The Kingdom. Das Erwachen der Seele
- Autor*in
- Rothenberg, Jess
- ISBN
- 978-3-7891-1407-6
- Übersetzer*in
- Pfleiderer, Reinhard
- Ori. Sprache
- Englisch
- Illustrator*in
- –
- Seitenanzahl
- 320
- Verlag
- Oetinger
- Gattung
- Buch (gebunden)Fantastik
- Ort
- Hamburg
- Jahr
- 2019
- Lesealter
- 14-15 Jahre16-17 Jahreab 18 Jahre
- Einsatzmöglichkeiten
- –
- Preis
- 20,00 €
- Bewertung
Teaser
„The Kingdom” erinnert an Disneyworld ebenso wie an „Westworld” aus der gleichnamigen HBO-Serie und verhandelt die Frage, ob die Androidin Ana ihren Geliebten ermordet hat.
Beurteilungstext
Die Autorin Jess Rothenberg, die 2012 mit ihrem internationalen Bestseller: „Weißt du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?”, debütierte, hat ihren zweiten Jugendroman „The Kingdom” als einen Mix aus der HBO-Serie „Westworld”, der Podcast-Serie „Serial” und Disneyworld angelegt. Im Vordergrund steht eine dystopische Liebesgeschichte, die mit Elementen des Krimis, des Gerichtsdramas und des Entwicklungsromans gespickt ist.
In dem futuristischen Vergnügungspark „The Kingdom” leben u.a. sieben Fantastinnen, menschliche Androidinnen, die allein dazu erschaffen wurden, den Besuchern zu dienen und ihre Träume zu erfüllen. Ana ist eine von ihnen. Sie entwickelt ein Bewusstsein, das über ihre Programmierung hinausgeht, und verliebt sich in den Wartungsmitarbeiter Owen.
Dann wird Owen vermisst und alles deutet darauf hin, dass Ana ihn ermordet hat. Sie wird angeklagt und findet sich in einem Gerichtsprozess wieder, der klären soll, ob der Betreiber, die „Kingdom Corporation”, um des Profits willen Menschenleben aufs Spiel gesetzt hat, und ob sie selbst schuldig ist.
Wie die „Westworld”-Serie dreht sich auch „The Kingdom” um die Frage: Was wäre, wenn menschliche Androiden, im Roman werden sie Hybriden genannt, ein Bewusstsein entwickeln und alles daran setzen, sich aus ihrem Gefängnis zu befreien?
Doch anders als in „Westworld”, das als Erklärung für die Bewusstseinsentwicklung der Androiden z.B. die Theorie einer „bikameralen Psyche” (Julian Jaynes) anbietet, wird eine Bewusstseinsentwicklung von künstlicher Intelligenz in „The Kingdom” als Prämisse gesetzt und deshalb nur behauptet. Als Hybridin wurde Ana darauf programmiert, immer die Wahrheit zu sagen, die Emotionen ihres Gegenübers zu analysieren und gemäß dem Motto des Parks: „Happily ever after”, freundlich und zuvorkommend zu (re-)agieren. Die LeserInnen begreifen jedoch schnell, dass Ana, eine Art Disney-Prinzessin, mehr ist als ein Programm. Sie liebt Shakespeares „Romeo und Julia”, Tolstois „Anna Karenina”, Tschaikowskys „Schwanensee” und verliebt sich in Owen, einen Wartungsmitarbeiter. Trotz allem basiert Anas Dasein als Fantastin auf patriarchalen Stereotypen, mit denen trotz der wachsenden Bewusstseinsbildung der Ich-Erzählerin nur z.T. gebrochen wird. Im Kern folgt der Plot dem Genre-Schema: Prinz rettet Prinzessin.
Dass Jess Rothenberg, die viele Jahre lang als Jugendbuchlektorin bei Penguin Razorbill gearbeitet hat, ihr Handwerk versteht, zeigt sich u.a. daran, wie dramaturgisch gekonnt sie in den beiden Erzählsträngen zwei Zeitachsen miteinander verwebt. Anas Ich-Erzählung, die zwei Jahre vor dem Gerichtsprozess ansetzt, steuert auf den zweiten Erzählstrang zu, der als Wiedergabe von wörtlichen Gesprächs- und Gerichtsprotokollen sowie Dokumenten, Auszügen aus der „Kingdom-App”, Aufzeichnungen von Telefonaten, Kameras usw. gestaltet wird. Dadurch entsteht ein Eindruck von beeindruckender Authentizität.
Die Autorin wagt in „The Kingdom” viel. Ihre Themenpalette reicht von künstlicher Intelligenz über Mord, Frauenverachtung und sexueller Gewalt, über gentechnische Tier- und Menschenversuche, Umweltzerstörung, Überwachung und Kritik an Vergnügungsparks bis zu erster Liebe. Ansatzpunkte, diese Themen, die auch auf die aktuellen gesellschaftlichen Debatten um #Metoo und Fridays-For-Future zielen, zu vertiefen, finden sich an zahlreichen Stellen. Auch für die Figurenentwicklungen bleibt viel Raum. Geplant hat Jess Rothenberg nach ihrer eigenen Aussage auf Twitter eine Serie wohl nicht. Potenzial aber hätte der Roman, nicht zuletzt aufgrund des offenen Endes.