Gar nichts von allem
- Autor*in
- Duda, Christian
- ISBN
- 978-3-407-82213-0
- Übersetzer*in
- –
- Ori. Sprache
- –
- Illustrator*in
- Friese, Julia
- Seitenanzahl
- 160
- Verlag
- –
- Gattung
- Buch (gebunden)Erzählung/Roman
- Ort
- Weinheim
- Jahr
- 2017
- Lesealter
- 10-11 Jahre12-13 Jahre
- Einsatzmöglichkeiten
- Bücherei
- Preis
- 12,95 €
- Bewertung
Teaser
1975: Bei Magdi scheint alles anders als üblich zu sein. Er lebt zwar mit zwei Brüdern und einer Schwester mit seinen Eltern zusammen, aber der arabische Vater neigt zur körperlichen Gewalt, wenn es nicht nach seinem Willen geht und die deutsche Mutter versucht, diese Gewaltausbrüche zu vertuschen. Mit wem soll er sprechen, wenn sich immer noch Menschen darüber wundern, dass er und seine Geschwister ein Gymnasium besuchen und nicht die Hauptschule? Erst als er sieht, dass Muhammed Ali nach einem gewonnenen Boxkampf den Gegner nicht zusätzlich tritt begreift er, dass nichts so sein muss wie es bei ihm ist.
Beurteilungstext
Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell es Herrn Duda gelingt, den Leser in den Bann der Geschichte von Magdi zu ziehen, obwohl Magdi immer nur kurze Berichte über seine Tageserlebnisse schreibt – ein Tagebuch zu führen ist etwas für Mädchen! Die scheinbar belanglose Beschreibung der häuslichen Situation macht deutlich, wie sehr die Eltern unter Druck stehen, nur nicht negativ aufzufallen. Zu groß scheinen die Vorurteile einer gemischtnationalen Familie gegenüber zu sein, als dass die Kinder sich wie alle anderen verhalten können. Sie müssen bessere Leistungen bringen, sich besser verhalten, sauberer gekleidet sein, höflicher sein usw. Treten Fehler auf, wundert sich niemand, denn das haben die Menschen schließlich erwartet. Ob in der Schule, beim Einkauf oder auf dem Spielplatz, immer stehen Magdi und seine Geschwister unter Beobachtung. Die Erwachsenen sprechen nicht miteinander sondern geben den Druck ungebremst weiter, der Vater schlägt, die Mutter vertuscht. Das Schreiben der Berichte hilft Magdi, diese Erfahrungen zu verarbeiten. Das Lesen eben dieser Texte durch den Vater und die Geschwister hält ihnen den Spiegel vor und macht die Macht der Worte deutlich. Als Magdi erlebt, dass ein Mensch mit einem amerikanischen Namen Cassius Clay freiwillig einen Namen wie seinen annimmt= Muhammed Ali und sich auch nach siegreichen Boxkämpfen fair seinem Gegner gegenüber verhält, hat er sein Idol gefunden.
Im anhängenden sprachlich kindlich gestalteten Glossar stehen die subjektiven Erklärungen Magdis zu wichtigen Wörtern. Unter anderem gibt es den Hinweis auf mögliche biografische Bezüge des Autoren, der ebenfalls in einer gemischtnationalen Familie groß wurde und nicht wirklich Duda heißt.
Die kindlichen Zeichnungen und Tintenklecksbilder von Frau Friese unterstützen die Erzähltechnik des Autoren hervorragend. Sie spiegeln die Zerrissenheit Magdis, seine Wut und seine Hilflosigkeit vielen Erwachsenen gegenüber.