Skogland brennt

Autor*in
Boie, Kirsten
ISBN
978-3-7512-0555-9
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Deutsch
Illustrator*in
Seitenanzahl
448
Verlag
Oetinger
Gattung
Erzählung/RomanTaschenbuch
Ort
Hamburg
Reihe
Skogland
Jahr
2024
Lesealter
14-15 Jahre16-17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
BüchereiFreizeitlektüreKlassenlektüre
Preis
16,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Kirsten Boies dritter Teil zur Skogland-Reihe. Skoglands junge Demokratie wackelt. Neue Gesetze und Reformen greifen nicht, Rechtsextremen wollen an die Macht. Hjalmar, Sohn einer südskogischen Adelsfamilie, plant Unvorstellbares.

Beurteilungstext

In 2024 ist der dritte Teil von Kirsten Boies Skogland-Reihe mit dem Titel „Skogland brennt“ erschienen, die beiden ersten Teile liegen mit den Erscheinungsdaten 2005 und 2008 schon eine Weile zurück. Kirsten Boie rückt in ihren Büchern immer wieder soziale Thematiken in den Mittelpunkt. So greift sie auch in dieser Reihe gesellschaftspolitische Themen auf – Diskriminierung, Flucht, Migration, Willkür eines totalitären Systems – und bettet diese in eine spannende Rahmenhandlung ein.

Die Jugendliche Jarven gerät im ersten Band "Skogland" in politische Machtkämpfe und erfährt, dass sie Prinzessin von Skogland ist. Im zweiten Band "Verrat in Skogland" steht der Demokratisierungsprozess von Skogland im Mittelpunkt und Jarvens Probleme mit ihrer neuen Rolle. Zu beiden Titeln finden sich ausführliche Rezensionen in der AJuM-Datenbank.
Nach einer langen Pause komplettiert Kirsten Boie 2024 ihre Reihe mit dem dritten Teil "Skogland brennt“. Jarvens Leben scheint endlich rund zu laufen, denn gemeinsam mit ihrer Freundin Ylva und ihrem Freund Yoas besucht sie ein Internat. Alles könnte perfekt sein, aber Skogland wird von rechtsextremen Kräften bedroht, die eine demokratische Gesellschaft verhindern wollen. Um zu verdeutlichen, zu welchen Grausamkeiten Extremisten bereit sind, verwebt Kirsten Boie das schreckliche Attentat des Norwegers Anders Behring Breivik in ihren Roman, an das sicher viele noch schlimme Erinnerungen haben. Am 22. Juli 2011 entzündete der Rechtsextreme zunächst in Oslo eine Autobombe, bei der acht Menschen getötet wurden und fuhr anschließend mit einem Boot auf die Insel Utoya, um ein Ferien-Sommercamp zu überfallen. Dort erschoss er wahllos neunundsechzig Menschen, bevor die Polizei ihn festnehmen konnte. In Kirsten Boies Geschichte ist es der südskogische Jugendliche Hjalmar von Söderberg, der sich radikalisiert und ein schreckliches Verbrechen plant. Er wächst mit rechtem Gedankengut auf, denn sein Vater ist aktiv in der rechtsgerichteten Partei APP. Hjalmar hält seinen Vater und alle anderen für Schlappschwänze, die nur reden und nichts tun. Er aber baut eine Autobombe und plant die Insel Sommarsö zu überfallen, auf der ein Camp mit nord- und südskogischen Kindern und Jugendlichen stattfinden soll. Er schreibt ein Manifest für Skogland, in dem es um die Wiederherstellung der Reinheit im skogischen Volk geht. Endlich ist der Tag seines Triumphes gekommen und er zündet zunächst die Autobombe. Anschließend setzt er verkleidet mit einer Uniform auf die Insel über und beginnt sofort auf die Camp-Teilnehmerinnen und -teilnehmer zu schießen. Auch Jarven und Ylva, die Hjalmar erkannt haben, werden angeschossen. Als Rettungskräfte auf die Insel kommen, entledigt sich Hjalmar seiner Uniform, mischt sich unter die Überlebenden und kann entkommen. Das weitere Geschehen geht rasant und spannungsgeladen weiter, Jarven wird entführt, ein Auftragskiller ist unterwegs und die alten Seilschaften der APP wittern ihre Chance.

Kirsten Boie setzt der eigentlichen Geschichte ein „Vorspiel“ voran, und konfrontiert ihre Leserinnen und Leser sofort mit den schrecklichen Ereignissen auf der skogischen Insel Sommarsö. Dies mag erschrecken, vielleicht auch atemlos machen, doch umso mehr schafft sie es, Neugier zu wecken und die Frage nach dem WARUM zu stellen. In den drei folgenden Kapiteln, von April bis Juli, lässt sie die Figuren jeweils aus ihrer Perspektive erzählen. Ihre Gefühle und Gedankengänge sind nachvollziehbar dargestellt. Vieles passiert parallel und unaufhaltsam steuert das Geschehen auf die Katastrophe zu. Die Lektüre mutet Jugendlichen einiges zu, aber Kirsten Boie will anregen, selber genau hinzuschauen und Tendenzen in der eigenen Umgebung wahrzunehmen. Sie beschreibt die Radikalisierung von Hjalmar minutiös. Sein Hass auf die andersdenkenden Menschen und das demokratische System sind erschreckend. Am Beispiel der rechtsgerichteten Partei APP zeigt Kirsten Boie zudem auf, welche Macht von Sozialen Medien ausgeht und wie es durch Clips und Posts des beliebten Sängers Frode Bergmann gelingt zu beeinflussen. Die besondere Stärke von Kirsten Boie ist die Nähe zu ihren Figuren und ihre altersgemäße Sprache. Ihr gelingt es auf die Probleme der Gegenwart aufmerksam zu machen. In der Publikation „Siegener Werkstattgespräche mit Kinderbuchautorinnen und -autoren“ erklärt Kirsten Boie zu den Skogland-Büchern, dass sie die gesellschaftspolitische Thematik absichtlich in eine Mischung aus Prinzessinnen-Roman und Thriller verpackt hat, um Jugendliche mit der Geschichte zu packen, in der Hoffnung, dass Ihnen eine Übertragung in die eigene Realität gelingt (Jg. 1 (2013), Bd. II, vgl. S. 30). Diese Idee hat Kirsten Boie auch in ihrem dritten Teil weitergeführt. Im Vorwort erklärt sie, dass sie das schreckliche Attentat von 2011 als Grundlage nutzt, weil sie darin die Möglichkeit sieht, Verstehen zu fördern und sich tiefgehend mit den Herausforderungen unserer Zeit zu beschäftigen. Sie weist aber auch ausdrücklich daraufhin, dass einige Passagen der Geschichte bei Jugendlichen mit traumatischen Erfahrungen triggernd wirken können. Auf diese Themen wird am Ende des Buches genauer hingewiesen.

Der dritte Teil der Skogland-Reihe ist sehr empfehlenswert und kann auch unabhängig von den ersten beiden Büchern gelesen werden. „Skogland brennt“ eignet sich auch als Klassenlektüre. Aufgrund der Thematik sollte die Altersempfehlung ab 15 Jahren unbedingt beachtet werden.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von Bianca Röber-Suchetzki; Landesstelle: Bayern.
Veröffentlicht am 07.07.2025

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