Feuerwanzen lügen nicht

Autor*in
Höfler, Stefanie
ISBN
978-3-407-75683-1
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
234
Verlag
Beltz & Gelberg
Gattung
Erzählung/RomanKrimi
Ort
Weinheim
Jahr
2022
Lesealter
8-9 Jahre10-11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
BüchereiFreizeitlektüreKlassenlektüre
Preis
15,00 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Der hibbelige Nits, der für alles und jeden einen schlauen Spruch hat, erzählt die Geschichte seines besten Freundes Mischa, der ein großes Familiengeheimnis hat und für den Lügen nur im Notfall notwendig erscheinen. Das Buch berichtet von Freundschaft, Familie, Arm und Reich und von den unterschiedlichsten Tieren, die in jedem Kapitel in Szene gesetzt werden.

Beurteilungstext

Nits und Mischa sind beste Freunde. Während Mischa als stets korrekter Superschüler auftritt, der alles weiß und sich insbesondere für Tiere interessiert, zu denen er Tausend und eine spezielle Hintergrundinformation weiß, ist Nityananda, kurz Nits, der hibbelige Sprücheklopfer, der es sich angewöhnt hat, vornehmlich in Reimen zu antworten und die Wörter wie Musik klingen zu lassen.
Er ist auch der Erzähler der Geschichte. Im Buch heißt es: „Mischa findet, wenn jemand so viel penetrant Peinliches über seine Familie verkündet, ist es wichtig, dass er das mit gutem Klang verbindet. „Erzähl die Geschichte“, hat er gesagt. „Von mir aus erzähl sie. Aber lass sie klingen, Nits.““ (S. 7-8) Und genau das macht Nits auch. Jedem Kapitel wird ein Vier- bis Sechszeiler über ein Tier vorangestellt, das jeweils auch in diesem Kapitel auftaucht, seien es die Enten, die von den beiden Jungen über das Wasser gejagt werden oder die titelgebenden tanzenden Feuerwanzen.
Aber eigentlich erzählt der realistische Roman von Mischa und seiner Familie, die kaum Geld hat. Das weiß Nits zunächst nicht, doch als Mischa mit einem Attest auftaucht, um vom Schwimmunterricht befreit zu werden, entlarvt Nits durch Zufall die Lüge und wird von Mischa zum ersten Mal mit in seine Wohnung genommen. Dort gibt es quasi nichts, nur ein paar am Boden liegende Matratzen zum Schlafen und einen Tisch und Stühle in der Küche zum Essen. Das Essen müssen sie bei der Tafel holen und Mischa gibt sich sehr viel Mühe, diesen Zustand vor seinen Mitschüler*innen zu verheimlichen. Doch als auch noch sein Vater verschwindet und komische Typen auftauchen, fällt es schwer, alles zu verheimlichen.
Die Geschichte ist zunächst die Geschichte einer Freundschaft von zwei Jungen mit sehr unterschiedlichen familiären Voraussetzungen. Während Nits mit seinen Eltern und dem älteren Bruder eher behütet aufwächst, haben es Mischa und Amy weniger leicht, denn ihr Vater hat keinen dauerhaften Job und so ist immer wenig Geld für das Nötigste da. Als Nits sieht, wie Mischa lebt, werden ihm – und darüber auch den Leser*innen – diese Unterschiede erst richtig bewusst. Im Verlauf der Erzählung geht es aber nicht nur um eine Milieustudie, sondern die Geschichte bekommt auch detektivische Züge, denn Mischas und Amys Dad ist verschwunden und dafür tauchen recht unheimliche Typen auf, die ihre Wohnung durchsuchen. Kann Mischas Dad wiedergefunden werden? Was sagt das Jugendamt dazu, wenn sie niemanden in der Wohnung antreffen? Und wie können Mischa und Nits Mischas Dad helfen, an Geld zu kommen? Diese Fragen werden im zweiten Teil des Buches verhandelt, das hier deutlich Fahrt aufnimmt und über die Handlung Spannung erzeugt.
Die Erzählung wirkt insgesamt sehr authentisch und gleichzeitig wird mit dem Thema Armut sehr einfühlsam und sensibel umgegangen. Gerade wenn es um die Scham geht, die Mischa empfindet, wenn er zum Beispiel bei der Tafel das Essen einkauft, „das andere wegschmeißen“. Durch die hintergründigen Tierreime am Beginn der Kapitel und die witzig wendigen Wortspiele des Erzählers bekommt das ernste Thema aber eine Leichtigkeit, die die besondere Erzählqualität Stefanie Höflers auszeichnet. Die Autorin, die auch Lehrerin in Süddeutschland ist, hat auch andere schwierige Themen wie z.B. Gewalt in der Familie („Ein Sommer mit Mucks“) oder Mobbing („Tanz der Tiefseequalle“) über Poetik und Witz zugänglich gemacht hat. Dafür wurde sie bereits mehrfach mit für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und dieses Buch ist mit Sicherheit auch ein neuer Anwärter für diese Auszeichnung. Ich kann es nur mit Nachdruck auch als Klassenlektüre in der Schule empfehlen.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von Alexandra Ritter; Landesstelle: 23 Sachsen-Anhalt.
Veröffentlicht am 23.01.2023

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