freilaufende dichter*innen
- Autor*in
- Gries, Martin
- ISBN
- 978-3-911077-02-6
- Übersetzer*in
- –
- Ori. Sprache
- Deutsch
- Illustrator*in
- –
- Seitenanzahl
- 264
- Ort
- Lübeck
- Jahr
- 2024
- Lesealter
- 12-13 Jahre14-15 Jahre16-17 Jahre
- Einsatzmöglichkeiten
- Bücherei
- Preis
- 20,00 €
- Bewertung
Schlagwörter
Teaser
Lyrik kann dich retten, wenn du 15 bist und sich dein Leben durch die Trennung deiner Eltern gerade radikal verändert hat.
Beurteilungstext
Ellens Eltern haben sich getrennt und jetzt sitzt sie in einem komplett anderen Stadtviertel in der Wohnung des Vaters, weigert sich, auch nur einen Karton auszupacken und hat das Gefühl, dass ihr Leben zu Ende ist. Plötzlich ist für nichts mehr Geld da, den Kontakt zu ihren Freund*innen hat sie abgebrochen und konstruktive Gespräche mit ihren Eltern sind für sie nicht mehr möglich. Auswegloser könnte eine Situation kaum sein. Da wird Ellen auf der Straße unvermittelt aufgerüttelt von einem Wort: "lebenshungerstreik". Sie sieht es auf einem Gullydeckel und fühlt sich seltsam verstanden. Ellen beginnt, nach weiterer Straßenpoesie zu suchen und wird fündig. Mit dem achtjährigen Paul und einer alten Dame, denen sie in ihrem Haus begegnet, hat sie schnell zwei einfallsreiche und einfühlsame Gefährt*innen an ihrer Seite. Zusammen mit Paul und Röschen findet sie die Urheber*innen der unkonventionellen Lyrik-Aktionen: Keanu, Alicja und nicht zuletzt Jules, in den sie sich schon verliebt hatte, als sie nur seine Gedichte kannte und mit dem sie eine längere Geschichte verbindet, als sie zunächst ahnt. Ellen taucht ein in die Welt der Urban Poetry und (er-)findet sich neu.
Martin Gries arbeitet seit über zwanzig Jahren bei Bücherpiraten e. V. Lübeck mit und hat all seine Erfahrungen in dieses wunderbare Buch einfließen lassen. "Freilaufende Dichter*innen" ist sowohl stilistisch als auch vom geschilderten Lebensgefühl her unglaublich dicht dran am Erleben Heranwachsender. Es gibt wahrscheinlich kaum eine Zeit im Leben, in der man sich mehr von Gedichten verstanden fühlt als von realen Menschen, und das ist hier perfekt eingefangen. Es ist berührend mitzuerleben, wie Ellen mit Hilfe der Poesie wieder Zugang zu sich selbst und zum Leben findet. Das Buch stand nicht von ungefähr auf der Liste der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2025.
Eine nachdrückliche Empfehlung für alle, die sich für Lyrik und ihre subversive Kraft interessieren und sich davon anregen lassen wollen. Der einzige Wermutstropfen ist der für ein Taschenbuch recht hohe Preis - das Buch ist in einem Kleinverlag erschienen.