Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten
- Autor*in
- Morosinotto, Davide
- ISBN
- 978-3-522-20314-2
- Übersetzer*in
- Panzacchi, Cornelia
- Ori. Sprache
- italienisch
- Illustrator*in
- –
- Seitenanzahl
- 272
- Verlag
- Thienemann
- Gattung
- Buch (gebunden)Erzählung/Roman
- Ort
- Stuttgart/Wien
- Jahr
- 2025
- Lesealter
- 12-13 Jahre14-15 Jahre
- Einsatzmöglichkeiten
- Freizeitlektüre
- Preis
- 16,00 €
- Bewertung
Schlagwörter
Teaser
Im August 1829 darf die 14jährige Greta Grimaldi mit ihrem Vater nach Nürnberg reisen. Der sizilianische Arzt und Privatdetektiv Grimaldi ist vom Bürgermeister der Stadt gebeten worden, die Todesdrohungen gegen den jungen Kaspar Hauser, der in Nürnberg lebt, aufzuklären und die Täter zu finden. Greta ist eine wichtige Stütze bei der Detektivarbeit.
Beurteilungstext
Der italienische Autor Morosinotto nimmt die historische Figur Kaspar Hauser und ihre tragische Geschichte als Grundlage für diesen spannenden Krimi für Kinder und Jugendliche. Geschickt bindet er die historischen Figuren in seinen Kriminalroman ein, ohne das bisher ungelöste Rätsel um die tatsächliche Herkunft Kaspar Hausers aufklären zu wollen. Dies betont der Arzt und Privatdetektiv Dr. Grimaldi selbst immer wieder. Trotzdem muss er vieles in seine Überlegungen einbeziehen, indem er etwa nach dem Versteck suchen lässt, in dem das Kind Kaspar gefangen gehalten worden sein soll. Auch in Gesprächen mit den „Gasteltern“ Kaspars, dem Geschwisterpaar Dr. Georg Daumer und seiner Schwester Anna Daumer, dem Bürgermeister Binder oder dem Freiherrn von Tucher, wird dieses Geheimnis häufig thematisiert. Dr. Grimaldi verlässt für seine Recherchen kaum das Hotel, in dem er mit Greta eine Suite bezogen hat. Er liest alte Zeitungen und Dokumente und lässt sich von seiner Tochter Greta berichten, was diese unauffällig in der Stadt erfahren hat. Nur gelegentlich nimmt er Einladungen bei den Honoratioren der Stadt an. Er ahnt nicht, dass sich Greta inzwischen in den Beschützer von Kaspar, in den 17jährigen Oskar Tucher verliebt hat. Die junge Martha, ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen und Nachbarin der Daumers, ist ebenfalls in Oskar verliebt und eifersüchtig, denn der adlige Spross hat ihr offensichtlich Avancen gemacht. Sie beide hätten die Drohbriefe verfasst, gesteht Martha bei dem letzten Verhör durch Grimaldi. Und ein Freiherr von Hammerstein, der bei einem Einbruch ins Haus der Daumers ertappt wurde, sei von ihr ermordet worden, behauptet das Mädchen. Das bedeutet nach damaliger Rechtsprechung ihr Todesurteil. Grimaldi ist zufrieden und reist mit Greta nach Hause. Greta ist nicht überzeugt, sie ahnt, dass Martha aus Liebe zu Oskar Tucher die Schuld für dessen Taten auf sich genommen hatte. Als vier Jahre später Kaspar Hauser tatsächlich ermordet wird, kommt Greta mit ihrem Leibwächter Rodolfo Astori zur Beerdigung. Sie konfrontiert den wahren Täter, Oskar Tucher, mit seinen Taten und mit dem Tod der unschuldigen Martha. Dieser nimmt sich danach das Leben.
Zunächst ist der Roman ein äußerst spannender Krimi, der in kurzen Kapiteln und jugendgemäßer Sprache verfasst wurde. Aber er gibt auch tiefe Einblicke in die gesellschaftlichen Sitten und Gepflogenheiten des frühen 19. Jahrhunderts. Er zeigt die strenge Trennung der verschiedenen Stände in jener Zeit und streut immer wieder Erkenntnisse über die Identität des Kaspar Hauser ein. War er ein gerissener Betrüger? War er ein Spross aus dem Haus der Markgrafen von Baden? Fragen, die bis heute nicht geklärt sind. Mit der sehr selbständigen jungen Sizilianerin Greta Grimaldi mögen sich viele jungen Menschen identifizieren. Sie ist klug, und ihr Vater nimmt sie sehr ernst und lässt ihr viel Freiheit. Wer würde nicht gerne mit ihr tauschen?