Die Ministerpräsidentin

Autor*in
Tungodden, Tore
ISBN
978-3-8067-5142-0
Übersetzer*in
Haefs, Gabriele
Ori. Sprache
Norwegisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
158
Verlag
Gerstenberg
Gattung
Ort
Hildesheim
Jahr
2007
Lesealter
12-13 Jahre14-15 Jahre16-17 Jahreab 18 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
11,90 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Kurz vor der Wahl wird die 10-jährige Hanna von der Partei “Stimme der Zukunft” zur Kandidatin für das Amt der Ministerpräsidentin erklärt. Sie lässt sich auf das Spiel ein, aber bald ist es bitterer Ernst: Sie wird gewählt. Und das Abenteuer des schmutzigen Geschäfts Politik beginnt ...

Beurteilungstext

Hannah ist zehn, als ihr Vater, Organisator der Wahlkampagne für die Partei "Stimme der Zukunft", sie der Partei als Kandidatin für das Amt der Ministerpräsidentin vorschlägt. Eine rasch herbeigeführte Grundgesetzänderung setzt die Altergrenze herab, und ehe Hannah sich versieht, ist sie gewählt - eine absurde Idee, und noch absurder, wie unproblematisch im Roman die Erwachsenen darauf reagieren, von einer 10-Jährigen geführt zu werden, die rund um die Uhr arbeitet (denn zur Schule muss sie ja auch noch) und so einfach mal den Präsidenten der Vereinigten Staaten trifft.
Aber das, was sich als unterhaltsames, wenngleich lehrreiches Kinderbuch tarnt, ist in Wirklichkeit ein höchst politischer Roman, den man als Lehrbuch in Staatskunde bezeichnen könnte, mit einem deutlich moralisierenden Grundton (der Verfasser arbeitet an der Universität Bergen im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften): Fink, Mitarbeiter in einer norwegischen Werbeagentur, soll einer neu gegründeten Partei Profil verleihen. Diese Partei soll endlich das tun, wovon alle reden und was keiner tut: die Welt verändern. Und dabei spielen Kinder die Hauptrolle. Kinder, die normalerweise ohne Lobby sind und nichts allein bestimmen dürfen, nicht im Staat, nicht in der Familie, nicht in ihrem eigenen Leben. Nun soll sich das ändern, und ein Kind soll den Erwachsenen erzählen, "wo es lang geht" und so die Welt retten.
Während der kurzen Zeit ihrer Kandidatur und der wenigen Tage ihres Amtes lernt Hannah Grundlegendes über das politische System (vor allem Norwegens, das allein durch seine Monarchie nicht ganz mit unserem vergleichbar ist), über das Storting, das Grundgesetz, die Rolle des Königs, die Wahlordnung. Und über die Macht der Werbung in den Medien. Hannah ist keine typische Zehnjährige; sie ist verantwortungsbewusst (im Gegensatz zu einigen "Ministern" ihres späteren Kabinetts), klug, nachdenklich, versucht hinter die Dinge zu schauen, und das macht ihre Rolle recht"pädagogisch". Ihre Erkenntnisse, die sie letztlich zum Rücktritt veranlassen, gehen weit über das intellektuelle Vermögen eines Kindes hinaus.
Aber trotzdem: Das Buch ist absolut interessant und unterhaltsam zu lesen - für Erwachsene und ältere Jugendliche; nicht für 10-Jährige. Denn für die meisten von denen wird das Buch dann einfach ein großer Jux. Der ältere Leser hingegen wird zum Beispiel das leere Geschwätz und Geschwafel der Politiker "genießen", das die Hohlheit des politisches Denkens beschämend bloßlegt (und das, wenngleich unbeabsichtigt, mich öfter an ganz bestimmte Politiker unseres Landes denken ließ). Dennoch darf man nicht darüber hinweg sehen, dass auch der Autor mit Klischees arbeitet - auch wenn es gerade das ist, was er kritisch darstellen will.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von avn.
Veröffentlich am 01.01.2010

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