Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten
- Autor*in
- Morosinotto, Davide
- ISBN
- 978-3-522-20314-2
- Übersetzer*in
- Panzacchi, Cornelia
- Ori. Sprache
- Italienisch
- Illustrator*in
- –
- Seitenanzahl
- 272
- Verlag
- Thienemann
- Gattung
- Buch (gebunden)Erzählung/Roman
- Ort
- Stuttgart/Wien
- Jahr
- 2025
- Lesealter
- 10-11 Jahre12-13 Jahre
- Einsatzmöglichkeiten
- Freizeitlektüre
- Preis
- 16,00 €
- Bewertung
Schlagwörter
Teaser
Rund um Kaspar Hauser gibt es bis heute viele Rätsel, und diese offenen Fragen hat Davide Morosinotto genutzt, um eine fiktive Lösung zu entwickeln. Ein italienischer Arzt und seine Tochter Greta, bekannt für ihre Fähigkeiten, Rätsel zu lösen, werden nach Nürnberg gerufen, um die Frage nach Kaspar Hausers Herkunft zu klären und ihn vor einem angedrohten Attentat zu schützen.
Beurteilungstext
Greta Grimaldi, etwa 15 Jahre alt, ist die zentrale Figur in diesem Roman. Sie begleitet ihren Vater auf den Reisen, auf denen er im Auftrag verschiedener Menschen große Rätsel löst, seit er herausgefunden hat, wie genau ihre Beobachtungsgabe und ihre Fähigkeit ist, aus ihren Beobachtungen Schlüsse zu ziehen.
Im Gegensatz zu ihrem Vater, der das Hotel am liebsten nie verlassen würde und seine Informationen aus Zeitungen, Briefen und Gesprächen erhält, genießt Greta es, durch Nürnberg zu streifen. Dabei schließt sie so etwas wie eine Freundschaft mit dem (fiktiven) Cousin Oskar des Freiherrn von Tucher, den es wirklich gab, und trifft persönlich auf Kaspar Hauser. Doch die Freundschaft mit Oskar entpuppt sich am Ende als seine Strategie, möglichst viel über den Stand der Ermittlungen von Greta und ihrem Vater zu erfahren, denn in dieser Fiktion ist jener Oskar der, der hinter den Anschlägen auf Kaspar steckt, auch hinter dem tödlichen.
Die relativ komplizierte Gemengelage, in der viele Menschen Interesse an Kaspar Hauser und seiner weiteren Entwicklung haben, in der unterschiedliche Verschwörungstheorien und Vermutungen über seine Herkunft diskutiert werden, gibt die historische Situation vermutlich treffend wieder. Der heutige Forschungsstand spielt für den Autor und seine Deutung nur insofern eine Rolle, als er der Vermutung, Kaspar Hauser sei ein Betrüger und hätte die verschiedenen Briefe selbst geschrieben, Raum gibt. Die dargestellte Auflösung, in der ein junger Mann mit der Liebe zu dem geheimnisvollen Findling zu kämpfen hat und so zum Mörder wird, wirkt allerdings sehr konstruiert.
Befremdlich ist, wie frei Greta sich ohne Begleitung, ohne Anstandsdame, im Nürnberg Anfang des 19. Jahrhunderts bewegen kann. Insgesamt überzeugt die Figur Greta nicht in ihrem benannten, aber nicht fühlbaren Widerstreit zwischen Einsamkeit, Neugier, Selbstbewusstsein, Schüchternheit und Sehnsucht nach Liebe. Besonders seltsam mutet die Szene an, in der ein angeblicher Angreifer verfolgt wird: Greta läuft im Nachthemd durch die Gassen Nürnbergs.
So ist der Roman sicherlich spannend erzählt, ist aber nicht mehr als ein zum Lesefutter geeigneter Schmöker. Verwirrend die Triggerwarnung: da Oskar sich am Ende das Leben nimmt, darauf aber nicht wirklich intensiv eingegangen wird, erscheint diese Warnung sehr übertrieben.
Die Ausstattung verwendet verschiedene historische Abbildungen aus Nürnberg, die dazu beitragen, eine historische Atmosphäre zu erschaffen.