Quantic Love

Autor*in
Fernández-Vidal, Sonia
ISBN
978-3-446-24625-6
Übersetzer*in
Lohmann, Kristin
Ori. Sprache
Spanisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
240
Verlag
Hanser
Gattung
Ort
München
Jahr
2014
Lesealter
14-15 Jahre16-17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
15,90 €
Bewertung
eingeschränkt empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Die 18jährigen Spanierin Laila verbringt den Sommer nach ihrem Schulabschluss in Genf, wo sie im CERN in der Cafeteria 1 kellnert. Sie wird erkennen, dass auch die Liebe den oftmals undurchschaubaren Gesetzen der Quantenphysik folgt.

Beurteilungstext

Laila erzählt uns in der Retrospektive von ihrem Sommer in CERN; eingefügt sind Mails an ihren geliebten Vater, mit dem sie die Leidenschaft für Physik teilt, und an ihre Mutter, mit der sie ein eher unterkühltes Verhältnis verbindet. Eine spürbare Änderung im Stil ist jedoch mit diesem Wechsel von zeitlich ferner und zeitlich naher Retrospektive und dem Wechsel von unmittelbarem Schreiben ‚für den Leser' und vermittelten Schreiben für die Eltern nicht zu verzeichnen
Nachdem die Geschichte ca. 150 Seiten eher ruhig verlaufen ist, überschlagen sich im letzten Viertel des Romans die Ereignisse, um dann in einem fulminanten Showdown, bereichert mit überschwänglichen Gefühlen, ihren allzu harmonischen Abschluss zu finden. So liest sich der Epilog fast, als hätte die Autorin sich Kästners Prinzip des ""gehäuften Glücks"" zu Eigen gemacht.
Als Darstellung weiblicher Adoleszenz folgt der Roman stereotypen Mustern. Im Zentrum steht die schüchterne Protagonistin, die sich zum ersten Mal aus dem elterlichen Nest wagt, dabei (von Selbstzweifeln geplagt) ihren Platz in der Peer Group sucht, sich in einem Haufen durchgeknallter, sozial gestörter Nerds behaupten muss und sich zum ersten Mal so richtig verliebt. Sie trifft auf den blendend aussehenden Aufreißertyp und den schüchternen sensiblen Softie; zwischen diesen beiden muss sie sich entscheiden - und natürlich schlägt ihr Herz in Wahrheit nur für den Softie, auch wenn sie sich zu dem Aufreißer hingezogen fühlt. Schließlich muss sie sich mit der superhübschen erfahrenen Mitbewohnerin herumschlagen, bei der sich sowohl Ich-Erzählerin als auch Leserin lange nicht sicher sein können, ob sie denn wirklich eine gute Freundin ist oder doch eine wahre Bitch.
Besonders kritisch ist anzumerken, dass der Roman althergebrachten Geschlechterstereotypen folgt: Die männlichen Figuren halten gelehrte Reden über Erkenntnisse der Physik, denen Laila andächtig lauscht, während ihr wenigstens noch Kenntnisse im kulturellen Bereich zugestanden werden; ihre Zimmerbewohnerin, immerhin die ""klügste Studentin"" in CERN, nutzt ihre Physik-Kenntnisse lediglich, um Laila Nachhilfe im Umgang mit dem anderen Geschlecht zu geben. Auch die (Selbst-)Darstellung Lailas, die sich selbst für ein graues Mäuschen hält, der jedoch eine ganz besondere Wirkung auf Menschen - und Männer attestiert wird, wirkt stark klischiert.
Der heimliche Protagonist dieses Adoleszenzromans ist die (Quanten-)Physik: Eingebettet in die Suche Lailas nach Liebe und nach sich selbst ist eine Darstellung des CERN; immer wieder werden Anekdoten aus dem (Forscher-)Leben bedeutsamer Physiker erzählt; schließlich werden in vereinfachter Form Gesetze der Physik erklärt. Sogar die Frage, ob und inwieweit sich die Forschung in den Dienst von (Macht-)Politik stellen darf, wird aufgeworfen. Sonia Fernández-Vidal bleibt damit auch als Autorin von Jugendromanen ihrer Rolle als promovierter Quantenphysikerin und Wissensvermittlerin treu.
Empfohlen sei der Roman also denjenigen, die gerne traditionelle weibliche Adoleszenzdarstellungen mit integrierter Liebesgeschichte lesen, und die nebenher eine Einführung in die Welt der Quantenphysik erhalten möchten.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von WiBe.
Veröffentlicht am 01.01.2010

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