Streberalarm - Ein Tagebuch

Autor*in
Pete, Johnson
ISBN
978-3-7607-2436-2
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
181
Verlag
arsEdition
Gattung
Ort
München
Jahr
2007
Lesealter
8-9 Jahre10-11 Jahre12-13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
10,95 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Ein Junge und ein Mädchen im vorpubertären Alter lernen sich mit ihren unterschiedlichen Temperamenten kennen und verändern sich gegenseitig. Er ist ein "Strebertyp" und vertraut sich am liebsten seinem Tagebuch an; sie ist leidenschaftliche Unruhestifterin und möchte ihn zum Anti-Streber machen. Gleichzeitig will sie ihm Freundin und Beraterin sein. Es geht um den Alltag in Schule und Familie und um Freundschaft und Akzeptanz.

Beurteilungstext

Bevor sich der englische Autor Pete Johnson (*1965) als Jugendbuchautor einen Namen machte, arbeitete er als Lehrer sowie als Filmkritiker für Zeitung und Rundfunk.
Seinem neusten Jugendroman mit dem Originaltitel "Trust me, I'm a Troublemaker" - wunderbar frech, um nicht zu sagen schnoddrig, von der Emsländerin Maja von Vogel übersetzt - merkt man diese beruflichen Erfahrungen auf angenehme Weise an.

Der Schulalltag an einer englischen Primary School (Schuluniform obligatorisch, was in Deutschland immer wieder mal als nützlich diskutiert wird) kann kaum detailreicher und gleichwohl spannend und unterhaltsam geschildert werden. Und die Kunst, Klischees angemessen und pädagogisch sinnvoll in eine Rahmenhandlung einzubauen, bedarf genauer Kenntnis der Rahmenbedingungen in beschriebenen Milieus und Arbeitsfeldern. Das gilt auch für die Charakter-, Temperaments- und Befindlichkeitsbeschreibungen der beiden Hauptfiguren:

Miranda Jones, die 12-jährige, ziemlich aufsässige Tochter einer alleinerziehenden Mutter, die selbsterzeugte Unruhe ziemlich geil findet und die sich ein bisschen in den gleichaltrigen Archie Swift verliebt, der aber so ganz anders ist als sie. Nämlich ernsthaft, fleißig, ein bisschen altklug und augenscheinlich "peinlich" angezogen; halt ein richtiger Streber und Schleimer, wie Miranda findet, den man nur aushalten kann, wenn man ihn verändert.

Miranda vertraut sich hin und wieder einer Kummerkastenseite (Tante Prue) an und findet deren Ratschläge für den richtigen Umgang mit Müttern, Lehrern, Jungs und vor allem Strebertypen nicht immer richtig.
Archie schreibt täglich seine Kümmernisse in sein Tagebuch, das er duzt. So erfahren die Leser/innen auch jede Menge über seinen Vater. Der ist Serienschauspieler und bandelt - nach einer gescheiterten Ehe - gerade mit einer neuen Partnerin an. Diese wiederum geht Archie gehörig auf die Nerven, denn sie ist (mit eigener Tochter) vorübergehend in die Wohnung gezogen, die Archie bisher nur mit seinem Vater teilte.

Im Verlauf der Handlung bekommen alle Beteiligten, u.a. auch die nicht unwichtige Nebenfigur des strengen Mathelehrers, Gelegenheit, ihre Umgebung und ihre Gegenüber mit anderen Augen zu sehen, ihre Eigenheiten zu akzeptieren, kleine Fehler zu verzeihen und große Fehler zu vermeiden. Und alle lernen erheblich dazu, was den Umgang mit dem anderen Geschlecht und dem Anders-Sein betrifft; und auch wie Eltern bei Kindern und Kinder bei Eltern den richtigen Ton und Nerv treffen, damit das Zusammenleben Freude macht und beiderseits Entwicklungsmöglichkeiten zulässt.

Dies alles zeigt der Autor auf, ohne den pädagogischen Zeigefinger zu heben und ohne, dass die Handlung allzu konstruiert wirkt.
Eben ein unterhaltsamer, schmissig und witzig geschriebener Jugendroman, den man auch ein zweites Mal zur Hand nimmt. Das liegt übrigens auch daran, dass die Entwicklung der Handlung nie kitschig wird: Der Vater von Archie heiratet am Schluss nicht die Mutter von Miranda, obwohl Archie für einige Zeit dort wohnt (Stichwort: Patchworkfamilie), Miranda wird nicht das Gegenteil einer Unruhestifterin und Archie kein überzeugter Antistreber, auch wenn er das Potential dazu hat, wie Miranda im Kurztext auf dem Buchrücken vermutet.

Das Titelbild von Katja Jäger ist für junge Buchkäufer oder buchschenkende Eltern schon auf den ersten Blick ansprechend. Es zeigt die beiden Hauptfiguren Miranda und Archie farblich pointiert nebeneinander: er mit Krawatte, Brille und Zeitung unterm Arm, sie rothaarig und keck blickend mit verschränkten Armen und Beinen. Die nach manchen Kapiteln eingestreuten Vignetten und die sorgfältig abgesetzten und handschriftlich gestalteten Briefe an die Kummerkasten-Tante sind zusätzliche Gestaltungselemente, die das Buch besonders lesenswert machen.

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Diese Rezension wurde verfasst von nb.
Veröffentlich am 01.01.2010