Der Hase auf dem Rücken eines Elefanten. Meine Reise von Moskau bis Shanghai.

Autor*in
Jost, Rina
ISBN
978-3-03731-145-5
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Seitenanzahl
128
Verlag
Edition Moderne
Gattung
Comic
Ort
Zürich
Jahr
2016
Lesealter
16-17 Jahreab 18 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Bücherei
Preis
25,00 €
Bewertung
empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Die Illustratorin berichtet von ihren Reiseerlebnissen entlang der transsibirischen und der transmongolischen Eisenbahnstrecke von Russland bis nach China. Sie arbeitet hierfür beispielsweise kulturelle Klischees aus der Sicht der Touristin und aus Sicht der Einheimischen auf. Ortsangaben und diverse regionale Besonderheiten in kyrillischer oder chinesischer Schrift stellen an den Rezipienten hohen Anforderungen, bietet aber auch ein hohes Lesevergnügen.

Beurteilungstext

Die Bildsprache der jungen Schweizer Illustratorin (Jg. 1987) ist weitgehend einem Comicstil verpflichtet, die wenigen großformatigen ein- bis zweiseitigen Bilder sind malerisch gut umgesetzt und stellen "Ruhepausen" zwischen den kleinteiligen Erzählungen dar. Bildsprachlich überzeugt der Band nicht durchgehend, Rina Jost hat noch keine klare eigene Bildsprache gefunden, das wirkt z.T. "ungelenk" und experimentiert noch. Die Text- Bild -Arrangements sind noch nicht durchgehend aufeinander angewiesen: der Text, der sprachlich nicht immer gelungen ist, käme z.T. auch ohne Bilder aus, was in einer wirklich gelungenen Graphic Novel nicht sein kann. Die Sequenzen von Rina Jost regen den Leser jedoch auf humorvolle Weise zum Nachdenken an, denn sie drücken ganz unvermittelt aus, wie man sich als Tourist auf so einer Reise fühlt: sie versteht nicht, worüber die Mitpassagiere im Zug sprechen; sie wundert sich über Sitten und Gebräuche; sie absolviert scheinbar endlose Zugfahrten durch die Weite ebenso wie unbequeme Sitzhaltungen und Erkältungen...
Neben der Zugreise verarbeitet sie die Erlebnisse in den einzelnen Städten und Gegenden zu bildsprachlich amüsanten Geschichten: zur tatarischen Gastfreundschaft gegenüber Fremden, zur "schlimmsten Autofahrt" des Lebens mit dem betrunkenen Igor und seinen Freunden aus Irkutsk, zum Stutenmilch-Trinken und seinen Folgen in der Mongolei, über erlösende Duschen nach einer Gobi-Tour, über das Handelsverhalten in chinesischen Antiquitätenläden, über unvorhersehbare Interviews im chinesischen Fernsehen sowie über riskante Friseurbesuche in Peking. Am Ende des Buches resümiert die Autorin, welche Vorteile es hat, als "Nichtverstehende" ein Land zu erschließen - man kann nicht alle "unschönen" bzw. inhaltsleeren Gespräche verstehen - und sich damit potentiell immer ein positives Bild vom Gegenüber schaffen. Die junge Zeichnerin verschweigt jedoch auch nicht die Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten einer solchen Reise, fordert jedoch dennoch dazu auf, reisend Begegnungen in der Fremde zu suchen. Aufgrund der "Botschaft" des Bandes ist es eine lesenwerte Graphic Novel, verständlich ist er jedoch nur für jugendliche und erwachsene Leser, die mit der hohen "Leerstellen"-Dichte im Buch umgehen können.

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Diese Rezension wurde verfasst von FC; Landesstelle: 23 Sachsen-Anhalt.
Veröffentlicht am 12.08.2016