Papa mal anders

Autor*in
Ollivier, Mikaell
ISBN
978-3-423-70707-7
Übersetzer*in
Mierswa, Stefanie
Ori. Sprache
Französisch
Illustrator*in
Wiemers, Sabine
Seitenanzahl
99
Verlag
dtv
Gattung
Ort
München
Jahr
2002
Lesealter
8-9 Jahre10-11 Jahre12-13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
5,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Die zehnjährige Élodie ist überglücklich, weil ihr Vater nicht zur Arbeit geht. Wenig später erfährt sie, dass er abeitslos geworden ist. Aus Scham vor ihren Klassenkameraden und Freunden erfindet sie eine unheilbare Krankheit, die ihren Vater zwinge, zu Hause zu bleiben. Das bringt Komplikationen in der Schule mit sich. Und die Situation wird nicht besser, als ihre Mutter die Aufgabe des Alleinverdieners übernimmt und die Eltern die Rollen tauschen.

Beurteilungstext

Mit viel Witz und Humor schildert der Autor Élodis veränderte Lebenssituation, als ihr Vater plötzlich arbeitslos wird. Es ist schon amüsant zu lesen, wie ihr Vater zunehmend die Hausfrauen-Rolle übernimmt und zunächst völlig überfordert ist. Zudem schildert Ollivier mit feinem Gespür die Ansichten und Gedanken eines Mädchens, das glaubt, aus Scham wegen der Arbeitslosigkeit des Vaters dies vor den Klassenkameraden und sogar vor der besten Freundin vertuschen zu müssen. Hier kann der Leser (seien es Kinder oder Erwachsene) erfahren, wie problematisch eine derartige und unerwartete Situation für Kinder ist. Kinder, die selbst Derartiges erlebt haben oder erleben, können wiederum an Élodies Beispiel am Ende des Buches lernen, dem neuen Zustand Positives abzugewinnen, weil diese zwar etwas besorgt aber auch mit Witz ihre Situation analysiert und zum Schluss mit Freude akzeptiert. Andere Kinder werden aufgrund der Erzählung Verständnis entwickeln für die, deren Väter arbeitslos sind.
Folgerichtig nutzt der Autor dann auch die Arbeitslosigkeit, einen weiteren Aspekt zu behandeln, den des Rollentausches innerhalb der Familie. Élodies Mutter ist nunmehr gezwungen, den Lebensunterhalt zu verdienen und nutzt daher die Möglichkeit des beruflichen Aufstieges. Die Veränderung in den Arbeitswelten beider bedingen auch eine Veränderung in der Welt der Familie. Konsequent arbeitet der Autor die Schwierigkieten heraus, die sich daraus ergeben, angefangen von den Diskussionen der Eltern, bedingt durch das traditionelle Rollenbild, bis hin zu einer Familie in der heutigen Zeit mit einem neuen Rollenverständnis von Mann und Frau. Hier zeigt sich den Kindern nicht nur, wie sich die Arbeitswelt auf eine Familie auswirkt, sondern auch, wie man aufgrund einer geänderten Situation altes Rollendenken überwinden und zu einem neuen Verständnis von der Arbeitsteilung zwischen den Gschlechtern kommen muss und kann.
Die schwarz-weißen Illustrationen zu Beginn der einzelnen Kapitel unterstreichen die Komik der Erzählung und haben manchmal in der Darstellung der Personen etwas Karikaturhaftes an sich.
Aus diesen Gründen ist “Papa mal anders” ein sehr empfehlenswertes Taschenbuch für die Privatlektüre und durchaus auch als Klassenlektüre (Grundschule, vierte Klasse) geeignet, um das Problem von Arbeitswelt und Familie, Arbeitslosigkeit und Rollentausch zu behandeln (wünschenswert wäre deshalb eine Lehrerhandreichung).
Weiterhin kann aufgrund der Thematik und seiner Behandlung für das Taschenbuch eine Empfehlung für den Wolgast-Preis ausgesprochen werden.

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Diese Rezension wurde verfasst von RPEB.
Veröffentlich am 01.01.2010