Das Mädchen mit dem Haifischherz

Autor*in
FAGAN, Jenni
ISBN
978-3-88897-925-5
Übersetzer*in
Alemann, Noemi von
Ori. Sprache
Englisch
Illustrator*in
Seitenanzahl
332
Verlag
Kunstmann
Gattung
Ort
München
Jahr
2014
Lesealter
16-17 Jahreab 18 Jahre
Einsatzmöglichkeiten
Preis
19,95 €
Bewertung
eingeschränkt empfehlenswert

Schlagwörter

Teaser

Nach etlichen Heimen und Pflegeeltern kommt die fünfzehnjährige Anais in das Panoptikum, ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche und die letzte Station vor dem geschlossenen Vollzug. Aber auch im Panoptikum kann sie nicht von den Drogen lassen, verliert eine neu gewonnene Freundin und verwirklicht am Ende ihren Traum, die Flucht nach Paris.

Beurteilungstext

So hart es scheinen mag, Mädchen wie die 15-jährige Protagonistin Anais Hendricks aus Jenni Fagans erstem Roman „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ wird es in der Realität tatsächlich geben: Keine Eltern, kriminell, hin- und hergeschoben zwischen Heimen und Behörden, dem Missbrauch von Drogen zugetan. Um sich diese Ungerechtigkeit der Welt, der sich lebt, zu erklären, hat das Mädchen „das Experiment“ erfunden. Sie glaubt, seit ihrer Geburt Teil dessen zu sein, gar von diesem geschaffen worden zu sein, nur um zu schauen, wie ein Mensch unter ihren Bedingungen sein Leben bewältigt. Deshalb fühlt sie sich ständig beobachtet. Oder ob es sich um einen Verfolgungswahn als Resultat ihres Drogenmissbrauchs handelt, bleibt offen. Bei allem, was Anais in ihrem Leben erlebt hat und wie sie sich verhält, wirkt das Alter etwas unglaubwürdig – aber kann man als wohlbehüteter Mensch der Mittelschicht sagen, was in so jemand vorgeht?
Die Handlung beginnt damit, dass Anais mit einem Polizeiwagen in das „Panoptikum“ gebracht wird, ein Heim für schwererziehbare Jugendliche. Sie steht unter Verdacht, eine Polizistin beinahe umgebracht zu haben. Ob sie das war, wird bis zum Ende nicht eindeutig geklärt. Im Weiteren wird erzählt, wie Anais mit den anderen Jugendlichen umgeht, von ihrer Ablehnung der Sozialarbeiter und ihrer Flucht vor der Realität durch ständigen Drogenkonsum. Unterbrochen wird der Erzählfluss durch Anais‘ Erinnerungen an die Zeit, als sie bei einer Prostituierten, die für sie gleichzeitig Mutterersatz und Freundin war, lebte. Den Tiefpunkt der fast ausschließlich negativen Erfahrungen des Mädchens stellt die Massenvergewaltigung dar, als ihr Ex-Freund sie aus dem Gefängnis heraus in eine Falle lockt und mit dem Verrat an ihr seine Schulden „bezahlt“ – kurz nachdem sich ein anderes Mädchen des Heims, zu dem sie eine Freundschaft aufgebaut hatte, sich das Leben genommen hat. Unmittelbar nach der Beerdigung des Mädchens gelingt es Anais mithilfe der anderen Heimkinder, sich ihrer Verhaftung wegen einer anderen Straftat zu entziehen und Richtung Paris, der Stadt ihrer Träume, zu flüchten. Ob sie dort ankommt, bleibt offen, ändert aber nichts daran, dass dieses „gute“ Ende irgendwie nicht recht zur Handlung passen mag.
Insgesamt kann „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ nur begrenzt als Jugendlektüre empfohlen und sollte eher dem All-Age-Segment zugeordnet werden. Jugendliche, die den Roman lesen, sollten in ihrer Persönlichkeit gefestigt sein, um den positiven Drogenerlebnisse Anais‘ kritisch gegenüber zu stehen oder mit den schonungslosen Gewaltdarstellungen umgehen zu können. Letztlich ist auch die Sprache alles andere als betont literarisch – aber wie sollte sie das sein, wenn ein Mädchen wie Anais von sich erzählt?

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Diese Rezension wurde verfasst von str.
Veröffentlich am 01.01.2010