OTTO fährt los. Ein Sommer in Italien

Autor*in
Ottenschläger, Madlen
ISBN
978-3-8458-5871-5
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Reich, Stefanie
Seitenanzahl
40
Verlag
arsEdition
Gattung
Bilderbuch
Ort
München
Reihe
OTTO fährt los
Jahr
2024
Lesealter
4-5 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
BüchereiVorlesen
Preis
16,00 €
Bewertung
empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Das Buch ist der zweite Teil einer Serie über den Zauber-Campingbus OTTO. In diesem Buch wird er von einer Familie für eine Italienreise gemietet und langsam entdeckt diese OTTOs magische Fähigkeiten. Dabei erlebt die Familie Italiens große Vielfalt, von den Bergen Südtirols, über Gelato und Strand, bis hin zu einer Familienfeier in einem kleinen Dorf. Ein bisschen weniger Vielfalt hätte der Erzählung allerdings gut getan, zu viele Themen und noch mehr erzählerische Lücken machen das Buch zu einem eher holprigem Vorleseerlebnis.

Beurteilungstext

Der Zauber-Campingbus OTTO wird erneut gemietet und bricht in sein zweites Abenteuer nach Italien auf.
Die Illustrationen zeigen den Campingbus OTTO als eine Anlehnung an einen alten VW-Bus, die Farbgebung in kräftigen, aber eher gedeckten Farben, sowie der Anschein von Kratzern und Flecken auf den Bildern, erwecken gleichermaßen ein Gefühl von Retro- oder Vintage-Romantik. Dabei bleiben die Illustrationen kindgerecht und ansprechend, eher detailarm und teilweise mit einem Hauch von kindlichem Gekritzel, was sehr gut zu der fast kindlichen Perspektive des Erzählens passt. Gleichermaßen sind sie auf den Inhalt des Textes abgestimmt, sodass sie die Erzählung harmonisch untermalen. Wenn man das Buch aufschlägt, sieht man eine grobe Landkarte Italiens mit OTTOs Tour sowie den dort erlebten Abenteuern, auf der rückwärtigen Cover-Innenseite sind Polaroid-Fotos des Familienurlaubes dargestellt, sowie Informationen über die Autorin und Illustratorin. Somit ist das Buch schon vor und auch nach der eigentlichen Geschichte ein kleines Erlebnis.
Es gibt keinen klassischen Vorlesetext, wie man ihn oftmals aus Kinderbüchern kennt, sondern vielmehr wird der Erzähltext begleitet durch Sprech- oder Denkblasen, Beschriftungen der Bilder, *-Erläuterungen an anderer Stelle auf der Doppelseite, kleinen Aufgaben für das lesende Kind und ein Goethe-Gedicht. Dies sorgt für viel Abwechslung und führt zugleich zu ständigen Unterbrechungen der Erzählung, macht die Geschichte sprunghaft und unruhig. Kurze, einfache Sätze, kindliche Ausdrücke wie beispielsweise „gerade-haurucken“ oder „Plitschen im Meer“ sowie Ausdrücke wie „Sternfunkelnacht“, ein großes „Glitzerglänzen“ oder „stechige Fiesmücke“ erwecken den Eindruck eines eher kindlichen Erzählers, der allwissend über der Geschichte thront.
Alles in die Geschichte der Italienreise verpackt, reißt das Buch zahlreiche Themen an, die nicht weiter erklärt oder aufgearbeitet werden. Beispielhaft seien hier die Patchwork-Familie genannt, das Gletscherschmelzen durch den Klimawandel, die Geschichte von Romeo und Julia. Vielleicht als witziges Detail für den erwachsenen Vorleser gedacht, führen diese eher von der eigentlichen Erzählung weg und es entstehen bei vielen Kindern Fragen und Verständnislücken. Der Textfluss wird ständig unterbrochen, wenn man das Kind durch eigene Erklärungen beim Verständnis des Textes unterstützen möchte. Um bei dem Beispiel der Patchwork-Familie zu bleiben, ist es sicherlich erstrebenswert, verschiedene Familienformen gleich wertzuschätzen und ihnen Raum in der Kinderliteratur zu geben. Dennoch kommen damit Fragen in den Kindern auf, durch die Unterbrechung wird der Vorlesefluss gestört. Das wäre nicht schlimm, wenn es nicht in diesem Umfang geschehen würde. Hinzu kommt, dass so viele verschiedene Abenteuer erlebt werden, die nicht erzählerisch ausgestaltet, sondern nur angerissen werden, bevor es mit etwas anderem weitergeht (der Start mit detaillierter Packliste, die Fahrt, die Berge Südtirols, das Meer, Ferragosto, Heimweh, die Rettung eines Eiswagens, Camping auf dem Bauernhof und eine Familienfeier in einem kleinen Dorf). OTTOs besondere Zauberfähigkeiten spielen meistens auch keine besonders große Rolle, manchmal wird gar nicht richtig klar, was er gerade zaubert. Zum Beispiel heißt es beim Spielen im Meer „Und dann packt auch OTTO kräftig mit an.“ Die Illustration deutet darauf hin, dass OTTO eine Sandburg baut, im Text wird aber nicht einmal angedeutet, dass die Familie das gerade macht. In diesem Stile geht es fort und fort. Es bleibt ein Zwischen-den-Zeilen-Lesen und Lückenfüllen für die Kinder, die beispielsweise mit Romeo und Julia eher wenig anfangen können.
Am Unnötigsten jedoch war die Schleichwerbung für OTTOs erstes Abenteuer in Schweden, als am Strand plötzlich, völlig kontextlos, OTTOs erste Ferienfamilie auftaucht und dann darauf hingewiesen wird, dass es noch ein weiteres OTTO-Buch gibt.
Insgesamt eine nette und schön illustrierte Geschichte, die in vielerlei Hinsicht für Kinder aber nur schwer zugänglich ist und bei der man als Vorlesende*r bereit sein sollte, Fragen der Kinder zu klären und erzählerische Lücken zu füllen. Schön, wenn man ein Buch sucht, um mit seinem Kind über viele Themen ins Gespräch zu kommen, aber eher keine gemütliche Gute-Nacht-Vorlese-Geschichte.

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Diese Rezension wurde verfasst von elwi.
Veröffentlicht am 29.07.2024

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