Das Nacht-Tier

Autor*in
Rassmus, Jens
ISBN
978-3-7074-5215-0
Übersetzer*in
Ori. Sprache
Illustrator*in
Rassmus, Jens
Seitenanzahl
48
Verlag
G&G - Georg Glöckler
Gattung
BilderbuchBuch (gebunden)Sachliteratur
Ort
Wien
Jahr
2018
Lesealter
4-5 Jahre6-7 Jahre8-9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
19,95 €
Bewertung
sehr empfehlenswert

Teaser

Abends kommt ein großes Tier zu dem Jungen, mit dem er in die Welt hinauszieht. Das Tier macht, was der Junge möchte, doch irgendwann fordert die Nacht ihr Recht ein.

Beurteilungstext

Als der Junge im Bett liegt, kommt ein großes Tier, das gleichzeitig wild und zahm aussieht. Das dunkle Fell und der runde Kopf lassen es keinem herkömmlichen Tier ähnlich sein, eher ähnelt es auch einer menschlichen Figur und kann insofern auch als Gegenüber des Jungen gelesen werden. Der Junge klettert auf seinen Rücken und nun geht es in die Welt hinein. Durch die Stadt und das Meer, auf den Berg und in die Luft – überall hin können das Tier und der Junge gelangen, wobei der Junge die Entscheidungen fällt und das Tier diese klaglos ausführt. Das wird auch sprachlich markiert, indem rondoartig an jedem Übergang zu einem neuen Handlungsort der Jung das treffende Verb im Imperativ verwendet, und das Tier die Handlung ausführt. „Ich sagte schwimm! Das Nacht-Tier schwamm.“ Dabei zeigt es keine sichtbaren Emotionen, bis die beiden wieder zuhause ankommen und der Junge das Tier nun mit in sein Bett einlädt. Dorthin kommt es – stark geschrumpft und nun eindeutiger als Kuscheltier erkennbar – und es übernimmt nun die Deutungshoheit über die Situation, indem es dem Jungen im selben Ton befiehlt und nun also den tageszeitbedingt angemessenen Übergang dominiert: „Es sagte schlaf! Und ich schlief ein.“ Damit wird die kindliche Phantasie schließlich auch wieder an die wirkliche Welt zurückgebunden, indem der Junge nicht unabhängig bleibt, sondern der Ausflug als Produkt der nächtlichen Phantasie in den Kontext der menschlichen Bedürfnisse eingeordnet wird und damit die Beziehung zwischen Kind und Welt in einem wechselseitigen Verhältnis bleibt, das durch das Tier als „Übergangsobjekt“ (Winnicott) symbolisiert und konkretisiert wird.
In den Bildern ist die besondere Stellung des Nacht-Tiers ebenfalls herausgestellt. Die grafischen Illustrationen werden weitgehend von Kontur- und Schraffurlinien dominiert und bleiben farblich zurückhaltend in – nachttypischen – pastellenen Blau- und Brauntönen gehalten. Das Tier hingegen wird malerisch-pastos gezeigt, in farblich starkem tiefblau-lila Fell und mit orangen Augen. So wird die seltsame Gestalt auch im Bild gut sichtbar und bei der Lektüre auf allen modalen Ebenen des Bilderbuchs eindrücklich inszeniert und in die Handlung integriert. Psychologisch überzeugend und handwerklich faszinierend – sehr zu empfehlen!

Michael Ritter

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.

Diese Rezension wurde verfasst von mr; Landesstelle: 23 Sachsen-Anhalt.
Veröffentlicht am 04.02.2019

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