, dass er Therese in Togo im Jahr 1977 getroffen und ihre Lebensgeschichte auf Tonband aufgenommen hat. Also, es handelt sich um eine wahre Geschichte, so oder so ähnlich ist Thereses Leben verlaufen. Es ist etwas schade, dass das Ende so unvermittelt und plötzlich kommt, eigentlich kann an dem Punkt noch nicht Schluss sein. Die Leser*innen sind interessiert, wie es der jungen Frau weiter ergeht. Aber das war nicht das Thema des Autors. Insgesamt liest man den Roman mit etwas gemischten Gefühlen, einerseits wird ein ungewöhnlicher Lebensweg aufgezeigt, andererseits scheinen einige Episoden nicht wirklich schlüssig. Da gelingt es Therese in Hamburg, die Leitung für ein Heim für schwer erziehbare Kinder/ Jugendliche zu erlangen, Ende der 20er Jahre. Sie macht dabei den Eindruck einer selbstbewussten Frau unserer Zeit, war das damals möglich, und wenn ja, wie? Man fragt sich auch, warum der Autor seinen Roman erst jetzt veröffentlicht /schreibt, obwohl seine Aufzeichnungen schon über 40 Jahre zurückliegen. Nun gut, trotz alledem ist der Roman sehr lesenswert, gibt einen Einblick in den Rassismus und die Lebensumstände Anfang des 20ten Jahrhundert der ausgehenden Kaiserzeit, des ersten Weltkrieges und der Weimarer Republik in Deutschland.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von wb; Landesstelle: 14 Bremen.
Veröffentlicht am 03.01.2022

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