Hekja, Tochter der Weltenfahrer

Autor*in
French, Jackie
ISBN
978-3-401-06126-9
Übersetzer*in
Knefel, Anke
Ori. Sprache
Englisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
304
Verlag
Arena
Gattung
Ort
Würzburg
Jahr
2007
Lesealter
12-13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
12,95 €
Bewertung
eingeschränkt empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Ende des 10. Jahrhunderts wird die junge Hekja von einer Insel im Norden entführt. Fortan wächst sie als Sklavin bei den Wikingern auf, wo sie sich aber behauptet und zur selbstbewussten jungen Frau reift.

Beurteilungstext

Man stelle sich die dramatische Szene vor: Grönland im Jahr 999 n. Chr. Dort lebt ein mittlerweile recht tattriger Erich der Rote, der zum Strand wankt, als das Schiff der Tochter nach monatelanger Beutefahrt naht. Kaum berührt es das Land, springt sein Schwiegersohn, der Wikinger Thorvald, aus dem Schiff, salutiert und spricht die ergreifenden Worte: "Sir, ich freue ich Sie zu sehen!" (Anmerkung: nur "Sire" wäre NOCH schöner gewesen.) Und diese Szene ist nur eine von vielen, bei denen man nicht weiß, soll man lachen oder nicht lieber doch weinen.
Das Buch richtig zu beurteilen, fällt nicht leicht, denn an mehreren Stellen drängt sich der Verdacht auf, dass zumindest ein guter Teil der Fehler auf ungeschickter Übersetzung oder Unwissen der Übersetzerin beruht. Ein paar Beispiele seien aufgeführt:
(1) Eiríkr rauði, der "rote Erich" also, wird durchweg als der "Begründer Grönlands" bezeichnet. Kann man ein Land "begründen" - mit dem Spaten anschaufeln vielleicht? War das Wort "erster Siedler" oder der Terminus "Landnahmemann" wirklich unbekannt?
(2) Mitten in der deutschen Übersetzung steht ein einziger norwegischer Herrscher, Haraldr hárfagri, in englischer Bezeichnung als "König Harald the Fair Head" - warum? Und viel schlimmer; "Fairhead" wurde wohl einfach im Wörterbuch nachgeschlagen und als "Blondschopf" übersetzt! Es handelt sich aber um König Schönhaar, der seinen bekannten Beinamen erhielt, als er sich nach 15 Jahren, in denen er Norwegen zu einem Königreich einte, die Haare schneiden ließ (Vorher hieß er mit Beinamen "Strubbelkopf"). Ein grober Schnitzer, der mit einen Blick in jedes Lexikon hätte vermieden werden können.
(3) Die grönländischen Eingeborenen, die "Skrälingar" der Quellen, sind im Text mal die "Skrälinge", "Skrälinger" oder - ganz entsetzlich - "Skrälings"- Entsprechend werden aus den norwegischen Schiffen "Knarrs". Seit wann bilden wir im Deutschen (und Nordischen) den Plural mit -s?
(4) Im Nachwort erzählt die Autorin von den ausgegrabenen Sielungen in dem vermeintlichen "Vinland", bei L'Anse aux Meadows in Neufundland. Das ist ein unveränderbarer Ortsname! Im Text wird daraus "die Anse aux Meadows".
(5) Als Quelle wird genannt die Gräenlendinga saga - was für eine "geniale" Auflösung der Ligatur æ!
Die Liste solcher unnötigen Fehler, die mehr und mehr den Verdacht auf Übersetzungsfehler bestärken, ließe sich beliebig fortsetzen. Aber auch die Autorin hat Fehler begangen, und das ist schade, denn im Grund ist ihr Roman über die junge Hekja, die nicht weiß, von welcher Insel sie stammt (und die Autor wusste es offenbar auch nicht), wirklich lesenswert. Aber das Bild, das sie vom Norden und den Wikingern entwirft, ist eben so, wie man sich als Australierin den Norden und die Wikinger vorstellt: baumlose Inseln (von denen man weiß, dass sie in früher Zeit bewaldet waren); im Jahre 999 allesamt gläubige Christen (Island führte 1000 das Christentum ein; Schweden wurde 100 Jahre später christianisiert); die Menschen der romantisch-verklärenden Musik zugetan (als Wikinger!); eine Hauptrolle spielt im Roman ausgerechnet ein "Spielmann" namens Snorri, einer der bedeutendsten Skalden, der aber 200 Jahre später lebte; selbst wenn er nicht identisch sein soll, ist diese auffällige Namensgleichheit unüberlegt. Da fallen dann die anderen Fehler in den Namen kaum noch ins Gewicht, etwa wenn der historische Bjarni zu Bjarnin wird oder der Hund "Snarfari" mit "Snarf" gerufen wird (das würde deutsch "Schnellf" für "Schnellfahrer" entsprechen).
Ein sorgfältigeres Lektorat und eine beratende Fachkraft hätten diese Fehler vermeiden helfen können. Schade drum, denn der Roman an sich ist spannend erzählt und das Bild der jungen Frau überzeugend angelegt. Daher mit Bedenken ein gerade "noch empfehelenswert" als Wertung.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von avn.
Veröffentlich am 01.01.2010

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