Hübendrüben Als deine Eltern noch klein und Deutschland noch zwei waren
- Autor*in
- Gehm, Franziska
- ISBN
- 978-3-95470-184-1
- Übersetzer*in
- –
- Ori. Sprache
- –
- Illustrator*in
- Klein, Horst
- Seitenanzahl
- 40
- Verlag
- –
- Gattung
- BilderbuchBuch (gebunden)Sachliteratur
- Ort
- Leipzig
- Jahr
- 2018
- Lesealter
- 8-9 Jahre10-11 Jahre
- Einsatzmöglichkeiten
- Bücherei
- Preis
- 14,00 €
- Bewertung
Teaser
Das Wimmelbuch stellt die Achtzigerjahre in BRD und DDR dar, es verspricht laut Klappentext, dass es "ultimativ witzig" und "vollgestopft mit gesamtdeutschem Alltagswissen" ist.
Beurteilungstext
Franziska Gehm hat bereits in der phantastischen Erzählung "Pullerpause im Tal der Ahnungslosen" ihre Kindheitserfahrung in der sozialitischen DDR mit viel Humor und unverklemmt aufgearbeitet. Kein Wunder, dass die jetzt nach 30 Jahren Mauerfall verfilmt wird.
Hier liegt nun ein Wimmelbuch für etwas jüngere Leser und Betrachter vor, das ebenso witzig und locker das Leben auf beiden Seiten der Mauer beschreibt und zum Lesen, Anschauen, darüber Reden, Erklären und Weiterfragen motivieren will. Auf jeder Doppelseite findet man viele wie von Kindern gezeichnete Comicbilder, Sprechblasen, Vignetten(z.T.mehrsprachig beschriftet), Sprüche, Schilder, Kommentare und einen kurzen Fließtext. Die Autorin versucht die deutsch-deutsche Geschichte der Achtzigerjahre für Kinder verständlich zu erzählen, dabei geht sie von Max(BRD) und Mája(DDR)aus, die Cousin und Cousine sind. Gespickt ist der Inhalt mit der Bildsprache von Horst Klein, der das Alltagsleben veranschaulicht und beschriftet.
Es ist sicher ein schwieriges Unterfangen, kompliziertes Geschichts- und Alltagswissen kompakt zu raffen. Es scheint durchaus gelungen, wie in den Gegenüberstellungen die unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen und Ideologien, ihre Bindung an die USA auf der einen und an die UdSSR auf der anderen Seite und die Entwicklungsgeschichte bis zur Öffnung der Mauer herauskommen.
Am wenigsten überzeugt mich die falsche Verknappung bei der Darstellung von Faschismus und 2.Weltkrieg - vielleicht hätte die Autorin hierfür mehr Zeit in einer späteren Publikation aufwenden müssen.
In etlichen Unterthemen(Arbeit, Schule, Freizeit, Urlaub, Essen, Berufswünsche, Träume, Ängste)stellt die Autorin trotz unterschiedlicher Ausprägungen bei Max und Maja auch gemeinsame Gefühle und bunte Lebensfreude(bzw. Langeweile)fest, das scheint ein Verdienst dieses Buches zu sein.
Viele kritische Anmerkungen besonders beim Blick auf die DDR werden nicht verschwiegen, ob Angst vor Geheimdienst, niedriger Lebensstandard, Westpakete, Verbot von Westfernsehen, gefährliche Fluchtversuche, Verharren von Honecker und Hoffnung auf Gorbatschow werden angerissen.
Der größte Spaßfaktor liegt neben der farbigen, kommentierten Bebilderung in der Sprachverwendung: "Bluhdschjiens","panierte Schuhsohle in der Schulspeise", "TKKG-Folge 167 mit Bandsalat", um nur einige zu nennen. Viele kleine Bemerkungen, witzige Aufzählungen, Umgangssprache, Liedtitel. Hier ist es wahrscheinlich notwendig, mehrfach zu schauen und zu lesen, bis man alle kleinen Gags gefunden hat, oder zusammen lesen, deuten, fragen...
Die Autorin und der Illustrator Horst Klein haben super zusammengearbeitet bei Inhalt und Gestaltung dieses Buches, es lädt zum weiteren Nachforschen ein.