Isegrim - Eine Liebe in Wolfsnächten

Autor*in
Babendererde, Antje
ISBN
978-3-401-51236-5
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Wiebel, Johannes
Seitenanzahl
416
Verlag
Edition Bücherbär
Gattung
Erzählung/RomanTaschenbuch
Ort
Würzburg
Jahr
2022
Lesealter
14-15 Jahre16-17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
12,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Die 16jährige Jola ist zu gerne im Wald unterwegs, sehr zum Leidwesen ihrer überängstlichen Mutter. Doch seit einiger Zeit fühlt sie sich beobachtet. Dann entdeckt sie ein Wolfsrudel im Wald und verliebt sich in den mysteriösen Olek… die Probleme häufen sich und das Lügengeflecht wird immer größer. Ein spannender Roman und ein fulminantes Ende erwarten dich.

Beurteilungstext

Der Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite dermaßen in seinen Bann gezogen, dass ich ihn fast verschlungen habe. Das Cover ist schon sehr ansprechend und geheimnisvoll gestaltet. Von links schleicht sich die Wölfin am Waldrand entlang und Jola, mit dem Rücken uns zugekehrt, scheint ihr Auftreten ganz ruhig zu Beobachten. Ein dunkler Nachthimmel füllt über die Hälfte der Seite aus und verstärkt die Bezeichnung „Wolfsnächte“. Ein Teil des Waldes scheint Mondbeschienen, in weißem Licht, und lässt die Wölfin und Jola, in ihren dunklen Farben, deutlich hervorheben. Und nun sind wir wie angelockt und wollen auch wissen, was es mit der Wölfin - Isegrim auf sich hat. Die Autorin bindet uns sofort in ein aufregendes Abenteuer ein, mit unzähligen Facetten und vielen interessanten Charakteren. Es geht um Angstzustände, die bei Jolas Mutter immer wieder auftreten und Folgen mit sich bringen. Aber auch Jola kämpft wiederholt gegen die Angst an, z.Bsp. wenn die Schatten auftauchen, die sie an das Verschwinden ihrer Freundin Alina vor fünf Jahren erinnern; wenn sie um Olek oder die Wölfin bangt; als sie gefangen ist im rosaroten Zimmer und Angst hat zu sterben… Die Dorfbewohner hatten Angst während des Krieges und dann auch bei der Besetzung durch die Amerikaner. Marie hat sich um ihren geflüchteten Polen geängstigt. Die Dorfbewohner haben eine Gräueltat begangen und aus Angst geschwiegen. Es geht um Freundschaften und auch Verliebt sein, sowie Liebe. Jola ist von Kindheit an mit Kai befreundet und er ist wie ein Bruder für sie. Als dann aus beiden ein Paar wird und sie miteinander schlafen, kann Jola nicht die gleichen Gefühle für Kai aufbringen, wie er für sie. Kai ist wirklich total verknallt in Jola und würde fast alles für sie tun und sie auch beschützen. Dieses Gefühlschaos verstärkt sich noch mehr mit dem Auftauchen des mysteriösen Olek, der allein im Wald in einer Höhle haust. Warum? Was hat er für eine Vergangenheit? Doch Olek und Jola scheinen wie Seelenverwandte zu sein. Beide lieben den Wald und achten die Tiere, wollen das Wolfrudel beschützen. Jola kann Olek alles erzählen, er ist ein guter Zuhörer. Sie fühlen sich sehr zueinander hingezogen und verlieben sich ineinander. Der Beischlaf erfüllt sie beide mit Lust und Leidenschaft. Wir können uns sehr gut einfühlen in den Zwiespalt und das Gedankenwirrwarr von Jola. Sie ist gezwungen, ihre Eltern anzulügen, dann auch Kai, Saskia… Wie soll sie sich entscheiden? Sie möchte Kai nicht verletzen, Olek möchte sie vertrauen und auch ihn nicht verlieren. Es ist immerzu neu spannend, denn wir müssen auch hinter das Geheimnis von der Rentnerin Marie und dem ehemaligen polnischen Häftling kommen. Dass es dann auch noch Familienbande zwischen Marie, Agnes, dem polnischen Häftling und Olek/ Alexander gibt… geschickt ausgedacht, liebe Frau Antje Babendererde. Schlimm, was Olek schon erleben musste und umso besser, dass er so viel Liebe empfinden und Fürsorge weitergeben kann. Und dann die Zusammenkunft mit seinen Adoptiveltern, deren Tochters tödlichen Unfall er sich zuschreibt. Einfach immer wieder ein Gefühlskarussell für die Protagonisten, aber auch uns Leser. Und was ist tatsächlich mit Alina geschehen? Der Architektensohn überrascht uns mit seinem Statement genauso, wie die Tatsache, dass Herr Grimmer hinter der Entführung von Alina und auch Jola steckt. Wir erhalten eine vage Vorstellung durch Olek, aber auch Alina, wie die Psyche verletzt wird und was das bewirken kann. Äußere Umstände haben bei den Kindern völlige Veränderungen der Charaktere mit sich gebracht. Wir switchen von der Gegenwart in die Vergangenheit und auch wieder zurück und sorgen uns um die Zukunft. Immerzu sind wir emotional völlig eingebunden und können doch nicht helfen. Die Ansiedelung von Wölfen ist auch noch geschickt im Roman verwoben und zeigt uns gegensätzliche Einstellungen der Menschen zu deren Erhalt auf. Es ist beispielhaft und gut verständlich, einleuchtend, aufklärend zu erfahren, das im eigentlichen Sinn der Mensch sich nicht vor dem Wolf fürchten muss; nicht wie im Märchen vom Rotkäppchen. Für mich, als Thüringerin, war es toll zu lesen, dass der Wolf in Erfurter Nähe sich nun niedergelassen hat. (Ich weiß, Fiktion der Autorin. Aber wer weiß, wie sich alles noch die nächsten Jahre entwickelt?) Was ein Mensch ertragen kann, wie sich der Mensch den Umständen anpassen kann bzw. auch muss, wie Menschen täuschen können, was menschliche Vorurteile bewirken können, was Zwänge und Triebe beim Menschen auslösen können, dass Liebe beflügeln, aber auch kränken und leiden lassen kann, das und noch viel mehr hat uns die Autorin in ihrem aufregenden Roman fesselnd beschrieben. Vielen Dank und unbedingt empfehlenswert.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von WS; Landesstelle: 25 Thüringen.
Veröffentlich am 26.06.2022

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