Die Graue Stadt

Autor*in
Kuhlmann, Torben
ISBN
978-3-314-10652-1
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Kuhlmann, Torben
Seitenanzahl
62
Verlag
Nord-Süd
Gattung
Buch (gebunden)Erzählung/Roman
Ort
Hamburg
Jahr
2023
Lesealter
10-11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
20,00 €
Bewertung
empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Mausgrau, anthrazitgrau, granitgrau, betongrau, rostgrau, steingrau, aschgrau – das ist ein Teil der Farbpalette, die die „Die Graue Stadt“ prägt. Wer hier eine an Loriots Sketch angelehnte, humorvolle Geschichte erwartet, irrt. Das Buch ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage nach Uniformität und Individualität erzählt über die Wirkmächtigkeit der Farben.

Beurteilungstext

Ganz eindeutig lebt die Geschichte von den Bildern, die meist eine Seite des großformatigen Buches, manchmal sogar eine ganze Doppelseite, einnehmen. Torben Kuhlmann gelingt es tatsächlich, ganz unterschiedliche Grautöne – und Begriffe dafür (siehe der großartige Vorsatz!) – zu finden. In der Summe ist offensichtlich, dass es sich nur um eine scheinbare Vielfalt handelt – das viele Grau macht das Leben in der Stadt trist, eintönig, uniform und deprimierend.
Wie schon in früheren Werken entwickeln die Bilder die ganz eigene Kuhlmannsche Ästhetik. Sie wirken wie etwas aus der Zeit gefallen, verbinden Modernität mit dem Design unterschiedlicher Epochen, z.B. der 50er Jahre. Trotz der fehlenden Farben gibt es in jeder Illustration etwas zu entdecken, sie sind erkennbar mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Im Spiel mit den unterschiedlichsten Grautönen setzt der Künstler Farbtupfer, die umso mächtiger wirken und das „Störpotential“ sichtbar machen. Kuhlmann ist ein Meister der Perspektive und Tiefenwirkung, Orte und Räume wirken sehr realistisch. Mit sanft abgerundeten Kanten wirkt alles ein ganz klein wenig unscharf und weich.
Erzählt wird die Geschichte von Robin, die mit ihrem Vater an diesen tristen Ort zieht. Robin mag Farben, trägt einen gelben Regenmantel (der einer der oben beschriebenen Farbakzente darstellt) und versteht nicht, warum in der Stadt alles grau sein muss. In der Schule wird sie für bunte Zeichnungen bestraft, lernt beim Nachsitzen Alani kennen, den das viele Grau ebenso stört. Sie freunden sich an, finden Inseln der Fröhlichkeit und des Lebens bei Alani zuhause, wo musiziert wird, und in einem Hinterraum der Bibliothek, wo bunte Bücher voller Wissen verborgen sind. Bei ihrer Suche nach einem Weg, die graue Dominanz zu überwinden, schleichen sie sich in die Grauwerke der Stadt ein – und schaffen es am Ende durch Sabotage, die Stadt bunt zu machen. Die Geschichte erinnert ein wenig an „Des Kaisers neue Kleider“: Ein Kind zeigt der Welt den beschränkten Blick auf, ermutigt alle, den Gehorsam abzulegen.
Sprachlich ist das Ganze solide aus der Sicht Robins erzählt. Leser*innen nehmen ihre Eindrücke und Empfindungen auf. Überwiegend beschreibende Passagen sind durch Dialoge aufgelockert, erzeugen aber selten wirkliche Spannung. Das Vokabular ist teilweise durchaus anspruchsvoll, hier schadet beim Lesen eine erwachsene Person in der Nähe sicherlich nicht.
Die Rezensentin wollte das Buch unbedingt lieben und ist nach der Lektüre doch ein wenig ratlos: Es ist für ihren Geschmack nicht nur wenig fesselnd erzählt. Im Hinterkopf kreist die Frage: Warum braucht es diese Geschichte? Wenn die Botschaft „Mehr Individualität!“ sein soll, stellt sich die Frage, ob es in unserer Gesellschaft wirklich daran mangelt. Wenn es eine Feier der Vielfalt (der Farben bzw. der menschlichen Lebensweisen) sein soll, wird das aus der Erzählung nicht wirklich deutlich. Wenn am Ende ein „bunt ist das Leben schöner“ steht, ist es doch ein wenig platt.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von ah; Landesstelle: Berlin.
Veröffentlicht am 06.02.2024

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