Die Mississippi Bande. Wie wir mit drei Dollar reich wurden
- Autor*in
- Morosinotto, Davide
- ISBN
- 978-3-551-32108-4
- Übersetzer*in
- Panzacchi, Cornelia
- Ori. Sprache
- Italienisch
- Illustrator*in
- Moro, Stefano
- Seitenanzahl
- 368
- Verlag
- Carlsen
- Gattung
- TaschenbuchErzählung/Roman
- Ort
- Hamburg
- Jahr
- 2024
- Lesealter
- 10-11 Jahre12-13 Jahre
- Einsatzmöglichkeiten
- BüchereiFreizeitlektüreVorlesen
- Preis
- 10,00 €
- Bewertung
Schlagwörter
Teaser
Ein mitreißender Abenteuerroman im Geiste von Tom Sawyer und Huckleberry Finn für geübte Leser*innen.
Beurteilungstext
Davide Morosinotto nimmt uns mit in den Süden der Vereinigten Staaten in die Zeit um 1900. Die Geschichte beginnt im Bayou, den Sümpfen des Mississippi. Vier Kinder in prekärer Lage: Te Trois muss zu Hause auf der Farm hart arbeiten und körperliche Strafen sind sein täglich Brot; die Mutter der beiden Halbgeschwister Julie und Tit gilt als Flittchen; Eddie "Schiefauge" wird wegen seiner Brille gehänselt und sein Vater hat als Arzt wenig Zeit und wenig Verständnis für seine schamanischen Interessen. Immer wieder stehlen sich die vier in eine alte Hütte, um den Misslichkeiten des täglichen Lebens zu entfliehen. Als sie bei einer Fahrt auf dem Fluss eine alte Blechbüchse aus dem Wasser ziehen, ist dies der Beginn eines großen Abenteuers.
Die Büchse enthält drei Dollar und die Kinder beschließen, mit dem Geld einen Revolver aus einem Versandkatalog zu bestellen. Um das zu bewerkstelligen, bedarf es zwar einiger Tricks, aber es gelingt. Die Enttäuschung ist groß, als statt des Revolvers nur eine kaputte Taschenuhr ankommt. Allerdings zeigt sich schnell, dass es mit der Uhr etwas Besonderes auf sich haben muss, denn es taucht ein Fremder auf, der mit Gewalt versucht, ihnen die Uhr wieder abzunehmen. Als dieser dabei zu Tode kommt, stolpern die Kinder in eine lange und gefährliche Reise hinein, die sie per Einbaum, Schaufelraddampfer und Viehwaggon bis nach Chicago führen wird.
Die Mississippi-Bande ist eine Mischung aus Abenteuer- und Kriminalgeschichte. Sie wird wechselweise aus der Perspektive der einzelnen Kinder erzählt, die den Leser*innen dadurch schnell ans Herz wachsen. Der unternehmungslustige Te Trois, der naturverbundene Eddie, der stille kluge Tit und vor allem die mutige und selbstbewusste Julie sind tolle Romanfiguren, denen man gebannt auf ihrem gefährlichen Weg folgt. Davide Morosinotto spart nicht mit Härten und schlimmen Situationen, in die die Kinder geraten. Sie müssen Diskriminierung und auch viel Gewalt erleben, bis es zum guten Schluss kommt.
Besonders wird das Buch auch durch die detailreichen interessanten Schwarz-Weiß-Illustrationen von Stefano Moro, der uns in seinen Bildern das Zeitkolorit durch Katalogseiten, Landkarten, Zeitungsausschnitte auf grandiose Weise nahebringt. Ein schöner, wenn auch etwas wehmütig stimmender Einfall des Autors ist es, im allerletzten Kapitel die Protagonisten am Ende ihres Lebens zu zeigen. Wir erfahren, wie ihr Leben verlaufen ist und wie sie auf ihr Abenteuer zurückblicken.
Ein großartiges Buch, das jetzt in einer preisgünstigen Taschenbuchausgabe vorliegt. Wegen seines Umfangs eignet es sich nicht unbedingt als Klassenlektüre, wohl aber für vielseitig interessierte und versierte Leser*innen. Im Hinblick auf die dargestellte Gewalt und den vielleicht nicht immer vorhandenen historischen und kulturellen Kontext ist es auch ausdrücklich zur gemeinsamen Lektüre von Kindern und Erwachsenen zu empfehlen.