Mama und der verhexte Spiegel. Ein Bilderbuch über Depression

Autor*in
Endres, Brigitte
ISBN
978-3-907114-14-8
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Birkenstock, Anna Karina
Seitenanzahl
32
Verlag
Aracari
Gattung
BilderbuchBuch (gebunden)Sachliteratur
Ort
Zürich
Jahr
2020
Lesealter
4-5 Jahre6-7 Jahre8-9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
14,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Teaser

Der kleine Timmy ist sehr traurig, weil es scheint, als habe ihn seine Mama gar nicht mehr lieb. Die meiste Zeit liegt sie nur teilnahmslos auf dem Sofa oder im Bett. Als Timmys Oma ihm die Geschichte vom verhexten Spiegel erzählt, fängt er an zu begreifen, woran Mama leidet und dass alle viel Liebe und Geduld brauchen.

Beurteilungstext

Brigitte Endres greift mit ihrem 32-seitigen Hardcover-Bilderbuch das schwierige Thema Depressionen einfühlsam und kindgerecht auf.
Der kleine Timmy versteht nicht, warum seine Mama häufig so seltsam reagiert und abweisend ist. Ist er daran schuld? Mama und er leben allein. Zum Glück gibt es die Oma, die regelmäßig nach dem Rechten schaut.

Als Timmy eines Abends aufgrund von Mamas Zustand wieder sehr niedergeschlagen ist, erzählt Oma ihm die Geschichte von der bösen Zauberin und dem verhexten Spiegel:

Die Hexe konnte es nicht ertragen, glückliche Menschen zu sehen und so hexte sie einen magischen Spiegel. Jeder, der hineinschaute, sah die Welt grau und trostlos. Eines Tages erkannte jedoch ein Mann die Wirkungsweise des Spiegels und der Zauber verlor seine Kraft. Wütend zerschlug die Zauberin den Spiegel in tausend Scherben, die der Wind über die ganze Welt verteilte. Bekommt nun ein Mensch so einen Splitter ins Auge, kann er das Schöne in seinem Leben nicht mehr sehen. Der Zauber kann aber eines Tages nachlassen und der Mensch wieder glücklich werden.

Nun versteht Timmy, dass ihn und seine Mama keine Schuld trifft. Aber wie kann er ihr helfen? Auch da weiß Oma Rat: Der böse Zauber kann durch viel Liebe und Geduld gemildert werden.
Timmy beschließt, diese Mittel einzusetzen und auch seine Mama wird aktiv: Sie begibt sich in ärztliche Behandlung. Es braucht sehr lange, aber eines Tages bemerkt Timmy, dass Mama sich ganz langsam verändert und häufiger lächelt...

Zentrales Motiv des Buches ist der verhexte Spiegel, der schon auf dem Cover zu sehen ist. Er zeigt das traurige Gesicht von Timmys Mama und sogar Timmys Teddy sieht in ihm todtraurig aus. Er ist in der Erzählung von Timmys Großmutter die Ursache für die Krankheit, die sich Depression nennt. An der Aussage von Timmys Mutter wird deutlich, dass der kindliche Leser nicht auf „billige“ Art und Weise mit einem Märchen getröstet werden soll: „Es ist zwar ein Märchen, aber es ist viel Wahres dran.“ Das Bild des Spiegels ermöglicht es dem kindlichen Verständnis, die oft schwer lastende Schuldfrage auflösen zu können. Hier liegt die Stärke der Geschichte: Auch wenn der verhexte Spiegel lediglich ein Hilfsmittel zum Verständnis der Krankheit ist, so kann er eine große entlastende Wirkung entfalten.

Wie Tag und Nacht unterscheidet sich Timmys Lebenswelt von der seiner Mutter. Die liebevollen ganzseitigen Zeichnungen von Anna Karina Birkenstock unterstreichen diesen Gegensatz: Bunt und farbenfroh die Bilder aus Timmys Welt, in dunklen Blautönen die Bilder der Mutter.
Der Leser spürt auf jeder Seite durch Text und Bild, dass hier die Ängste des Kindes ernst genommen werden.

„Mama und der verhexte Spiegel“ ist ein sehr einfühlsames Bilderbuch, das nicht bagatellisiert und schnelle Lösungen anbietet, sondern Verständnis und Zuversicht vermittelt.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von UlS; Landesstelle: 18 Niedersachsen.
Veröffentlich am 01.04.2021

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