Die allerverrückteste Stadt und ich - Doro in Amsterdam
- Autor*in
- Schins, Marie Thérèse
- ISBN
- 978-3-87294-928-8
- Übersetzer*in
- –
- Ori. Sprache
- –
- Illustrator*in
- Oeser, Wiebcke
- Seitenanzahl
- 144
- Verlag
- –
- Gattung
- –
- Ort
- Wuppertal
- Jahr
- 2003
- Lesealter
- 12-13 Jahre
- Einsatzmöglichkeiten
- –
- Preis
- 11,00 €
- Bewertung
Teaser
Weil ihr Vater zu seiner kranken Mutter nach Italien muss, soll Doro einige Tage bei Onkel und Großeltern in Amsterdam verbringen. Mit ihrem Onkel Kees lernt sie einiges vom modernen Amsterdam kennen, was sie erstaunt und auch irritiert. Mit der Oma und dem Opa lernt sie ein anderes Amsterdam kennen: Der Großvater war im Widerstand gegen die deutsche Besatzung aktiv und die Großmutter zeigt ihr das Anne-Frank-Haus. Außerdem sind da noch die sehr verschiedenen Jungen Jo und Melle, die Doro (beide auf ihre Weise) noch weitere Facetten dieser interessanten Stadt zeigen und erleben lassen.
Beurteilungstext
Die Autorin, selbst Niederländerin, schreibt kenntnisreich und gut recherchiert über die Begegnung des jungen Mädchens Doro mit der Großstadt Amsterdam. Durch die Figurenkonstellation (Onkel, Opa, Oma, deren Freund und Bekannte) gelingt es ihr, ein sehr lebendiges Bild von Amsterdam zu zeigen. Da erfährt der Leser nicht nur etwas über die Grachten und die alten Niederländischen Maler, sondern auch über die Prostitution, die so selbstverständlich ins Stadtbild gehört , über den Kolonialismus der Niederlande, der auch in manchen Köpfen noch bis heute wirkt, über den Widerstand der Holländer gegen die deutsche Besatzung im Faschismus und über die in unserem Nachbarland so sprichwörtliche Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Anderslebenden (z.B. den Homosexuellen). Natürlich können auch das Drogenproblem und die damit zusammenhängenden Phänomene nicht unerwähnt bleiben (Diebstähle, Wohnungseinbrüche usw.), wobei ein bisschen Haschisch rauchen zum Lebensstil vieler Niederländer gehört, denn dies ist nicht verboten. Auch die vielen Touristen mit ihrem engen Blick, der manches nur ausschnittweise und schief wahrnimmt geraten ins Blickfeld von Doro und ihren Begleitern.
Das Buch ist mit den Zeichnungen von Wiebke Oeser liebevoll gestaltet und mit einem Innenstadtplan von Amsterdam versehen, auf dem all die Orte verzeichnet sind, die der Leser mit Doro besichtigt.
Allerdings liegt hier auch ein Haken der Geschichte: Wiebcke Oesers temperamentvollen und perspektivenreichen Zeichnungen, insb. in ihrer Farbigkeit auf dem Cover, vermitteln den Eindruck, dass es sich um ein Kinderbuch handelt. Im Text erfährt man dann aber, dass Doro ungefähr 14 Jahre alt ist. Dies ist auch glaubwürdig, denn als jüngeres Mädchen hätte sie bestimmte Erfahrungen (z.B. mit den Jungen oder allein) nicht machen können oder dürfen. Außerdem ist ihre Beziehung zu den Großeltern eine reifere, besonders zu ihrem Großvater der zu ihr als junge Frau eine echte Beziehung entwickelt.
Ein weiteres kleines Manko des Buches besteht darin, dass die Autorin des Guten zu viel getan hat. Offensichtlich wollte sie so viel wie möglich von dieser Stadt rüberbringen. Darunter leidet dann die Glaubwürdigkeit der erzählten Geschichte. Besonders auffällig ist dies bei der Schilderung der Begegnung mit Jaqueline der Marktfrau aus Surinam, die ihnen die Geschichte des Sklavenhandels erzählt. Wo gibt es denn das, dass eine Marktfrau ihren Kunden folgt, sich zu ihnen ins Café setzt und ihnen eine Lektion in Geschichte erteilt? Solche Begegnungen passieren in diesem Buch sehr oft und außerdem sind fast alle Leute sehr kenntnisreich und teilen ihr Wissen gerne mit. Ich befürchte, dass diese Konstruktion und die auffällige Häufigkeit von Intellektuellen und aufgeschlossenen, freakigen Menschen etwas lebensfremd ist und so doch ein etwas falsches Bild der sicherlich interessanten und verrückten Stadt Amsterdam entsteht.