Gedisst

Autor*in
Höra, Daniel
ISBN
978-3-8270-5361-9
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
222
Verlag
bloomsbury
Gattung
Krimi
Ort
Berlin
Jahr
2009
Lesealter
12-13 Jahre14-15 Jahre16-17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
9,90 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

In seinem neuen Roman entführt uns Daniel Höra an den Stadtrand der brandenburgischen Kleinstadt Schwedt. Er erzählt die Geschichte des vierzehnjährigen Alex, der in einer Plattenbausiedlung aufwächst. Die Häuser und ihre Bewohner haben eines gemeinsam - ihnen fehlt jede Perspektive für die Zukunft. Aber inmitten dieser trostlosen Welt entspinnt sich plötzlich eine dramatische Geschichte, die Alex und seine Freunde aufrüttelt.

Beurteilungstext

Alex ist ein ganz normaler Vierzehnjähriger, wie man ihn wohl in jedem ostdeutschen Plattenbauwohngebiet antreffen kann. Er verlässt kaum einmal sein näheres Umfeld; was außerhalb und jenseits der väterlichen Wohnung, der Schule, der Parkbank zwischen Block zwei und Block drei und dem Einkaufscenter passiert, interessiert ihn nicht. Genau wie sein Umfeld scheint er in Lethargie gefangen zu sein. Perspektivlosigkeit und Resignation durchdringen als stille Größen lebendige und tote Materie seiner Umwelt, so dass ein düsteres Bild einer Gesellschaft gemalt wird, die den Anschluss verpasst zu haben scheint. Doch in die Kontinuität und Gleichförmigkeit dieses Lebens bricht mit einem Mal ein Geschichte ein, die Alex zum Hauptdarsteller macht, die ihm aber gänzlich unwirklich vorkommt: "Meistens passierte ja nichts, aber in meinem Fall war das anders. Auf einmal war ich in einer ziemlich schrägen Geschichte drin, über die ich null Kontrolle hatte. (…) Aber wie auch immer, es war eine richtige Geschichte mit Hauptdarstellern, Nebendarstellern und Statisten. Nur einen Regisseur gab es nicht."
Alex wird verdächtigt, eine alte Frau aus seinem Block umgebracht und bestohlen zu haben. Die Beweislast ist erdrückend, und Alex findet sich plötzlich von Freunden verlassen und isoliert wieder. Jetzt zeigt sich, wer die Leute sind, auf die er sich verlassen kann. Mit der Hilfe von Fetcher, einem Schulfreund und Debbie, seiner Freundin versucht Alex dem wahren Mörder auf die Schliche zu kommen. Seine Schwester Nora, deren Freund Dennis und sogar Alex' Vater unterstützen ihn nach ihren Möglichkeiten. Doch neben der Suche nach dem Mörder muss sich Alex auch gegen die Attacken der rechtsradikalen "White boyz" zur Wehr setzen, die ihn am liebsten lynchen würden.
Neben den Gefahren, denen es zu entrinnen gilt, hilft Alex die Extremsituation dieser Tage jedoch auch, sein Leben einmal von außen zu betrachten. Die Unterschiedlichkeit seiner Freunde und die seltsame Nähe, in die sie durch den Vorfall gerückt werden, machen es Alex möglich, seine Welt aus anderer Perspektive zu betrachten. So kann er am Ende nicht nur seine Unschuld nachweisen, sondern er wächst an dem Vorfall auch selbst, so dass er sein Leben zukünftig stärker selbst in die Hand nehmen kann. So jedenfalls der Eindruck, der nach der Lektüre sehr hoffnungsvoll bestehen bleibt.
Durch diesen Ausblick bleibt das Buch nicht in der reinen Beschreibung unhaltbarer Zustände stecken. Es bietet Perspektiven und kann ein Nachdenken über das Leben und unsere Möglichkeiten seiner Gestaltung anregen. Es fordert Verantwortung ein und geißelt Teilnahmslosigkeit wie auch übereilten Aktionismus. Dabei trifft Höra mit seinen trockenen und pragmatischen Beschreibungen, die gänzlich auf falsche Dramatik verzichten, den Geist dieser Generation Jugendlicher. Das Buch strahlt eine verblüffende Authentizität aus, was die Lektüre zu einem echten Erlebnis macht. Hinzu kommt, dass die Geschichte einen unheimlichen Sog entwickelt, dem man sich kaum entziehen kann. "Gedisst" ist ein Buch, das nachdrücklich zu empfehlen ist.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von ar.
Veröffentlicht am 01.01.2010

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