Molly Blume

Autor*in
Gmehling, Will
ISBN
978-3-7795-0732-1
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Schilling, Anna
Seitenanzahl
68
Verlag
Peter Hammer Verlag
Gattung
Buch (gebunden)Erzählung/Roman
Ort
Wuppertal
Jahr
2024
Lesealter
6-7 Jahre8-9 Jahre10-11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
BüchereiFreizeitlektüreVorlesen
Preis
14,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Mollys Eltern sind süchtig, aber nicht etwa nach Alkohol oder Drogen, sondern nach ihren Smartphones. Das findet Molly so schlimm, dass sie aktiv wird und mit den Eltern drei Tage eine radikale Entziehungskur macht – mit sehr interessanten Folgen.

Beurteilungstext

Wer kennt es nicht, dass Familienmitglieder am Tisch sitzen und sich eigentlich nichts zu sagen haben, weil alle ständig mit ihrem Handy beschäftigt sind. Vor allem die Nutzung für Kinder muss oft streng reglementiert werden. Hier jedoch dreht der Erfolgsautor Will Gmehling, der vor allem mit der Bukowski-Trilogie bekannt wurde, den Spieß um. Nicht die Kinder sind das Problem, sondern die Eltern. Alle Dinge, die Eltern ihren Kindern vorwerfen, werden hier aufgegriffen und auf die Eltern projiziert. Sie interessieren sich nicht für ihr Umfeld und selbst wenn sie gemeinsam unterwegs sind, ist nur das Foto von dem Ereignis wichtig, um es in sozialen Medien posten zu können.

Doch Molly hat genug davon und will ihre Eltern „entgiften“. An einem langen Wochenende lockt sie sie in den Keller und schließt ab. Durch die Katzenklappe können die Eltern mit Essen und Trinken versorgt werden. An Schlafmöglichkeiten und Toilette hat Molly natürlich auch gedacht. Die Eltern sind erst erstaunt, dann wütend, dann resigniert und am Schluss tritt der gewünschte Effekt ein, dass sie miteinander sprechen und sich nicht mehr von ihrem Handy ihren Tag diktieren lassen. Molly ist selbst überrascht über das Ergebnis und auch froh, die Eltern nach der Kur wieder in die Freiheit entlassen zu können.

Die überspitzte Erzählung, die die Probleme, die es in vielen Familien in Bezug auf Handykonsum gibt, auf die Eltern zu übertragen, ist durchaus innovativ und sehr unterhaltsam. Auch wenn die Methoden der Tochter, sich Gehör zu verschaffen, recht fragwürdig sind. Seine Eltern in den Keller zu sperren kann wohl kaum eine dauerhafte Lösung sein. Auch wirkt Mollys Verhalten, z.B. ihre Redebereitschaft und die Reaktion der Eltern wenig natürlich. Die Geschichte erscheint daher eher wie eine Parabel oder ein Lehrstück.
Dennoch ist das Gedankenspiel in dem kleinen Büchlein unterhaltsam, wozu auch die Bilder betragen. Mit Buntstiften werden eher skizzenhaft die Familienszenen gestaltet, bei denen die auf das Handy blickenden Eltern neben der Ich-Erzählerin Molly, die man mit ihren roten Locken gut wiedererkennen kann, stets im Mittelpunkt stehen. Merkwürdig ist, dass Molly eigene Faszination für ein Handy vollkommen ausblendet, bis auf ihrer Frage am Ende, ob sie nun auch ein Handy bekäme. Ganz so unabhängig scheint sie davon dann doch nicht zu sein und man fragt sich beim Lesen, ob man der Erzählerin so ganz trauen kann.

Insgesamt ist es eine unterhaltsame, überzeichnete, aber zeitgemäße Erzählung, die Probleme des Familienalltags ganz anders thematisiert und sich auf jeden Fall zum Lesen lohnt.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von Alexandra Ritter; Landesstelle: Sachsen-Anhalt.
Veröffentlicht am 10.02.2025

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