Non Stop

Autor*in
Ungerer, Tomi
ISBN
978-3-257-02163-9
Übersetzer*in
Torberg, PeterTorberg, Sophie
Ori. Sprache
Englisch
Illustrator*in
Ungerer, Tomi
Seitenanzahl
48
Verlag
Diogenes
Gattung
BilderbuchBuch (gebunden)Sachliteratur
Ort
Zürich
Jahr
2019
Lesealter
10-11 Jahre12-13 Jahre14-15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
24,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Teaser

Vasco und Poco sind unterwegs – woher und wohin erfahren wir nicht. Es ist die letzte Reise in einer Welt, die zurückgelassen wurde. Ohne Hoffnung? Nein!

Beurteilungstext

Die Szenerie ist beängstigend. Es ist eine tote Welt, alle sind auf den Mond geflohen. Die Städte stürzen ein, Eiseskälte und brennende Hitze wechseln sich im Rhythmus von Nacht und Tag ab und die Welt ist ein lebensfeindlicher Ort geworden. Nur Vasco ist anders, er lässt sich leiten von seinem Schatten und übernimmt Verantwortung für ein hilfloses Wesen – Poco. Während die neue Erde der Menschheit, der Mond, wieder dem Verfall und der Zerstörung anheimfällt, ist es die Wüste und eine wunderbare Torte, die zum neuen und sogar langfristig tragfähigen Zuhause von Vasco und Poco wird. Diese Pointe scheint nicht nur unrealistisch, sondern auch irreführend zu sein. Doch ist es eben ein echte Ungerer, der augenzwinkernd seine Skepsis den großen Lösungen gegenüber äußert, nicht der Menschheit die Rettung zutraut (und gönnt), sondern feststellt, dass es die überraschenden und auch ein wenig fantastischen (oder wenigstens surrealen) Lösungen sind, auf die die Hoffnung gerichtet werden kann. Anders denken und menschlich im allerbesten Sinne handeln, das könnte der Aufruf in diesem letzten Bilderbuch von Tomi Ungerer sein. Das erscheint nach seinem Tod in diesem Jahr 2019 und hat durchaus das Zeug, als eine Nachlassbotschaft des großen Ausnahmekünstlers gelesen zu werden.
Nicht nur die in dichter Sprache erzählte Geschichte entwickelt dabei einen unglaublichen Sog. Typographie und Bilder stellen fast ein lakonisches Pendant her. Die plakativen und grafisch-geometrischen Szenen verzichten auf Details und deuten ihre Staffage zwar klar umrissen und konturreich, aber abstrakt kaum fassbar lediglich an. Gerade diese Verfremdung distanziert die Geschichte, erzeugt aber ein beklemmendes Gefühl der Unausweichlichkeit und des Ausgeliefertseins. Referenzen zu anderen apokalyptischen Geschichten wie der Arche Noah geben keine Hoffnung, sondern zeigen, dass hier keine göttliche Rettung und Reinigung herrscht. Gleichzeitig ist das gute Ende nicht logisch zu erklären und verschiebt die Hoffnung dann wieder in den Bereich des Metaphysischen. So fasziniert das Bilderbuch nachhaltig – es dominiert nicht die Verzweiflung, sondern der unerschütterliche Glaube an das gute Ende. So ist es mit Nachdruck weiter zu empfehlen.

Michael Ritter

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von mr; Landesstelle: 23 Sachsen-Anhalt.
Veröffentlich am 01.09.2019

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