Das Mädchen mit den Schwefelhölzern schlägt zurück
- Autor*in
- Carroll, Emma
- ISBN
- 978-3-03967-028-4
- Übersetzer*in
- Hertle, Marion
- Ori. Sprache
- Englisch
- Illustrator*in
- Child, Lauren
- Seitenanzahl
- 198
- Verlag
- Woow Books
- Gattung
- Buch (gebunden)
- Ort
- Hamburg
- Jahr
- 2024
- Lesealter
- 10-11 Jahre12-13 Jahre
- Einsatzmöglichkeiten
- didaktisches MaterialFreizeitlektüreKlassenlektüre
- Preis
- 20,00 €
- Bewertung
Schlagwörter
Teaser
London 1888: Die Straßen sind kalt, der Hunger groß – doch Bridie Sweeney hat mehr als nur Streichhölzer in der Tasche. Sie hat Mut, Wut und eine Stimme, die gehört werden will. Inspiriert von drei magischen Flammen stellt sie sich gegen Ausbeutung und Ungerechtigkeit und entfacht eine Bewegung, die alles verändert. Ein mitreißendes Märchen voller Feuer, Hoffnung und Widerstand, das besonders Potenzial für die Lesenden hat, welche mit dem Ende des berühmten Märchens, auf dem dieses Buch basiert, nicht zufrieden waren.
Beurteilungstext
Emma Carrolls Kinderbuch „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern schlägt zurück“ ist eine Neuinterpretation des berühmten Märchens von Hans Christian Andersen. Anders als im Original erhält die Protagonistin hier eine Stimme und kann ihre Geschichte selbst erzählen. Dabei ist sie nicht mehr ein Kind, das sich ihrem Schicksal ergibt, sondern eine Figur, die ihr Schicksal verändern kann. Die fiktionale Geschichte schafft es, hierbei den Bezug zur historischen Zeit der Handlung nicht zu verlieren und dennoch eine neue Erzählung zu kreieren.
Im Zentrum steht die zwölfjährige Bridie, die gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder in einem heruntergekommenen Viertel lebt. Ihre Mutter arbeitet unter katastrophalen Bedingungen in der Streichholzfabrik Bryant&May, wo Frauen durch den ständigen Kontakt mit giftigem Phosphor erkranken – eine klare Anspielung auf die tatsächlichen Arbeitsverhältnisse jener Zeit. Bridie selbst verkauft auf der Straße Schwefelhölzer, um das karge Familieneinkommen aufzubessern. Doch statt sich mit ihrem Schicksal abzufinden, beginnt sie, Fragen zu stellen: Warum verdienen Männer mehr als Frauen? Warum müssen Kinder schuften? Warum werden kranke Arbeiterinnen einfach entlassen?
Diese Fragen sind der Ausgangspunkt für Bridies Wandlung von einem still leidenden Kind zu einer mutigen jungen Aktivistin. Eine zentrale Rolle spielen dabei drei magische Streichhölzer, die Bridie in besonders verzweifelten Momenten entzündet. Jedes dieser Hölzer schenkt ihr eine Vision. So sieht sie sich als Rednerin vor einer großen Menge, mal träumt sie von einer gerechten Welt.
Besondere Bedeutung kommt in der Geschichte der historischen Figur Annie Besant zu, einer Journalistin und Aktivistin, die Bridie kennenlernt und die schließlich gemeinsam mit den Streichholzmädchen einen Streik organisiert. Bridie wird Teil dieser Bewegung: Sie spricht, sie widersetzt sich, sie wird gehört. Anders als im Märchen kann sie so ihr Schicksal selbst bestimmen und dabei eine Stimme für die Menschen sein, die in einer ähnlichen Lage wie sie sind.
Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive erzählt, wodurch zu Bridie eine besondere Bindung aufgebaut werden kann. Sie ist eine Figur, die als ehrlich, lebendig und klug dargestellt wird. Zugleich ist sie eine kritische Denkerin, die reflektiert ist. In der Geschichte werden Themen wie Armut, Ungleichheit, Krankheit und Arbeitsrecht auf eine kindgerechte Weise verhandelt. Dabei wird der historische Kontext nicht verschönt. Der Schreibstil selbst ist weniger ausschweifend gehalten und passt zur Erzählung.
Die Illustrationen von Lauren Child ergänzen die Geschichte. In Schwarz-Weiß gehalten, mit gezielten roten Akzenten, wie bei Flammen oder einzelnen Kleidungsstücken, unterstreichen sie die emotionale Tiefe und das zentrale Motiv des Feuers: als Gefahr, als Hoffnung und als Kraftquelle. Besonders gelungen ist zudem der Anhang des Buches, der historische Fotos der echten „Matchgirls“ enthält sowie ein Nachwort von Emma Carroll, in dem sie ihre Motivation und die tatsächlichen Ereignisse des Jahres 1888 erklärt.
Inhaltlich überzeugt „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern schlägt zurück“ durch seine klare Botschaft: Auch die Schwächsten in der Gesellschaft können Veränderung bewirken durch Zusammenhalt, Mut und den Glauben an eine gerechtere Zukunft. Bridies Geschichte macht deutlich, dass Empowerment nicht nur ein abstrakter Begriff ist, sondern ein Prozess, der in den kleinsten Momenten beginnt, wie beim Anzünden eines Schwefelholzes. Das ist eine Botschaft, die auch Heranwachsende aus dem Buch mitnehmen können.