Der Junge in den falschen Schuhen

Autor*in
Percival, Tom
ISBN
978-3-7571-0209-8
Übersetzer*in
Tichy, Martina
Ori. Sprache
Englisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
336
Verlag
Rotfuchs
Gattung
Buch (gebunden)Erzählung/Roman
Ort
Frankfurt am Main
Jahr
2025
Lesealter
10-11 Jahre12-13 Jahre14-15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
BüchereiFreizeitlektüreKlassenlektüre
Preis
14,90 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Eine Geschichte über Armut und den Sog nach unten, aber auch über die Hoffnung und Wege, scheinbar unumkehrbare Prozesse aufzuhalten.

Beurteilungstext

Will hat es schwer, denn sein Leben ist ziemlich aus den Fugen geraten. Zuerst hat seine Mutter die Familie verlassen, dann hat sein Vater seinen Job verloren, dann mussten sie in ein berüchtigtes Sozialviertel ziehen und schließlich verletzte sich der Vater bei einer Schwarzarbeit schwer. Es scheint eine unumkehrbare und kraftvolle Dynamik nach unten zu geben und Will ist mit dabei auf dem Weg in den Keller der Gesellschaft. Da hilft es auch nichts, dass sein Freund Cameron versucht, Will zu helfen. Oder, dass sein Kunstlehrer Mr. Prince sein Talent im Zeichnen erkennt und fördert. Aber als seine Mitschülerin Kalia in brenzlichen Situationen Courage zeigt und sensibel auf seine Probleme eingeht, fühlt sich Will ernst genommen. Als dann Chris Tucker Will in seine kriminellen Machenschaften einbeziehen will, steht Will vor einer schweren Entscheidung: Möchte er das schnell verdiente Geld, um sich und seinen Vater aus der Patsche zu helfen, oder entscheidet er sich für den moralisch richtigen Weg. Und überraschenderweise ist letzteres dann auch der Pfad aus dem Elend, wie Will bald feststellen kann. So endet das Buch mit viel Hoffnung und einer guten Zukunftsprognose für Will, seine Familie – und sogar Chris Tucker.
Tom Percival kommt selbst aus schwierigen Verhältnissen und verarbeitet in diesem Roman autobiografische Erfahrungen. Ihm gelingt es, seinen Ich-Erzähler Will das Problem von Menschen in armen Verhältnissen verständlich erklären zu lassen. Hilfe und Mitleid sind heikel, weil sie die Demütigung verstärken und jede Form der Normalisierung der Personen unmöglich machen. Hilfe ist bitter nötig, aber schwer anzubieten – und noch viel schwerer anzunehmen. Da gehört nicht nur guter Wille dazu, auch Verständnis und – in Wills Fall – auch gemeinsam geteilte Erfahrungen. Am Ende ist Hilfe anderer essenziell, aber es ist ein langer Prozess, bis Will und sein Vater diese annehmen können.
Tom Percivals Geschichte wirkt auch besonders durch die multimodalen Erzählstrukturen. Neben dem Erzähltext gibt es comicartige Bilder. Die Illustrationen wirken tuschegezeichnet und greifen die erzählten Situationen auf, sie schaffen aber durch eindrückliche Szenen und oft auch panelförmige Verlaufsdarstellungen mit Perspektivenwechseln und Zoombewegungen einen filmischen Gesamtcharakter, der besonders die emotionale Atmosphäre der Handlung herausarbeitet. Dazu tragen auch die typografisch herausgestellten Textelemente bei. Und schließlich gibt es auch noch ein poetisches Bild einer geheimnisvollen Eule, die Will begleitet und für ihn zum Symbol des Guten wird. So entsteht auch ein modern erzähltes, vielschichtiges und intensives Leseerlebnis, das viel Dynamik aufbaut und dennoch Freude macht. Eine hoffungsvolle Geschichte, die zeigt, dass wir immer wieder Entscheidungen fällen können, die alles verändern. Sehr zu empfehlen.

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von Michael Ritter; Landesstelle: Sachsen-Anhalt.
Veröffentlicht am 16.09.2025

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