Der Himmel über Jerusalem

Autor*in
Ambrosio, Gabriella
ISBN
978-3-596-85471-4
Übersetzer*in
Kopetzki, Annette
Ori. Sprache
Italienisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
128
Verlag
Fischer Schatzinsel
Gattung
Erzählung/Roman
Ort
Frankfurt
Jahr
2012
Lesealter
14-15 Jahre16-17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
12,99 €
Bewertung
eingeschränkt empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Dima ist Palästinenserin, Myriam ist Jüdin. Beide träumen von einem anderen Leben. Doch beide können sich nicht vorstellen, dass es eine andere Zukunft tatsächlich geben kann. Sie unterdrücken ihre Gefühle und ihre Gedanken an die schönen Dinge, bis sich Dima eines Tages mit einer Bombe in ihrem Rucksack auf den Weg in ein Jerusalemer Einkaufszentrum macht. Auch Myriam ist dort …

Beurteilungstext

""Der Himmel über Jerusalem"" ist der erste Roman der italienischen Journalistin und Professorin Gabriella Ambrosio. Er ist bedrückend von der ersten bis zur letzten Seite, kein Fünkchen Schimmer ist zu entdecken. Die Autorin erzählt frei nach der wahren Geschichte von Ayat al-Akhras und Rachel Levy, und sie spricht die Leserinnen und Leser direkt an. Dadurch scheint die Erzählung noch bedrückender, Jungen und Mädchen finden schier keinen Ausweg mehr. Ebenso wenig finden die beiden Protagonistinnen einen Ausweg.

Das Ende ist bereits zu Beginn des Romans bekannt. Die jugendlichen Leserinnen und Leser ab 14 Jahren wissen, dass Dima ein Selbstmordattentat begehen wird. Der Roman umfasst die letzten sieben Stunden vor dem Tod Dimas, Myriams und des Wachmanns Abraham, und widmet sich am Ende, nach dem Selbstmordattentat den Gedanken der Zurückgebliebenen. Jede volle Stunde erhält ein Kapitel, ebenso die Zurückgebliebenen am Ende des Romans. Die Leserschaft erfährt sehr viel über das Leben der beiden Protagonistinnen, über deren Familien, aber auch einiges über den israelischen Juden Abraham, der von einer arabischen Amme gestillt wurde, und über den Sprengstoffexperten Ghassan, der sich selbst einmal in der Nähe eines Selbstmordattentats befand und seither zu üblen Kopfschmerzen führende Splitter im Kopf hat.

Sobald ihnen warm ums Herz wird, sobald Leidenschaft in ihnen entsteht, unterdrücken Dima und Myriam diese und konzentrieren sich auf ihr desolates Dasein in Jerusalem, das sich nicht ändern lässt. Da kommt Ghassan, der wie Dima im Lager Deheishe lebt, gerade recht. Er organisiert das Selbstmordattentat Dimas, er verspricht ihr, dass sie sich dann ""um nichts"" mehr Sorgen machen müsse. ""Um nichts. Das Nichts. Ein Nichts. Ein Nichts waren ihre Träume gewesen, wenn sie es jetzt bedachte. Ein Nichts ihre Erfolge. Ein Nichts war ihre Welt gewesen. Ein Nichts ihre Bemühungen, ein Nichts ihre Gedanken."" Oft, fast schon zu oft geht es in dem Roman um das ""Nichts"".

Die meisten Bewohner des Lagers Deheishe feiern Dimas Wahnsinnstat, applaudieren und jubeln. Nur einige wenige, zum Beispiel Dimas Pultnachbarin Rim und Dimas Vater Said, haben Mitleid. Mitleid mit sich selbst, Mitleid mit den anderen.

Dennoch: An vielen Menschen in Israel nagt ein ""lästiger Kummer"", auch an Ghassan, den der Erzähler einmal direkt anspricht: ""Worauf wartest du, Ghassan? Was stimmt nicht bei der ganzen Sache?"" Doch die Vergangenheit bleibt bestehen, die Gegenwart bleibt ein ""Nichts"", es ist kein Weg sichtbar, den die Menschen gehen können. Myriams Mutter Soshi sagt zu ihrem Sohn Nathan: ""Wir sind hier angekommen nach mehr als zweitausend Jahren Verfolgung und einer Shoah, die jeden zweiten von uns getötet hat. Einer Shoah, die bei uns nicht nur Schmerz, Verbitterung - eine qualvolle Verbitterung - und Schrecken, sondern auch Scham hinterlassen hat."" Das allerdings, was die Juden den Unabhängigkeitskrieg nannten, war ""für die Palästinenser die ‚nakbha', die Katastrophe, die Vertreibung aus ihrer Heimat"". Selbstmordanschlägen folgten Vergeltungsschläge und diesen folgten erneute Anschläge.

Die Autorin versteht es, die Schwere des Themas in der Sprache spürbar zu machen. Kurze Sätze, leblose Dialoge, eine Wortwahl, die sich auf Begriffe konzentriert, die im Leser ein flaues Gefühl entstehen lassen. Schon die Überschriften, die den Roman in viele kleine Absätze und zugleich Lebensabschnitte der Mitwirkenden unterteilen, sind keine Überschriften, sondern Sätze, ganze Sätze, die nichts Gutes vermuten lassen.

Das helle Blau des Einbands, das Wort Himmel im Titel des Romans täuschen über die Splitter hinweg, die das Bild auf dem Einband zeigt und die zuerst wie ein Stern erscheinen. Der beeindruckende Roman ist sicherlich lesenswert, die Schwere, die die Autorin vermittelt, ist jedoch bisweilen unerträglich.

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Diese Rezension wurde verfasst von mk.
Veröffentlich am 01.01.2010

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