Dinge die so nicht bleiben können

Autor*in
Bauer, Michael Gerard
ISBN
978-3-446-26801-2
Übersetzer*in
Mihr, Ute
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
Verlag
Gattung
Ort
München
Jahr
2020
Lesealter
14-15 Jahre16-17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
15,50 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Teaser

Michael Gerard Bauers „Nennt mich nicht Ismael“ hat den australischen Jugendbuchautoren auch hierzulande populär gemacht. Mit „Dinge, die so nicht bleiben können“ knüpft er an die Erzählkraft des Erstlings an und entwirft ein sensibles Portrait zweier Teenager*innen, die auf Sinn- und Selbstsuche sind und trotz traumatisierender Erfahrungen auch voll sind mit Leichtigkeit, Lebensfreude und positiver Energie. All dies ist dem Text selbst eingeschrieben, der von spritzigen Dialogen, mehrdimensionalen Figuren und einer bereichernden intermedialen Verweisstruktur lebt.

Beurteilungstext

Es ist Tag der offenen Tür in der Uni. Sebastian und sein hochbegabter Freund Tolly gehen hin und besuchen einige Probevorlesungen. Protagonist und Ich-Erzähler Sebastian ist ein wenig orientierungslos und unentschieden, was er mit seinem Leben anfangen soll und hat nun beschlossen, Stadtplanung zu studieren. Er bezeichnet sich selbst als „stinknormalen Typen“ (S. 11), und ebender fühlt sich völlig durcheinandergerüttelt, als er in der Probevorlesung ein in seinen Augen „supersüßes Mädchen“ (S. 10) trifft, das ihm wie ein „perfektes weibliches Wesen“ (S. 13) erscheint. Doch er wird enttäuscht: Wenig später stellt Helena (so heißt das hübsche Mädchen) ihm ihren Freund vor. Sebastian bleibt aber kaum Zeit, enttäuscht, verletzt oder peinlich berührt zu sein, denn nun erscheint Frida auf der Bildfläche, die ihn auf den ersten Blick an die Eiskönigin Elsa erinnert. Mit ihr verbringt Sebastian nun den halben Tag. Frida ist witzig und schlagfertig, weiß wilde Geschichten zu erzählen, aber sie verwickelt sich auch schnell in Ungereimtheiten und Widersprüche in Bezug auf ihre Familie und ihre eigene Person. In kurzer Zeit wird es für Sebastian immer wichtiger, die Wahrheit zu erfahren, denn er fühlt sich von Fridas Art nahezu magisch angezogen.
So konstituieren sich schnelle und witzige Dialoge zwischen den Jugendlichen, die einander im Laufe des Tages immer näherkommen. Diese Nähe erreicht ihren Zenit, als Sebastian selbst sich schließlich Frida öffnet und ihr vom tragischen Unfalltod seines Bruders erzählt, über den er sonst kaum sprechen kann. Aber Frida braucht trotzdem noch etwas länger, bis es ihr ihrerseits gelingt, sich zu öffnen und die Wahrheit über ihre Familie preiszugeben.
So entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die zarte Töne anschlägt. Die erzählte Zeit bezieht sich auf den einen einzigen Tag in der Uni. Die Handlung setzt vor allem auf den Blick ins Innere des Protagonisten und Ich-Erzählers, geht sensibel mit ihm um und lässt die Leser*innen an seinen inneren Höhen und Tiefen teilhaben. Trotzdem ist die Geschichte nicht langsam erzählt, sondern durch die Dominanz von dramatischem Modus, der sich in witzigen Figurendialogen entfaltet, entwickelt sich eine mitreißende Dynamik. Die Geschichte der Teenager*innen changiert zwischen Tragik und Komik und schafft es, die Balance zwischen beiden Polen zu halten, da der Wechsel zwischen dem Blick ins Innere des Ich-Erzählers und den witzigen Dialogen kongenial gelingt.
Sebastians Erzählerbericht ist getragen von einer raffinierten intermedialen Verweisstruktur, die sich vor allem aus Filmzitaten speist, die von "Casanova" bis zur "Eiskönigin" reichen. So erleben die Leser*innen die Protagonist*innen stets in der Nähe von prominenten Filmfiguren, die darin vereint sind, dass sie nach den eigenen Lebenswegen und ihrer Identität suchen und dabei vor der Aufgabe stehen, auch unangenehme Anteile zu integrieren, die man vielleicht lieber verdrängen würde. Gerade bei der Darstellung des Geschwistertodes erweist der Text eine besondere Sensibilität, etwa wenn er Sebastian im Dialog mit Frida seine Gefühle so explizieren lässt:

„Als Connor starb, war es, als ob...alles einfach stillsteht und nichts mehr irgendwas bedeutet oder Sinn hat. Ich hatte das Gefühl, dass wir für immer so erstarrt und in uns selbst eingesperrt bleiben würden. Ich glaubte nicht, dass irgendjemand von uns jemals wieder weitermachen könnte.“ (S. 153)

Doch Sebastian macht weiter – wie, das erzählt dieser faszinierende Jugendroman auf einnehmende Weise, ohne je melancholisch oder kitschig zu werden. Frida und Sebastian helfen und stabilisieren sich, doch erzählt wird hier vordergründig eine witzig-freche Story, die von einem intermedialen Verweisnetz getragen ist, und das Erleben seiner wenigen Figuren ins Zentrum der Erzählung stellt, die zeigt, das ein einziger Tag im Leben so viel verändern und dynamisch in Schwung bringen kann.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von kku; Landesstelle: Rheinland-Pfalz.
Veröffentlicht am 15.06.2021

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