HerzSchmerz
- Autor*in
- Nilsson, Ulf
- ISBN
- 978-3-89565-262-2
- Übersetzer*in
- Könnecke, Ole
- Ori. Sprache
- Schwedisch
- Illustrator*in
- Ellermann, Lena
- Seitenanzahl
- 72
- Verlag
- Moritz
- Gattung
- Buch (gebunden)Erzählung/Roman
- Ort
- Frankfurt
- Jahr
- –
- Lesealter
- 8-9 Jahre10-11 Jahre
- Einsatzmöglichkeiten
- –
- Preis
- 9,95 €
- Bewertung
Teaser
Hauptperson ist ein namenloser Junge, zehn Jahre jung, der seine Liebe zu Britta entdeckt. Vermutlich liebt er sie seit Kleinkindertagen, nur wusste er damals nichts davon. Mit allen Mitteln versucht der verliebte Junge, auf sich aufmerksam zu machen, aber Britta zeigt überhaupt kein Interesse. Schließlich erkundigt er sich bei seiner Mutter nach dem Heiratsalter. Fünfundzwanzig, sagt sie, also hat er noch zehn Jahre Zeit und gibt auf. Wendet sich anderen Dingen zu, Sachen erforschen.
Beurteilungstext
Nach einer halben Seite ist klar: Ulf Nilsson zeigt uns das Prachtexemplar eines echtes Pechvogels in der Gestalt eines Grundschul-Jungen. Sein Auftritt zum Fasching: kleiner Troll. Während seine große Liebe Britta als schönste Lichterkönigin glänzt.
Seine Schilderungen, witzig und verrückt, sind urkomisch und sehr nachvollziehbar. Plastisch in Bild und Schrift dargestellt auf den Seiten 25 und 26, seine Körperhaltungen, seine Mimik, mit der er in sich hineinlauscht, um zu ermitteln, wo sein Herz gerade ist. In der Sommerstraße (Wohnsitz Britta) oder in der Winterstraße oder ganz und gar weg? Lena Ellermann illustriert den Text hier besonders einfühlsam und spannend. Wange, Herz und Lampe glühen gleichermaßen rot-orange. Der Junge erkennt, dass Herz und Schmerz unzertrennlich sind und auf immer und ewig zusammengehören, literarisch und auch sonst. Sie sind die Liebe.
Dieses Buch beweist, Liebe ist der Zustand des Verrücktseins.
Die Lyrik des Jungen, teils ein Schrei nach einem Rettungswagen, überzeugt (vor allem wohl die Erwachsenen), wie verdammt tödlich Liebes-Sehnsucht werden kann. Es geht um Tod und Blut, um das Ganze eben. So sehr überzeugt seine Lyrik, dass etwas weniger davon auch genug gewesen wäre (z. B. Gegensatzgedichte der Seiten 35 bis 37). Trotzdem schön, wie sich der Autor reinsteigert in seine Geschichte.
Und ganz nett zur Abwechslung, wenn zur Identität nicht Smartphones, sondern Bücher gehören. Und gut, dass die Liebe nur in der Fantasie passiert. Und schön, dass es keine Liebesgeschichte geworden ist, sondern eine Geschichte vom Gefühl der Liebe, eine Art Selbstwahrnehmung und Selbsterkenntnis mit Pechvogel-Erfahrung und Reifeschub.
Lena Ellermann hat eine tolle Art, die überlegenen Mädchen darzustellen, insbesondere auf S. 65. Vielleicht hat ja auch diese Illustration bewirkt, dass der junge Antiheld von seiner Liebesschwärmerei Abstand nehmen konnte. Die ausgesuchten und sparsam gewählten Farben verdeutlichen die Tragweite des Melodrams, um das es hier geht.
Vielleicht ist dieses Buch etwas mehr Erwachsenenbuch als Kinderbuch, falls diese Unterscheidung wichtig ist. Da wo es Kinderbuch ist, finde ich es als Erwachsene witzig. Da wo es Erwachsenensicht zeigt, wird es schwer zu verstehen für Kinder.
S. 15
(Mein Glück, dass es so einen Gedankenapparat nicht gibt. Britta könnte das mit dem Schläfrigwerden falsch verstehen.) Das dürfte den Kindern wirklich merkwürdig und unverständlich vorkommen, mir als Erwachsener übrigens auch. Hier springt der Autor raus aus der Kindersicht und sehr weit daneben.
S. 43
Sie ist nicht bereit, die Welt der Liebe zu betreten. Sie möchte wohl noch eine Weile Kind bleiben. Das denke ich.
Vielleicht soll dieser Satz eine altkluge Seite an dem Verliebten zeigen, aber an dieser Stelle verlässt Ulf Nilsson Kindersicht. Heißt Kind bleiben bei ihm Unschuld verlieren? Wobei denn? Kinder lieben ohne irgendwas zu verlieren, gar nichts; denn ihre Sexualität ist nicht die genitale Sexualität von Erwachsenen, das ewige Missverständnis.
Lieblingssatz
S. 24
Er fantasiert über Britta und ihm als Paar:
... wie schön unsere Zukunft wird. In ihrer Verwandtschaft kriegt man hübsche Kinder.
Soweit die Eindrücke einer Erwachsenen. Meine Testleserin, beinahe neun, zu HerzSchmerz befragt sagt mir: Geht so, manches fand ich gut daran. Weil, der kriegt ja nichts gebacken, ein ziemlicher Dödel. Das fand ich nicht so gut. Aber war trotzdem ganz gut. Toll war, ich hatte es so schnell durch.
Unschlagbar, die Jugend. Die blicken eben nicht mit dem mildem Blick auf ihre Biografie zurück und von dort noch milder auf ihre Kinder oder Enkelkinder. Die gucken nach vorn, knallhart.