Geniale Fehler

Autor*in
Mariño , Soledad Romero
ISBN
978-3-95728-546-1
Übersetzer*in
Bachhausen, Ursula
Ori. Sprache
Spanisch
Illustrator*in
Galbany, Montse
Seitenanzahl
48
Verlag
Knesebeck
Gattung
Sachliteratur
Ort
München
Jahr
2022
Lesealter
10-11 Jahre12-13 Jahre8-9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
16,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Oft forschen, tüfteln, experimentieren Erfinder:innen jahrelang – nicht immer entstehen daraus bedeutsame Erfindungen. Umso spannender, dass in der Geschichte auch einige Fehler zu wichtigen Erfindungen führten. In diesem bunten Sachbuch für Kinder tauchen wir anhand kurzer Texte und erläuternder Illustrationen ein in einige dieser ‚fehlerhaften‘ Erfolgsgeschichten.

Beurteilungstext

Können Sie sich an Ihren letzten Fehler positiv erinnern? Was haben Sie daraus gelernt? Unsere Einstellung zu Fehlern, eigenen wie fremden, war und ist bei genauerem Hinsehen oft alles andere als positiv. Auch mit Blick auf Schule und Unterricht entspricht der Anspruch, Fehler der Mitwirkenden als Chance wahrzunehmen, nicht der alltäglichen Wirklichkeit. Das erscheint aufgrund einer systemisch stark verankerten Leistungskultur auch nicht ganz einfach umzusetzen. Ein deutliches Umdenken in der Beurteilung von Lern- und Entwicklungsprozessen ist dennoch zu spüren.
In diesem Sinne präsentieren die aus Spanien stammende Grafikdesignerin und Kinderbuchautorin Soledad Romero Mariño und die Illustratorin Montse Galbany „Geniale Fehler“ als Voraussetzung einiger bedeutender Entdeckungen der Weltgeschichte: u.a. Röntgenstrahlen und Radioaktivität, Sekundenkleber und Streichhölzer, Penicillin und Post-it’s. Im Jahr 1770 wollte z.B. der Ingenieur Edward Naire eine falsch gezeichnete Stelle in einem Maschinenbauplan wie üblich mit einer Brotkugel ausradieren – und griff aus Versehen zu einem Stück Kautschuk. Kartoffelchips wiederum entstanden 1853 in New York, als ein Koch aus Wut einem sehr unverschämten Gast extrem dünne und versalzene Pommes frites präsentieren wollte.
Auf jeweils einer Doppelseite werden uns achtzehn solcher Entdeckungsgeschichten mittels fünf, sechs kurzer Informationstexte präsentiert. Fast alle Fehler-Geschichten handeln übrigens von männlichen Entdeckern bzw. Erfindern. Als ein weibliches Beispiel erscheint die Tarte Tatin, ein Apfelkuchen, der 1900 von Stéphanie und Caroline Tartin erfunden wurde (wobei zugleich erklärt wird, dass der kommerzielle Erfolg dazu einem Pariser Konditor zufiel). Nicht zuletzt eröffnet das Buch interessante Gesprächsanlässe darüber, ob alle dargestellten Ereignisse ‚echte‘ Fehler sind. Hier sei als Beispiel die Entwicklung des Klettverschlusses angeführt. Der Elektroingenieur Georges de Mestral war ein guter Beobachter der Natur und ahmte aus Stoff die lästigen Kletten nach, die sich immer wieder im Fell seines Hundes verfingen.
Das Textverständnis wird unterstützt durch die klaren Illustrationen in knallig-bunten Farben. Erläuterungen zum Textverständnis könnten nötig sein, da teilweise recht anspruchsvolle Satzkonstruktionen genutzt werden. Auch einzelne Begriffe wie Schrapnellwunde und Zeremonien bedürfen vermutlich einer Erklärung.
Geeignet ist das Buch für Kinder ab ca. acht Jahren. Sollten Leser:innen Feuer gefangen haben, ist eine vertiefende Auseinandersetzung zu empfehlen. So könnten unvermeidliche Vereinfachungen, wie z.B. bei der Darstellung der Entdeckung des Kunststoffs, durch weiterführende Lektüre ergänzt werden. Dieses Buch kann die Angst, Fehler zu machen, vielleicht nicht verschwinden lassen. Aber es kann dabei helfen, die Eingangsfloskel vom Fehler als Freund als möglich und wahr anzunehmen.

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Diese Rezension wurde verfasst von Kerstin Mittag; Landesstelle: 12 Berlin.
Veröffentlich am 19.06.2022