Shi Wu und die Kinderdiebe

Autor*in
Lemanczyk, Iris
ISBN
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
143
Verlag
Horlemann
Gattung
Krimi
Ort
Bad Honnef
Jahr
2009
Lesealter
10-11 Jahre12-13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
9,90 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Shi Wu und ihr bester Freund, der blinde Zheng, werden aus ihrem Dorf im ländlichen China entführt und in die 1000 Kilometer entfernte Millionenstadt Kunming verschleppt. Sie werden im “Waisenhaus der glücklichen Kinder” gefangen gehalten und müssen für die “Ehrenwerte Frau” Geld heran schaffen. Ihre Lage scheint aussichtslos, doch die beiden wagen die Flucht.

Beurteilungstext

Iris Lemanczyk zeichnet in ihrem Buch ein realistisches, aber dennoch kindgerecht aufgearbeitetes Bild des modernen China. Ihre Geschichte beginnt in einem kleinen Dorf, in dem Einzelkind Shi auf einem bescheidenen Bauernhof behütet aufwächst. Zheng dagegen wird von seiner Stiefmutter verachtet und gedemütigt. Nach einer langen Fahrt im Auto des Kinderfängers landen die Kinder in Kunming, einer lärmenden, schmutzigen Großstadt, in der jeder sich selbst der Nächste ist. Doch auch dort gibt es Orte, in denen sie Ruhe finden, etwa im Park oder im Tempel. Shi und Zhen werden von der “Ehrenwerten Frau” und ihren Handlagern mit anderen Kindern in einem kahlen, fensterlosen Raum eingesperrt. Sie bekommen kaum etwas zu essen und werden misshandelt. Shi muss betteln, eine Schande, für die sich schämt, doch der Hunger und die Angst sind noch schlimmer. Zheng wird gezwungen, jeden Tag in den “Goldenen Drachen” zu gehen. Was genau in dieser Spelunke passiert, wagt er nicht zu erzählen. Shi spürt nur, dass es etwas Furchtbares sein muss.
Obwohl die Rahmenhandlung des Buches sehr bedrückend ist, gelingt es der Autorin, nicht den Anschluss an das “normale” Leben zu verlieren. Sie präsentiert ihren Lesern viele Seiten des chinesischen Alltags. Essgewohnheiten, traditionelle Bräuche, Architektur oder gesellschaftliche Normen kommen genauso zur Sprache wie die Ein-Kind-Familie, Gewalt, Korruption, Sklavenarbeit für westliche Konsumartikel und die bittere Armut vieler Menschen. Shi und Zheng gibt ihre innige Freundschaft die Kraft, nicht zu verzweifeln oder abzustumpfen, sondern die Flucht zu wagen. Ein gefährliches Unterfangen, denn Hilfe haben sie keine zu erwarten. Doch die Geschichte endet voller Hoffnung. Shi und Zheng finden Aufnahme im Haus einer Hilfsorganisation. Dort bekommt das Leben der beiden neue, unerwartete Perspektiven.
Iris Lemancyk schreibt in einer ausdrucksstarken, lebendigen Sprache, die der Zielgruppe sehr gut angepasst ist.
“Shi Wu und die Kinderdiebe” ist ein sozialkritisches und politisches Buch, das gleichzeitig voll menschlicher Wärme und Poetik steckt. Es ist absolut empfehlenswert.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von Spra.
Veröffentlicht am 01.01.2010

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